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pip steuert: Wirtschaftlich klar denken, Praxis sicher steuern

„Zusammen ist man stärker – oder?“ Diese Frage stellen sich viele Zahnärztinnen und Zahnärzte, die den steigenden Anforderungen des Praxisalltags begegnen: Fachkräftemangel, Kostensteigerungen, wachsender Verwaltungsaufwand und der Wunsch nach besserer Vereinbarkeit von Beruf und Familie veranlassen viele, zu kooperieren. In der dreiteiligen Beitragsserie werden die wichtigsten Stolperfallen vorgestellt und gezeigt, wie man diese sicher umschifft.

Gemeinschaftspraxen sind längst mehr als ein Trend – sie bieten handfeste Antworten auf die großen Herausforderungen des Praxisalltags. Hinzu kommt der wachsende Wettbewerbsdruck durch große zahnärztliche MVZs und investorengetriebene Praxisketten. Für kleinere Einzelpraxen wird es zunehmend schwer, wirtschaftlich sowie digital und technisch mitzuhalten und gleichzeitig moderne Patientenansprüche zu erfüllen. Die Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) bietet hier einen attraktiven Mittelweg: Sie stärkt die Position am Markt, ohne die Unabhängigkeit der Praxisinhaber aufzugeben – und bewahrt sie davor, sich von einem BWLer diktieren zu lassen, wie viele Endos pro Woche zu liefern sind.

Vorteile und Chancen einer BAG

Die Vorteile einer BAG lassen sich in drei Schlagworte fassen: Effizienz, Attraktivität und Entlastung: 

Effizienz durch gebündelte Ressourcen: Räumlichkeiten, Personal, technische Ausstattung und Verwaltung werden gemeinsam genutzt – das reduziert Fixkosten, erhöht die Investitionskraft und sorgt für eine bessere Auslastung. Eine modern ausgestattete Praxis ist so leichter finanzierbar, und selbst größere Investitionen wie in die Digitalisierung oder hochwertige Behandlungseinheiten werden wirtschaftlich leichter umsetzbar. Am Ende führt diese Bündelung dazu, dass der erwirtschaftete Gewinn steigt.

Attraktivität für Patienten und Mitarbeiter: Eine BAG überzeugt auch durch ihre Außenwirkung: Größere Praxen vermitteln Sicherheit und Kompetenz, bieten ein breiteres Leistungsspektrum und sind damit auch für qualifizierte Mitarbeiter besonders interessant. Auch Patienten empfinden die „Mehrbehandlerpraxis“ als Vorteil: kurze Wartezeiten, Vertretung im Urlaubsfall und ein Behandlungsangebot, das sowohl umfassend als auch durch klare fachliche Schwerpunkte geprägt ist.

Entlastung in organisatorischer sowie fachlicher Hinsicht: In der BAG lassen sich Urlaubs- und Vertretungsregelungen (bspw. bei Elternzeit oder Krankheit) deutlich einfacher organisieren – niemand muss mehr „dauerpräsent“ sein. Hinzu kommt die Entlastung in der Praxisführung:  Aufgaben wie Dokumentation, Abrechnung, Personalthemen oder Marketing sowie Social Media können aufgeteilt werden. Gleichzeitig eröffnet die Zusammenarbeit die Chance zur Spezialisierung: Während der eine Partner etwa die Implantologie vertieft, übernimmt der andere die Kinder- und Jugendzahnheilkunde. So entsteht nicht nur Entlastung, sondern auch fachlicher Gewinn: Der kollegiale Austausch bietet Sicherheit im Alltag und stärkt die Qualität der Behandlung – ein Plus für Zahnärzte wie Patienten.

Nachteile und Risken einer BAG 

So überzeugend die Vorteile sind – eine BAG ist kein Selbstläufer. Ganz wie in einer Ehe gilt: „Am Anfang ist alles rosarot – danach braucht es viel Kommunikation und Kompromissbereitschaft.“ Wer die Chancen nutzen will, muss sich auch der strukturellen Schwachstellen bewusst sein – und sollte vorab wissen, worauf er sich einlässt: 

Verlust an Flexibilität: Wichtige Entscheidungen bei Investitionen, Personal oder Praxisorganisation sind gemeinsam zu treffen – und das kostet Zeit. Um kein Abstimmungsdrama zu riskieren, muss klar geregelt sein, wer was alleine entscheiden darf bzw. muss und, welche Entscheidungen gemeinschaftlich getroffen werden müssen. Ohne Kompromissbereitschaft der Partner geht es nicht.

Unterschiedliche Leistungs- und Entwicklungsniveaus: Nicht jeder Partner entwickelt sich fachlich und organisatorisch gleich weiter oder bringt denselben Umsatz sowie dasselbe Engagement ein. Dieses (vermeintliche) Ungleichgewicht kann schnell zu Spannungen führen – von „low performer vs. high performer“ bis hin zu Neid und Missmut.

