Prof. Teresa Dolan verwaltete in den zehn Jahren als Chief Academic Officer und Dean des College of Dentistry an der Universität Florida ein 62-Millionen-Dollar-Budget. Mehr als 13 Millionen Dollar davon investierte sie in den Bereich Forschung, ehe sie als Vice President und Chief Clinical Officer zu Dentsply Sirona wechselte. Hier hat sie die Leitung der internationalen Clinical Affairs inne. Teresa Dolan ist für ihre Arbeiten zu Themen der allgemeinen Zahngesundheit, der Alterszahnheilkunde und für Frauen in der Zahnmedizin eine weltweit anerkannte Kapazität. pip sprach mit ihr an der General Session der IADR (International Association for Dental Research) in London.

pip: Was umfasst die Leitung der internationalen Clinical Affairs und was hat der Zahnarzt davon?

Teresa Dolan: Wir geben auf Basis der ADA-CERP-Standards und weiterer internationaler Richtlinien die strategische Richtung für die weltweiten Aktivitäten von Dentply Sirona im Bereich Fort-und Weiterbildung vor. Natürlich vernetzen wir uns in dem Zuge eng mit unseren internationalen Geschäftsbereichen. So können wir wiederum unsere Impulse auf deren lokale klinische Bedürfnisse, Initiativen und Strategien anpassen. Wir unterstützen zahnmedizinische Fakultäten, vergeben Stipendien und begleiten eine Vielzahl individueller Programme. Dentsply Sirona ist ein geschätzter Partner. Unsere Gegenüber kennen und anerkennen unsere ethische Verantwortung. Die Zahnärztin und der Zahnarzt profitieren von einem globalen Zusammenschluss, bei dem viele Erfahrungen und Anregungen in neue, konkrete Fortbildungsangebote für die klinischen Herausforderungen von heute münden.

pip: Ein Unternehmen engagiert sich letztlich mit Vorliebe innerhalb des eigenen Produkt-Angebots …

Teresa Dolan: Es fällt uns – zugegeben – leicht  dies etwas anders zu sehen, da wir ein allumfassendes Portfolio besitzen. Wir dürfen und wollen es uns als Hersteller leisten, eine ethische Verpflichtung in unserem Engagement in der Fort- und Weiterbildung zu sehen. Wir unterstützen auch Grundlagenforschung statt nur potenzielle Produktentwicklungen.

pip: In Deutschland wird eine zunehmende Fortbildungsmüdigkeit beklagt. Sehen Sie Unterschiede zu den USA und zu aufstrebenden Regionen in Fernost?

Teresa Dolan: Natürlich erleben wir viele Zahnärzte in Mittel- oder Fernost als deutlich entwicklungshungriger und wissensdurstiger als in etablierten Industrie-Nationen. Man darf aber nicht verkennen, dass die Mittel und die Infrastruktur dort oft noch begrenzt sind. Hinsichtlich der zunehmenden Fortbildungsträgheit habe ich eine eigene These: Ich glaube nicht – und erlebe das auch nicht so –, dass die Zahnärztin und der Zahnarzt von heute kein Interesse mehr an Wissenschaft und Forschung bzw. entsprechender Fortbildung haben. Sie brauchen es nur in einer leichter verdaulichen Form als früher. Es ist Aufgabe der Fakultäten, der Fachgesellschaften und der unterstützenden Industrieanbieter, die Informationen über verschiedene Medien so anzubieten, dass die komplexeren Inhalte dieser Generation „schmecken“.

pip: Immer mehr Frauen in der Zahnmedizin, immer mehr Teilzeitmodelle, immer spätere eigene Praxisgründungen – wo soll da der „Appetit“ auf Fortbildung herkommen?

Teresa Dolan: Es wird Sie in dem Zusammenhang interessieren, dass in London soeben mit Prof. Rena d´Souza (USA) eine Frau zur Präsidentin und mit Paula Moynihan (U.K.) eine weitere Frau als Präsident-elect der in ihrer Bedeutung sicherlich herausragenden IADR gewählt worden ist. Mindestens ebenso wichtig wie die Besetzung dieser Schlüsselpositionen ist, dass beim diesjährigen Meeting 80 % der Preisträger der eingereichten Forschungsarbeiten weiblich sind. Sie liegen mit dem Verdacht des kollektiven Desinteresses also daneben. Es liegt an eben erwähnten Anbietern, ihre Fortbildungsangebote den geänderten Rahmenbedingungen und der begrenzteren Zeit dieser wichtigen Zielgruppe anzupassen.

pip: Wo sehen Sie – über technische Hardware und entsprechenden Fortbildungsangebote hinaus – dringend Bedarf an der Ausbildung von soften Fähigkeiten wie sozialer Kompetenz, Führungsqualitäten und Ähnlichem?

Teresa Dolan: Kommunikation – und zwar nicht nur zwischen Zahnarzt und Patient, sondern innerhalb des Teams – ist bei zunehmend vernetzten Prozessen ein wesentliches Thema. Übrigens sehe ich auch in diesem Zusammenhang die Zahnärztinnenschaft sehr gut aufgestellt. Frauen kommunizieren oft besser und traditionell in vernetzteren Strukturen. Am Ende wird so viel Zeit gewonnen, dass die zunehmenden Teilzeitmodelle gar nicht mehr eine solche Bedrohung darstellen, wie heute angenommen. „Zuhören können“ ist ein weiterer wesentlicher Faktor. Stellen Sie Ihren Patienten in den Mittelpunkt und investieren Sie viel Zeit und Aufmerksamkeit, ihm zuzuhören und seine Bedürfnisse zu verstehen. Dann entwickelt sich das viel gepriesene „patient related treatment“ von allein. Sie werden feststellen, dass sich dann viele vermeintliche Praxismarketing-Tools erledigen. Aufmerksam zuhören und verstehen. Tatsächlich sehen wir hier einen durch die verbesserte Information des Patienten steigenden Bedarf und bieten – innerhalb spezieller Führungsprogramme – Angebote in den einzelnen Ländern.

pip: Herzliches Danke, Frau Professor Dolan, für dieses Gespräch.