Das 14. Internationale Wintersymposium der DGOI hat in Zürs am Arlberg begonnen. Bis Samstag einschließlich werden unter dem Leitthema „Komplikationen meiden, Komplikationen meistern“ unterschiedliche Aspekte der implantologischen Behandlung von der Diagnostik und Fallplanung über Chirurgie mit Hart- und Weichgewebemanagement, Sofortversorgung und –belastung bis zu Prothetik und postoperativen Risiken beleuchtet. Bevor Prof. Dr. Daniel Grubeanu, Präsident der DGOI, das Wintersymposium vor den über 110 Teilnehmern eröffnete, gab er pip-online dieses Interview.

Zuerst einmal herzlichen Glückwunsch zum – wie ich gehört habe – ausgebuchten Wintersymposium. Warum ist diese Veranstaltung so beliebt?

Daniel Grubeanu: Unser Wintersymposium zeichnet sich durch die Kombination von hoch wissenschaftlichen Vorträgen an den Vormittagen und vielen praxisnahen Workshops an den Nachmittagen aus. Vor allem das freundschaftliche, familiäre Miteinander mit den Kollegen in einer freizeitorientierten Atmosphäre und den Veranstaltungsort in einem der schönsten Skigebiete der Alpen beschreiben uns die Teilnehmer immer wieder als „gelungenes Gesamtpaket“. Wir haben hier weitab der Praxis die Zeit und den Freiraum, um im Kreis der Kollegen und Referenten außerhalb des Vortragsraums zu diskutieren und zu reflektieren.

Wie sieht die Quote von Erstteilnehmern und sogenannten „Wiederholungstätern“ aus?

Daniel Grubeanu: Wir begrüßen natürlich wieder viele Kollegen, für die das Wintersymposium bereits ein fester Termin im Fortbildungskalender ist. Darüber hinaus erreichen wir mit dieser Veranstaltung auch jüngere Kollegen und Nichtmitglieder, die zum ersten Mal das Wintersymposium besuchen. In diesem Jahr sind rund ein Drittel Erstteilnehmer dabei. Im vergangenen Jahr haben sich einige der Kollegen, die zum ersten Mal hier waren, noch während des Symposiums für eine DGOI-Mitgliedschaft entschieden.

Prof. Dr. Grubeanu, Präsident der DGOI

Apropos Mitgliedergewinnung, die junge Generation ist immer schwerer zu bewegen, sich in Verbänden zu engagieren. Mit welchen „fassbaren“ Benefits will die DGOI diese neue Generation locken und überzeugen, engagierte Mitglieder in einer Fachgesellschaft zu sein?

Daniel Grubeanu: Wir leben in der DGOI ein freundschaftliches, respektvolles Miteinander und agieren untereinander auf Augenhöhe. Ob Vorstandsmitglied, Experte oder Referent – alle sind für jüngere Kollegen nahbar und ansprechbar. Das ist der Spirit, den die Teilnehmer auch während des Wintersymposiums erleben und der sie begeistert. Und: Wir haben uns klar als Fachgesellschaft für Praktiker definiert. Unsere Aufgabe sehen wir darin, die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse für die klinische Anwendung aufzubereiten. Was wir in unseren Curricula, Veranstaltungen und hier in Zürs diskutieren, das setzen wir selbst in der Praxis um. Die Kollegen und vor allem die Jüngeren profitieren daher von einem direkt anwendbaren Wissen, mit dem sie ihre implantologische Kompetenz erweitern und vertiefen können. Speziell für Einsteiger haben wir das Coaching-Konzept entwickelt, das jüngeren Mitgliedern eine individuelle Begleitung an der Seite erfahrener Implantologen bietet. Mit unseren Fortbildungsinhalten stärken wir Praktiker, indem sie erfahren, was wirklich in der Praxis funktioniert.

Die DGOI präsentiert mit ImpAct in diesem Jahr ein neues Veranstaltungskonzept. Wofür steht ImpAct?

