Noch vor zehn Jahren wegen des scheinbar kritischen Implantat-Kronen-Verhältnisses und der zu geringen Eindringtiefe im Knochen sehr umstritten, sind die „Kurzen“, auch dank verbesserter Materialien und Oberflächen, inzwischen erfolgreich im Praxisalltag angekommen. Richtig eingesetzt eröffnen sie in der Praxis neue Potenziale, um auch Patienten mit einem geringen Knochenangebot langfristig sicher zu versorgen. Sie ersparen Behandler wie Patient die Kosten und Risiken von Augmentationen und ermöglichen auch durch die Vermeidung kritischer Extensionsbrücken langfristig stabilere Versorgungen.

Bei vielen Patienten mittleren Alters ab 50, den sogenannten „best agern“, versagen die zahngetragenen Brücken im Molarenbereich, weil die Brückenpfeiler durch Sekundärkaries zerstört wurden. Häufig ist zusätzlich durch den Knochenabbau unter der Brücke so wenig Restknochen vorhanden, dass eine festsitzende Versorgung mit Standardimplantaten nur noch nach einer aufwendigen Augmentation möglich wäre. Falls gleichzeitig die Frontzähne stark geschädigt sind, wird in vielen Fällen sowohl im Unterkiefer als auch im Oberkiefer eine Full-Arch-Versorgung (z. B. Sky fast & fixed) durchgeführt. Sind jedoch die Frontzähne noch in einem sehr guten Zustand, ist im Oberkiefer häufig eine Sinusbodenelevation angezeigt, die von vielen Patienten auf Grund des damit verbundenen OP-Aufwands, der Risiken und Kosten abgelehnt wird. Im Unterkiefer bleiben umso weniger Alternativen. Bei vertikalen Augmentationen werden in der Literatur je nach Technik sehr hohe Komplikations- und Versagensraten von weit über 30 % genannt. Die Risiken einer Nervlateralisation, die ohnehin Spezialisten vorbehalten bleiben sollte, wollen nur wenige Behandler eingehen.

Verringertes Risiko

Im Vergleich zu den Risiken und Kosten von Augmentationen erscheinen die Risiken von richtig angewendeten kurzen oder ultrakurzen Implantaten gering, was inzwischen auch in der Literatur bestätigt wird (siehe auch pip kurz & schmerzlos 02/2016). Für die Anwendung von kurzen Implantaten sind allerdings die folgenden Punkte zu beachten.

  • Im Seitenzahnbereich Zahn-für-Zahn-Versorgung bzw. Brücken nur im Verbund mit langen Standardimplantaten.
  • In der Front maximal Brücken mit einem Zwischenglied
  • Keine Extensionen bei allen Arten der Versorgungen
  • Axiale Einleitung der Kaukräfte
  • Physiologische Prothetikmaterialien, welche die Einlastung der Kaukräfte dämpfen.

Biomechanik beachten Ein weiterer sehr wichtiger Bereich in diesem Zusammenhang ist eine biomechanisch orientierte Implantologie. Hier geht es darum, dass die implantatgetragenen Versorgungen so gestaltet werden, dass sie biomechanisch stabil sind und Hebelkräfte und extra-axiale Belastungen vermieden werden. Denn eine wesentliche Ursache für Schraubenlockerungen, Abutmentbrüche und sonstige mechanische Komplikationen sind Extensionsbrücken. Durch die großen Hebelkräfte in Kombination mit den dynamischen Belastungen im stomatognathen System werden die Verbindungsgeometrien und Schrauben extrem belastet. Nach einem Literatur-Review der Universität Heidelberg versagen bereits nach fünf Jahren fünf bis zehn Prozent der Extensionsbrücken auf Implantaten. In diesen Fällen können mit kurzen oder ultrakurzen Implantaten wesentlich stabilere Verhältnisse geschaffen und mechanische Komplikationen vermieden werden, damit der Patient lange Freude an seiner Implantatversorgung hat.