Cendres+Metaux besteht als traditionelles Schweizer Unternehmen seit über 130 Jahren und ist eines der dreißig größten Schweizer Medtech-Unternehmen. Mit 350 Mitarbeitern in Biel setzt man bei allen globalen Strömungen ungebrochen auf den Standort und die Produktionsqualität der Schweiz. Neben Legierungen und prothetischen Konstruktionselementen und seit neuerem auch einem Keramiksortiment profiliert sich das Unternehmen mit einem starken zweiten Standbein als Auftragsfertiger in der Medizin- und der Dentalindustrie. Cendres+Metaux findet sich also viel häufiger in einer Praxis, als das Label verrät. pip sprach mit CEO Ronald J. Lenzeder.

pip: Wie geht es Ihnen mit Ihren Legierungen in einem zunehmend metallfrei orientierten Markt?

Ronald J. Lenzeder: Wenn ich etwas gelernt habe, dann das schlussendlich der Markt respektive der Kunde entscheidet. Aber man darf die sehr umfassende Keramikversorgung auch kritisch hinterfragen und kontrovers diskutieren. Das Material hat ganz klar seine Vorteile, und auch wir tragen dem mit den Entwicklungen unserer Presskeramiksysteme Livento press und Soprano 10 Rechnung, aber es werden meines Erachtens derzeit auch einige Patienten keramisch versorgt, die aufgrund funktionaler Probleme mit einer Goldlegierung besser bedient wären. Wir dürfen bei aller Ästhetik, die heute klar im Vordergrund steht, die Funktion nicht aus dem Auge verlieren. Daneben sind wir weltweit tätig, und in vielen Ländern allein aufgrund der zahntechnischen Möglichkeiten mit unseren Legierungen durchaus noch führend. Falls Sie mich mit Ihrer Frage aber provozieren wollten: Bei den Legierungen und Konstruktionselementen liegt unsere längste Tradition, aber das bedeutet nicht, dass wir uns darauf ausruhen. Neben den genannten Keramik-Varianten haben wir so auch das Hochleistungspolymer Pekkton ivory eingeführt, das seine Stärke vor allem bei Komplett-Versorgungen und Totalprothesen zeigt. Wir diversifizieren also durchaus und passen unser Portfolio den Bedürfnissen der Märkte stets an.

pip: Sie hatten auch ein digitales Fräszentrum, was kürzlich eingestellt wurde …

Ronald J. Lenzeder: … da sind wir, wie Sie wissen, nicht die einzigen. Diese Sparte konnte auch bei uns ihre Erwartungen nicht erfüllen. Konzentriert auf den Schweizer Markt konnte so hochwertig hergestellter digitaler Zahnersatz nicht kostendeckend sein. Eine Ausweitung auf internationale Märkte ist aber allein durch die bei uns erforderlichen zolltechnischen Abwicklungen mit solchen Hürden verbunden, dass wir diesen Bereich nicht weiterführen und unsere Energien auf für unsere Kunden nutzbringendere Sparten konzentrieren. Hier in der Schweiz zum Beispiel ganz klar die Implantatprothetik mit unseren langjährig erfolgreichen Komponenten, dem Locatoren-System CM LOC, das Kugelverankerungssystem Dalbo und CM Connect. CM Connect allein hat über 1200 Einzelkomponenten und ist damit mit einer Vielzahl unterschiedlicher Implantatsysteme kompatibel, sowohl für analoge als auch digitale Verarbeitungsprozesse oder bei abgewinkelten Schraubenkanälen.

pip: Wie macht sich Ihre CM Academy?

Ronald J. Lenzeder: Fast wöchentlich finden irgendwo auf der Welt Kurse von uns statt, die sehr rege genutzt werden. Wir entsenden dabei nicht nur Schweizer Meinungsbildner in die Welt und transportieren damit unser Know-how und unsere Techniken, sondern erhalten durch internationale Teilnehmer auch Impulse für die besonderen Bedürfnisse der unterschiedlichen Märkte und damit unsere eigenen Entwicklungen.

pip: Ist der währungsempfindliche und hochpreisige Standort Schweiz für ein global agierendes Unternehmen überhaupt noch zeitgemäß?

Ronald J. Lenzeder: Ich wäre naiv, wenn ich die damit verbundenen Herausforderungen leugnen würde. Es stehen denen aber auch ebenso unleugbare Vorteile gegenüber: Die Qualifikation unserer Mitarbeiter und damit die Kompetenz in unserem Haus ist bemerkenswert. Damit bleibt unser Know-how stetig auf einem sehr wettbewerbsfähigen Niveau. Wir bilden selber Nachwuchs in sieben verschiedenen Berufen aus und sichern uns damit kompetente Mitarbeiter in der Zukunft – das wird in unserer so technik-affinen Branche ein entscheidender Faktor sein. Made in Switzerland gilt daneben weltweit als Garant für Präzision und hohe Qualität – das erleben wir vor allem in stark wachsenden Märkten des Nahen Ostens und Osteuropas, aber auch in industriell hochentwickelten Märkten wie in den USA oder Kanada, die unsere Standards in ihren eigenen Industrien manchmal vermissen. Wir produzieren auf mehr als 12.000 qm Produktionsfläche hier am Standort Biel über 1,5 Millionen Teile im Jahr. Sie dürfen sich also darauf verlassen, dass wir unseren Kunden als einer der führenden Fertigungspartner für zahnmedizinische Komponenten von höchster Qualität erhalten bleiben.

pip: Herzliches Danke für unser Gespräch.