Daniel Grubeanu: ImpAct steht für „Implantologie in Action“ – ein didaktisch modernes und für junge Kollegen ansprechend gestaltetes neues Veranstaltungskonzept. Wir haben uns vom konventionellen Jahreskongress verabschiedet und ersetzen diesen durch zwei neue Veranstaltungen: ImpAct Masterleague und ImpAct Dental Leaders. Wir haben uns für diese Zweiteilung entschieden, weil heute die Zielgruppe Implantologen recht heterogen ist. Es gibt Spezialisten, Prothetiker und Generalisten, zu deren Leistungsspektrum auch die Implantologie gehört, mit unterschiedlichen Interessen und Bedürfnissen. Die Veranstaltungen ImpAct Masterleague für leidenschaftliche Implantologen und ImpAct Dental Leaders für Generalisten werden deshalb auf die Interessen der jeweiligen Zielgruppe zugeschnitten.

Nach der Begrüßung durch Prof. Dr. Daniel Grubeanu, Präsident der DGOI, startete gestern um 16 Uhr das 14. Wintersymposium der DGOI mit den ersten Vorträgen, hier die Referenten des Mittwochnachmittags (v.): Dr. Harald Hüskens, Üdem, Prof. Dr. Daniel Grubeanu, Präsident der DGOI, Dr. Dr. Nico Laube, MSc, Frankfurt am Main, Dr. Marcus Seiler, MSc. MSc., Filderstadt, Dr. Müllauer, Markdorf, Dr. Frank Maier, Tübingen, und Dr. Dr. Markus Tröltzsch, Ansbach. (nicht im Bild: Dr. Jochen Mellinghoff, Ulm).

Was heißt das konkret?

Daniel Grubeanu: Bei der ImpAct Masterlegue am 25. und 26. Oktober 2019 stehen anstatt langer Vorträgejetzt Disputationes und „10-Minutes-one-Question-Sessions“ auf dem Programm. Geplant ist, dass Teilnehmer mitdiskutieren und den Kongress mitgestalten können. Wir werden auf breiter Ebene herausarbeiten, welche Therapien in welchen Situationen funktionieren. ImpAct Masterleague ist auf nur 100 Teilnehmer begrenzt. Bei ImpAct Dental Leaders erwartet uns ein deutlich breiter aufgestellter Informationsaustausch für Kollegen, die ihre implantologischen Fähigkeiten weiterentwickeln wollen. Beide Veranstaltungen vermitteln greifbare Benefits.

Wir erleben gerade Zeiten des starken Wandels: Dentalketten und MVZs sind aktuelle Themen. Wie sieht die DGOI diese Entwicklung?

Daniel Grubeanu: Mit Dentalketten und MVZs steht eine Art Strukturwandel an, ein neues Verständnis des freien Berufs des Zahnmediziners. Von den investorengetragenen Dentalketten sind die Mehrbehandlerpraxen und MVZs zu unterscheiden, in denen mehrere spezialisierte Zahnärzte einer gemeinsamen Idee von Zahnheilkunde folgen. Trotz eines gemeinsamen Dachs bleibt jeder frei in seinen Entscheidungen, um patientenorientierte Therapieentscheidungen zu treffen. Diese Praxen machen Sinn, weil hier eine spezialisierte Zahnheilkunde angeboten werden kann. Wie frei Zahnärzte in der Therapieentscheidung agieren können, wenn sie mit ihrer Praxis Teil einer investorengetragenen Dentalkette werden, ist abzuwarten. An diesem Punkt wird es möglicherweise unterschiedliche Antworten geben.

Die Frauen kommen – auch in der Implantologie?

Auf alle Fälle – die implantologische Chirurgie war als rote Disziplin bisher eine Männerdomäne. Jetzt sehen wir mit Freude, dass das nicht mehr so ist. Die oft zitierte Angst der Frauen vor der Chirurgie können wir nicht bestätigen – ganz im Gegenteil: Immer mehr Frauen üben Oralchirurgie und implantologische Chirurgie mit Leidenschaft aus. Auch bei unserem Curriculum Implantologie 9+2 wächst der Frauenanteil stetig. Mehr Frauen in der Implantologie ist ein Gewinn für diesen Fachbereich – und auch für die DGOI.

Herzlichen Dank für das informative Gespräch und

eine gute Zeit mit den Kollegen in Zürs, Herr Prof. Grubeanu.