Welch einen Vorteil ein mit einer LOT-Nummer versehenes und damit rückverfolgbares Implantat bietet, zeigt sich schon in diesen Tagen: Immer öfter senden Zahnärzte an die pip-Redaktion Röntgenaufnahmen und Fotos von Implantat-Innenverbindungen von vor 10 und mehr Jahren gesetzten Implantaten, die eine prothetische Neuversorgung benötigen. Identität rätselhaft! Einen Vorteil ganz anderer Art zeigte die Nummerierung von Straumann-Implantaten zu Beginn des Jahres. pip sprach mit Maurizio Vitomarco von der Straumann-Training Academy.

pip: Was war passiert…?

Maurizio Vitomarco: Jeder – auch wenn man sie selber vielleicht gar nicht anschaut – kennt sicherlich „Aktenzeichen XY – ungelöst“, diese Serie, in der monatlich ungelöste Kriminalfälle vorgestellt und die Fernsehzuschauer um Hinweise gebeten werden. Ich war zu Hause, der Fernseher lief mehr nebenbei, als ich auf einmal bei einem Fall ganz klar auf dem Röntgenbild unsere Straumann-Implantate entdeckte. Die Frau, die einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen war, konnte bisher nicht identifiziert werden und die Kriminalpolizei bat hier um Hilfe.

pip: Es werden viele Straumann-Implantate in Deutschland gesetzt. Wie sollte die pure Identifikation weiter helfen?

Maurizio Vitomarco: Straumann-Implantate haben ohne Ausnahme eine einzigartige, in der Innenverbindung mittels Laser aufgebrachte LOT-Nummer. Diese dient hauptsächlich bei zertifizierten Implantat-Herstellern in der „med Tec-Branche“ der Rückverfolgbarkeit, z. B. falls materialtechnische Überprüfungenanstehen. Überprüfen kann man, welche Titanstäbe aus einer bestimmten Charge verwendet worden sind, welche Maschinen die Teile hergestellt haben und ebenso das Herstellungsdatum. So gewährleisten wir eine nahtlose Dokumentation und Rückverfolgbarkeit. In diesem Fall ergab sich damit ein ganz neuer Aspekt. Mit Hilfe der LOT-Nummer konnte der Name des behandelnden Zahnarztes gefunden werden.

pip: Vor dem Hintergrund der derzeit in der Öffentlichkeit diskutierten „Implant Files“ ist das eine positive Information. Da hat Straumann alle Hausaufgaben gemacht. Wie kamen Sie dann an die Nummer?

Maurizio Vitomarco: Sie können sich vorstellen, dass der Kriminalbeamte erst einmal aus allen Wolken fiel, als ich ihm sagte, dass wir anhand des Implantates mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit sehr schnell den Zahnarzt und damit den Namen des Patienten herausfinden könnten. Bis so ein Fall auf „Aktenzeichen XY“ landet, hat die Kriminalpolizei ja durchaus selber schon einiges versucht, und ist mit ihrer Weisheit und den ihnen verfügbaren Methoden am Ende.

Die Implantate wurden zu uns gesendet, da in der Gerichtsmedizin die Nummer nicht entdeckt worden war. Wir haben damit der Forensik nicht nur für den genannten Fall, sondern insgesamt ein ganz wichtiges neues Detail hinzufügen können. Wir konnten die LOT-Nummer unter dem Mikroskop sehr schnell finden. Und genau wie gedacht, konnte die Polizei nach einem Datenabgleich sofort den Zahnarzt kontaktieren. Der wiederum ordnete das entsprechende Röntgenbild im Vergleich einem ganz bestimmten Patienten zu.

pip: Und das führte am Ende zum Täter…?

Maurizio Vitomarco: Tatsächlich. Gewaltverbrechen finden offenbar doch meist im persönlichen Umfeld statt. In dem konkreten Fall war das so. Nachdem die Identität des Opfers klar war, konnte die Polizei konkret ansetzen und so wurde der Fall in kürzester Zeit gelöst.

Herzliches Danke, Herr Vitomarco, für Ihre Zeit und dieses Gespräch.