Eine Erfolgsmeldung jagt die andere, der Aktienkurs legt innerhalb von drei Jahren um 200 % zu, selbst knochentrockene Wirtschaftszeitschriften versteigen sich zu „Liebeserklärungen an die Wachstumsperle“. Was Straumann an organischem Wachstum in den bestehenden Unternehmensbereichen nicht schafft, erreicht das Unternehmen durch strategisch geschickte Akquisitionen. „Wann holen Sie mal Luft?“ wollte pip vom Mitglied der Straumann-Geschäftsleitung und seit Januar 2018 neuen Head of Sales Implantologie Karl-Heinz Demmler wissen.

pip: Sie gehen ans Ruder auf einem der absoluten Höhenflüge der Unternehmensgeschichte – kein mulmiges Gefühl?

Karl-Heinz Demmler: Nein – wir sind ja nicht in Turbulenzen. Im Gegenteil, wir sind trotz beträchtlicher geografischer Expansion und Investitionen in innovative Technologien sowie unsere Produktionskapazitäten für viele der kommenden, zum Teil einschneidenden Herausforderungen in der Zahnmedizin bestens vorbereitet.

pip: … die da konkret wären …?

Karl-Heinz Demmler: Es beginnt damit, dass wir als derzeit einziges Unternehmen die vollständige Bandbreite von Premium- bis hin zu Value-Lösungen bieten – wir können unseren Kunden die für ihre Praxis und Patienten ideale Lösung bieten – und das nicht nur im Bereich der Implantate, sondern auch in anderen Gebieten der ästhetischen Zahnmedizin. Beteiligungen an Unternehmen wie botiss für den regenerativen Bereich, Createch in der Prothetik oder Clearcorrect in der Kieferorthopädie zählen ebenso dazu wie strategische Erweiterungen des Produktspektrums bei Medentika und Neodent. Die Straumann Group darf sich als echter Systemanbieter im Bereich der restaurativen und ästhetischen Zahnmedizin bezeichnen.

pip: Eines der Trendthemen in der dentalen Implantologie sind aktuell Keramik-Implantate, hier haben sich inzwischen einige Hersteller spezialisiert. Wie entwickelt sich Ihr eigenes Pure Ceramic und wo sehen Sie die Hauptdifferenzierungsmerkmale?

Karl-Heinz Demmler: Wir sehen die Hauptindikation für Keramik-Implantate aus naheliegenden Gründen in der Versorgung im ästhetischen Bereich. Hier haben wir unser Monotype-Portfolio um ein durchmesserreduziertes 3,3 mm-Implantat ergänzt. Ein Gamechanger für Anhänger der Keramik-Implantate wird aber das neue zweiteilige Pure Ceramic sein. Die prothetischen Einschränkungen, die bei vielen Keramik-Fans bisher die Begeisterung gedämpft haben, gehören damit der Vergangenheit an.

Als ganz wesentlich für Anwender sehe ich, dass wir nicht mit experimentellen Konzepten in den Markt kommen, sondern auf über zehnjährige Forschungs- und Entwicklungsergebnisse zu- greifen können. Bei unseren einteiligen Implantaten verfügen wir bereits über sehr solide 3- und bald 5-Patientenjahresdaten auf höchstem wissenschaftlichen Niveau. Die ersten Resonanzen aus klinischen Beobachtungen beim zweiteiligen Keramik-Implantat sind ebenfalls sehr vielversprechend. Künftig ist das besonders ästhetische Erscheinungsbild von implantologischen Keramikversorgungen also auch ohne Kompromisse möglich. Aus Patientenkreisen werden Keramik-Versorgungen ohnehin sehr viel aktiver angefragt als konventionelle Titan-Implantate. Damit können Straumann-Anwender einen wachsenden Markt bedienen, ohne von ihren klinischen Überzeugungen abrücken zu müssen. Unsere Solidität – im doppelten Sinne – unterstreichen wir sicherlich nicht zuletzt mit der auch für das Keramik-Implantat geltenden Lifetime-Plus- Garantie, die unsere Kunden von unseren Roxolid-Implantaten gewöhnt sind: Bei Implantatfraktur erhält der Kunde nicht nur gleichwertigen Ersatz, sondern auch eine Behandlungsentschädigung für den Patienten in Höhe von 1000,00 €.

pip: Auf was darf man, auch mit Blick auf die kommende IDS, bei Straumann weiter gespannt sein?

Karl-Heinz Demmler: Selbstverständlich dürfen wir uns wieder auf innovative Lösungskonzepte und revolutionäre Technologien freuen. Wir sprechen hier unter anderem von einem neu entwickelten Implantatsystem im Premiumbereich. Doch ich betone noch einmal: Wir haben uns als Unternehmen extrem weiterentwickelt und bieten mittlerweile deutlich mehr als Implantate und Materialien zur Knochenregeneration! Mit unserem validierten Digitalen Work- flow geben wir unseren Partnern alle Optionen an die Hand: von der Inhouse-Lösung über Chairside bis zur Zentralfertigung. Die Digitalisierung ist auf dem Vormarsch und unterstützt die Abläufe in den Praxen und Laboren. Für uns stehen hier selbstverständlich auch die Qualität und der Komfort für den Patienten im Mittelpunkt. Diesen Weg werden wir weiterhin aktiv mitgestalten. Auf die bestehende Infrastruktur bauen wir auch auf, wenn wir im nächsten Jahr den Bereich KFO adressieren werden. Unsere Vision ist nicht, Implantate und Produkte zu verkaufen, sondern für alle Beteiligten rundum ein Lächeln zu erzeugen als auch Vertrauen zu schaffen.

pip: Herzliches Dankeschön für dieses Gespräch, Herr Demmler.