Seit 1998 wird das Curriculum Implantologie von der DGI und der APW angeboten. Anlässlich des 20. Geburtstag beantworten drei Zahnärzte einige Fragen: Prof. Dr. Günter Dhom (ehemaliger Fortbildungsreferent DGI ), Prof. Dr. Florian Beuer (amtierender Fortbildungsreferent) und ZA Christian Horn (Absolvent des Curriculums).

Nachgefragt bei Prof. Dr. Günter Dhom, Ludwigshafen

Wie war die Situation in der implantologischen Ausbildung Mitte der 90er Jahre?

Günter Dhom: Die Hochschulen vermittelten damals während des Studiums nur Grundlagen. Dies hat sich bis heute nicht wesentlich geändert. Die Pflichtteile des Studiums sind so umfangreich, dass Studierende wenig Zeit haben, in Elektiva die Implantologie zu lernen. Bis Studierende zur Implantologie kommen, ist das Studium vorüber. Vor 20 Jahren boten nur die großen Implantathersteller ein Programm an. Eine unabhängige und übergreifende, strukturierte oder gar zertifizierte Fortbildung gab es nicht.

1998 kam das DGI-Curriculum Implantologie. Was sollte es ändern? 

Dr. Sebastian Schmidinger (links) – etablierte einst die Fortbildung in der DGI – mit Prof. Dr. Günter Dhom (rechts)

Günter Dhom: Ziel war es, Kolleginnen und Kollegen eine unabhängige, neutrale und wissenschaftsbasierte Ausbildung im Bereich der Implantologie anzubieten, um Wissen und Fähigkeiten der Zahnärztinnen und Zahnärzte auf diesem Gebiet zu systematisieren und zu verbessern.

Haben Sie mit diesem Erfolg gerechnet?

Günter Dhom: Ich habe es gehofft, obwohl ich damit zu Beginn ziemlich alleine stand auf weiter Flur. Es gab viele, die fürchteten, dass es nicht funktioniert, etliche erwarteten, dass es nur für kurze Zeit auf Interesse stoßen würde und nur wenige glaubten, dass es sich langfristig etablieren würde. Dass es zu einem Dauerbrenner und zum erfolgreichsten Curriculum in der deutschen Zahnmedizin werden würde, war damals nicht vorhersehbar.

Was hat das DGI-Curriculum vor allem verändert – rückblickend?

Günter Dhom: Es hat das theoretische und praktische Wissen von mehr als 5000 Kolleginnen und Kollegen auf dem Gebiet der Implantologie erweitert. Das bedeutet, dass wir über die Jahre hinweg insgesamt einen erfreulich hohen Anteil, zwischen acht und zehn Prozent, der praktizierenden Zahnärztinnen und Zahnärzte mit unserem Ausbildungsangebot erreicht und für die Implantologie interessiert haben. Das ist für ein so schmales Segment der Zahnmedizin ein beachtlicher Erfolg. Von diesem Zugewinn profitieren auch unsere Patientinnen und Patienten, denen wir heute eine sichere und vorhersagbare Therapie anbieten können.

Es gibt auch andere Anbieter von Curricula. Was sind die Folgen für den Marktführer?  

Günter Dhom: Man muss den Wettbewerb immer sehr ernst nehmen, weil unser DGI-Curriculum mit einer Mission verbunden war. Es galt und gilt, die Qualifizierung und Fähigkeiten der Kolleginnen und Kollegen zu verbessern und so die Qualität der implantologischen Versorgung der Patienten zu sichern. Und diese Ziele dürfen nicht gefährdet werden. Natürlich wurde unser DGI-Curriculum von anderen Gesellschaften und Verbänden, von Kammern und auch von privaten Anbietern kopiert. Man kann, um es überspitzt auszudrücken, fast in jedem Gasthaus zum hohlen Zahn heute ein „Curriculum“ absolvieren. Wenn die Qualität stimmt, ist es ein Kompliment, wenn wir kopiert werden.

Nachgefragt bei Prof. Dr. Florian Beuer MME, Berlin

 

Seit 2015 sind Sie als  DGI-Fortbildungsreferenten für das erfolgsreichste Curriculum in der deutschen Zahnmedizin zuständig. Bürde oder Herausforderung?

Florian Beuer: Das ist auf alle Fälle Chance und Herausforderung. Es ist die Standardausbildung, die heute fast jede junge Kollegin und jeder junge Kollege als Einstieg in die Implantologie absolviert. Damit ist es aber auch eine Verpflichtung, das Programm attraktiv zu halten und ständig anzupassen. Wir versuchen bei den Referenten eine Mischung aus den „Heroen der Implantologie“ und „jungen Wilden“ hinzubekommen.

Was tut die DGI, um das Curriculum der fachlichen und wissenschaftlichen Entwicklung anzupassen?

Florian Beuer: Der Mix der Referenten aus Praxis und Universität und aus erfahrenen Kollegen und neuen engagierten Implantologinnen und Implantologen garantiert die aktuelle Ausrichtung. Durch ein detailliertes Feedback-System versuchen wir uns ständig zu entwickeln und uns zu verbessern. Aktuelle Themen versuchen wir auf der einen Seite im Curriculum abzubilden, vor allem aber durch unsere Sonderveranstaltungen wie das neue „DGI-Spezial“.