Konfliktpotenzial im Alltag: Kostenverteilung, Zuständigkeiten oder Führungsfragen bergen Zündstoff. Wenn ein Partner mehr Verantwortung übernimmt als andere, entstehen schnell Reibungen, die die Zusammenarbeit belasten.

Haftung und rechtliche Fallstricke: Je nach Rechtsform (z. B. GbR oder PartG) haften die Partner persönlich – auch für Fehler des Kollegen. Eine durchdachte rechtliche Gestaltung ist daher unverzichtbar. 

Abhängigkeit vom zwischenmenschlichen Klima: Eine BAG lebt von Vertrauen & Zusammenarbeit – doch wir sind alle nur Menschen. Persönliche Befindlichkeiten lassen sich auch auf fachlicher Ebene nicht komplett ausschalten. Störungen im Miteinander wirken sich direkt auf die Zusammenarbeit und den wirtschaftlichen Erfolg aus.

Austritt, Nachfolge und Trennung: Kommt es zu einem Austritt (Einer geht), einer Nachfolge (Einer geht & ein Anderer kommt nach) oder gar einer Auflösung der BAG, wird es häufig schwierig. Ohne klare sowie transparente Vereinbarungen über Eintritt, Austritt und Nachfolge steigt das Risiko einer „Scheidung“ – ein Phänomen, das in der Praxis oft vorkommt.

Typische Herausforderungen in der Praxis

Neben den genannten grundsätzlichen Nachteilen einer BAG gibt es die ganz praktischen Stolpersteine, die sich erst im Alltag zeigen. Dort entscheidet sich, ob die BAG funktioniert – oder ob kleine Reibungen sich zu großen Konflikten auswachsen. Ganz nach dem Motto „Die Theorie mag stimmen, aber im Alltag zeigt sich die Praxis“: 

Unklare Rollen und Erwartungen: Wenn nicht festgelegt ist, wer für welche Aufgaben zuständig ist, entsteht schnell das Gefühl, dass Einer mehr trägt als der Andere.

Kommunikationsdefizite: Regelmäßige offene Abstimmungen sind unverzichtbar – nicht nur, um Entscheidungen zu treffen, sondern auch, um Transparenz zu schaffen und Probleme frühzeitig anzusprechen. Fehlen sie, entstehen Missverständnisse, Unzufriedenheit und im schlimmsten Fall ein Klima des Misstrauens.

Ungleichgewicht im Engagement: Unterschiedliche Einsatzbereitschaft (bspw. Einbringung von Arbeitszeit oder Kapital) sowie abweichende Erwartungshaltung führen rasch zu Spannungen.

Konflikte bei Investitionen und Personalentscheidungen: Soll ein neues Gerät angeschafft oder eine zusätzliche Fachkraft eingestellt werden, prallen oft unterschiedliche Vorstellungen aufeinander. Auch kann ein unterschiedlicher Führungsstil zu Reibereien führen (lockerer Chef vs. strenger Chef). 

Fehlende Strukturen/Prozesse in der Praxisführung: Wenn Aufgaben nicht klar verteilt sind, bleibt vieles liegen – oder es mischen sich alle ein.

Vermischung von Privat und Beruf: Privat angehauchte Ausgaben (Praxis-PKW), Bewirtungskosten), überhöhte Entnahmen oder Sonderwünsche einzelner Partner schaffen Misstrauen.

Am Ende des Tages geht es – ähnlich wie in einer Ehe – oft ums Geld: Viele Konflikte münden in der Frage der Gewinnverteilung. Eine faire und transparente Regelung ist die Basis für Stabilität und Vertrauen.

Fazit & Ausblick 

Die Berufsausübungsgemeinschaft ist eine starke Form gemeinschaftlicher Praxisführung. Sie bündelt Ressourcen, erhöht die Attraktivität für Mitarbeiter und Patienten und schafft Freiräume für die eigene fachliche sowie persönliche Entwicklung. Gleichzeitig verlangt sie aber klare Strukturen, eine offene Kommunikation und den ständigen Willen zum Kompromiss. Ohne diese Grundlagen drohen Konflikte, die nicht selten im Auseinanderbrechen der Gemeinschaft enden.

Wer jedoch bereit ist, in Organisation, Entscheidungsregeln und Miteinander zu investieren, kann die BAG zu einem Erfolgsmodell machen – gerade im Wettbewerb mit großen MVZs und investorengetriebenen Praxisketten.

Damit rückt ein Thema ins Zentrum, das über Stabilität oder Streit entscheidet: die Gewinnverteilung. Sie ist mehr als ein Rechenmodell – sie ist das Fundament für Fairness, Transparenz und Vertrauen. Genau diesem „Herzstück“ einer funktionierenden BAG widmet sich Teil 2 – die faire Gewinnverteilung

Anita Spörl

Bernhard Fuchs

  • Zahnärzteberatung Kanzlei Fuchs & Stolz, Volkach

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