Als „eierlegende Wollmilchsau“ bezeichneten Anwender enthusiastisch das im November 2018 vorgestellte Tiologic Twinfit von Dentaurum. Mit diesem neu patentierten System lässt 
der Ispringer Hersteller Zahnärzten die Wahl zwischen zwei prothetischen Anschlussgeometrien – intraoperativ ebenso wie bei einer späteren Neuversorgung. Über die neue große Freiheit sprach pip mit Dr. Nina Psenicka, der zahnärztlichen Leitung des Kaiserberg ZMVZ in der Kaiserberg Klinik in Duisburg.

pip: Man trennt sich ja eher ungern von Gewohntem – was hat Sie initial bewogen, das neue Twinfit auszuprobieren?

Nina Psenicka: Das, was mein Interesse an dem Implantatsystem von Dentaurum geweckt hatte, war zuerst der integrierte Knochenkollektor bei den Advanced Aufbereitungsinstrumenten des Implantatsystems. Der Hohlzylinder im Innern der Aufbereitungsinstrumente sorgt dafür, dass sich die Knochenspäne bei der Implantatbettaufbereitung darin sammeln. Der Vorteil ist, dass diese Knochenspäne vor allem spongiöser Art sind, welche bekanntlich viele Wachstumsfaktoren beinhalten. Bei genauerer Betrachtung des Tiologic Twinfits wurde mein Augenmerk auf die Flexibilität des Implantatsystems bzgl. der prothetischen Versorgung gerichtet. Die Möglichkeit, mittels des Abutment Switchs an einem Implantat zwei Anschlussgeometrien zu haben, ist gewiss von Vorteil. Ein stabiles Emergenzprofil erleichtert die Weichgewebskonditionierung für ästhetisch optimierte implantologische Ergebnisse.

pip: Das Kaiserberg ZMVZ ist ein Implantologie-Zentrum mit viel Erfahrung und hochtechnisierter Ausrüstung. Vermeidet man intraoperative Überraschungen da nicht durch vorherige Planung?

Nina Psenicka: Intraoperative Überraschungen lassen sich zumeist durch
 eine fundierte Planung vermeiden. Wir haben im Kaiserberg ZMVZ einen digitalen Volumentomographen, der als Grundlage für die Implantatplanung dient. Die genaue Vermessung des Knochens und der anatomischen Strukturen lässt sich mit dem digitalen Volumentomographen bestens darstellen, zudem ist der Bezug der beiden Kiefer zueinander ersichtlich. Dadurch können Implantationen, Knochenaufbau, Sinuslift und auch die Implantatprothetik präziser geplant und somit meist sicherer und chirurgisch schonender durchgeführt werden. Durch diese minimalinvasiven Operationsmethoden ist die postoperative Schwellung und der Schmerz geringer bis nicht vorhanden, was die Patienten sehr schätzen.

Der Fokus liegt nicht nur auf einer vorhersagbaren Primärstabilität, sondern natürlich auch auf einer hohen Ästhetik. Um diesen Prämissen gerecht zu werden, sind eine gute Planung, ein vorhersagbares Ästhetik-Konzept, eine hochtechnisierte Zahntechnik mit entsprechendem Equipment und ein verlässliches Implantatsystem unerlässlich. Da ich alle Indikationen in der Implantologie von der Einzelimplantatversorgung bis zum All-on-4 durchführe, ist eine variable prothetische Komponente des Implantatsystems notwendig. Die Möglichkeit eines Platform Switchings in der ästhetischen Zone gibt Sicherheit für die Langzeitstabilität.

pip: Welche besonderen Vorzüge hat für Sie das Handling des neuen Twinfit?

Nina Psenicka: Als Spezialistin für Implantologie (DGZI) liegt mein Fokus in der Implantologie. Da ich sowohl chirurgisch als auch prothetisch meine Patienten selber in einem Gesamtkonzept versorge, sind mir beide Komponenten bzgl. Funktion und Ästhetik wichtig. Somit möchte ich meinen Patienten ein Implantatsystem anbieten, das sowohl meinen Ansprüchen genügt als auch ein entsprechendes Preis-Leistungs-Verhältnis anbietet.

pip: Wie häufig erleben Sie in Ihrer Klinik inzwischen, dass Neuversorgungen in bestehende Implantatlösungen integriert werden müssen und was sind für Sie hier die besonderen Herausforderungen?

Nina Psenicka: Es ist nicht selten, dass auch Patienten aus anderen Ländern und Bundesländern mit hohen ästhetischen Anforderungen zu uns finden, um sich implantologisch hochwertig versorgen zu lassen. Diese Patienten sind zum Teil schon implantiert, doch es wurde entweder alio loco versäumt, die hohen ästhetischen Ansprüche des Patienten zu erfüllen oder eine adäquate Rehabilitation mittels Implantaten zu erzielen. Zudem wurde kein Gesamtkonzept berücksichtigt. Um diesen Prämissen gerecht zu werden, sollte man eine neue Gesamtplanung durchführen, die vor allem die parodontologischen, chirurgischen und prothetischen Komponenten berücksichtigt. Die wirklichen Herausforderungen der heutigen Zeit in der Implantologie sind nicht mehr die Primärstabilität, die Langzeitstabilität und die Ästhetik, sondern die zeitlichen Ansprüche des Patienten, in welcher der Zahnersatz inklusive Chirurgie bzw. Implantologie fertig gestellt werden soll. Die Zeit ist nicht nur wissenschaftlich betrachtet die 4. Dimension, sie ist auch zum Zeitparameter in der Implantologie geworden. Zähne an einem Tag mit der All-on-4-Methode sind integrativer Bestandteil der heutigen Implantologie, und auch fester Bestandteil bei uns in der Klinik.

pip: Herzliches Dankeschön für Ihre Zeit und das Gespräch, Frau Dr. Psenicka.