Das Durchschnittsalter der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sinkt. Wie reagiert die DGI darauf?

Einblick in ein praktisches Fortbildungsmodul

Florian Beuer: Durch das sinkende Durchschnittsalter und die damit einhergehende geringere Berufserfahrung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden inzwischen mehr „Basics“ im Curriculum vermittelt, als das vor 15 oder 20 Jahren der Fall war. Die Teilnehmer damals hatten größtenteils eigene Praxen und jahrzehntelange Berufserfahrung.

Was sind für Sie Meilensteine in der letzten Zeit?

Florian Beuer: Um Taktgeber in der curriculären implantologischen Fortbildung zu bleiben, haben wir unser e-Learning Programm, die „eAcademy“, ins Curriculum integriert. Neu sind auch die virtuellen Kursräume der APW, die es allen Teilnehmern ermöglichen, von überall und jederzeit auf alle theoretischen Unterlagen zugreifen zu können. Das neu geschaffene Mentorenprogramm gibt unseren Teilnehmern während der Phase der ersten selbständigen Implantationen einen erfahrenen Ansprechpartner aus Ihrer Umgebung an die Seite. Es ist die Antwort auf das Bedürfnis nach einem weiteren „doppelten Boden“ – bei Bedarf. Übrigens, unsere Mentoren sind ehrenamtlich tätig. Damit kommen wir vielleicht zum wichtigsten Pfund, das unser Curriculum hat: Wir verstehen uns als eine starke Gemeinschaft, wir sind die „DGI-Familie“. Im Curriculum kommen junge Kollegen nach dem Elektivum zum ersten Mal in Kontakt mit der DGI. Es ist uns wichtig, dass sie unsere Gesellschaft als Gemeinschaft wahrnehmen.

Ein neues Curriculum für die Zahntechnik wird im kommenden Jahr starten. Was zeichnet dieses aus?

Florian Beuer: Auch bei dem neu aufgelegten Curriculum für Kolleginnen und Kollegen aus dem zahntechnischen Labor soll die praktische Komponente eine zentrale Rolle einnehmen. Weiterhin soll das gegenseitige Verständnis füreinander gestärkt werden. Es soll ein klinischer Fall von der Planung bis zur Fertigstellung von allen Teilnehmern praktisch unter Anleitung gelöst werden und gleichzeitig werden sie bei den klinischen Sitzungen live dabei sein. Ergänzt wird das Programm durch theoretische Inhalte über aktuelle implantatprothetische Konzepte.

Nachgefragt bei Christian Horn, Limburg

 

Christian Horn ist mit seinem Bruder Dr. Martin Horn in Limburg niedergelassen.

Sie haben das DGI-Curriculum vor 10 Jahren absolviert. Was war Ihnen wichtig?

Christian Horn: Das Wichtigste war mir, eine gewisse Sicherheit zu erreichen. Ich lernte von den Besten und bei der größten Gesellschaft auf diesem Gebiet; dies gab nicht nur mehr Sicherheit bei der Behandlung, sondern letztendlich auch Rechtssicherheit. Das gibt Selbstbewusstsein, z. B. wenn es darum geht, die Behandlung den Patienten anzubieten.

Gab es etwas, was Sie sich gewünscht hätten – auch im Nachhinein?

Christian Horn: Im Großen und Ganzen war das DGI-Curriculum super. Das Einzige, was ich mir gewünscht hätte, wäre noch eine stärkere Anbindung an erfahrene Kollegen gewesen, etwa durch weitere Hospitationen, bei denen man diesen Erfahrenen über die Schulter schauen kann, so wie nun beim neuen Mentorenprogramm.

Wie hat sich das DGI-Curriculum auf Ihre tägliche Praxis ausgewirkt?

Christian Horn: Natürlich habe ich aufgrund der erworbenen Fachkompetenz mehr und mit mehr Sicherheit implantiert. Die Implantologie ist ein Schwerpunkt in unserer Praxis.

Haben Sie seitdem noch andere Curricula absolviert?

Christian Horn: Ja, ein Endo-Curriculum. Inspiriert hat mich dazu ein Referent im DGI-Curriculum, Josef Diemer. Er ist Experte in der Endodontie und in der Implantologie. Von ihm habe ich gelernt, dass der Brückenschlag zwischen beiden Bereichen wichtig ist. Das Implantat ist ein Segen, wenn die Indikation stimmt. Es gilt stets das Pro und Contra abzuwägen: Alles zu seiner Zeit und mit der richtigen Indikation. Das ist die Strategie, die wir hier in der Praxis entwickelt haben.

Haben Sie einen Rat für junge Kolleginnen und Kolleginnen, die das DGI-Curriculum durchlaufen oder es planen?

Christian Horn: Ich würde raten, nicht zu früh mit der Implantologie anzufangen. Man sollte zunächst die allgemeinen operativen Verfahren beherrschen, also die Entfernung von Weisheitszähnen. Ich rede jetzt nicht von dem einfachen Implantat in regio 46 mit einem breiten Knochen. Vielmehr geht es um das Beherrschen von Komplikationen. Was mache ich, wenn die Knochenwand wegbricht, oder die Kieferhöhle aufgeht? Mein Rat: Beherrscht erst die kleine Chirurgie, bevor Ihr Implantate setzt.