Auf großes Interesse war das an der EuroPerio9 in Amsterdam im vergangenen Sommer erstmals von Dr. Karl-Ludwig Ackermann und Prof. Dr. Dr. Anton Sculean vorgestellte NIWOP gestoßen. „No Implantology without Periodontology“: Bei steigender Prävalenz von Parodontalerkrankungen und stetig zunehmendem Alter der implantologisch zu versorgenden Patienten liegt die Notwendigkeit einer systematischen Herangehensweise auf der Hand. Bei solider Anamnese und Diagnostik, entsprechenden Behandlungsprotokollen und vor allem einer dem individuellen Fall angepassten Nachsorge besteht auch bei parodontal vorgeschädigten Patienten eine hohe Erfolgsaussicht.

pip sprach mit Dr. Martina Banze, Director Scientific Marketing und Bernhard Eder, Produkt Portfolio Management für Prophylaxe & Parodontologie vom W&H Headquarter, Standort Bürmoos.

pip: Wieso stößt W&H als Medizinproduktehersteller ein so grundlegendes Programm an – haben Sie den Gutmenschen in sich entdeckt?

Martina Banze: Die Bedürfnisse unserer Kunden und Partner stehen bei uns selbstverständlich im Mittelpunkt. W&H setzt dabei auf modular aufgebaute, auf den Patienten abgestimmte Produktlösungen, die für Behandler und Patient gleichermaßen Vorteile darstellen. Unsere Kontakte aus Wissenschaft und Praxis sind dabei unsere Sparringspartner.

Bernhard Eder: Auf der IDS hatten wir den Fokus ganz
bewusst im Bereich Prophylaxe und Prävention gesetzt. Über unseren steten Austausch mit Anwendern in Wissenschaft und Forschung können wir schnell die Bedürfnisse von heute erspüren, insbesondere auch die der Dental Hygienists, ZMP und ZMF. Diese nehmen insbesondere in der individuellen Nachsorge eine zentrale Rolle ein. Implantologie und Parodontologie sind in vielen Köpfen eh untrennbar verbunden, in vielen Ländern sind es traditionell die Parodontologen, die implantatchirurgisch tätig sind. Diese ganzheitliche Sicht auf Implantologie und Parodontologie greifen wir mit NIWOP auf.

pip: Wie sieht der NIWOP-Workflow im Einzelnen aus?

Martina Banze: Das Konzept basiert auf evidenzbasierten und unabhängigen Studien, ist also die Quintessenz einer Vielzahl fundierter Veröffentlichungen, Metaanalysen und Reviews. Man ist sich inzwischen einig, dass jedem Eingriff eine präimplantologische Sanierung vorausgehen sollte, gefolgt von, je nach Risiko-Einstufung, entsprechend engmaschigen Recalls und Überwachung der häuslichen Hygiene und Ergänzung durch professionelle Hygienemaßnahmen. Der Blick auf den Patienten in seiner Gesamtheit und nicht nur auf seine orale Gesundheilt spielt hier auch mit hinein.

Bernhard Eder: Uns ist es ein Anliegen, unseren Anwendern einfache und praktikable Lösungen an die Hand zu geben, die aber einen hohen Mehrwert für ihre Patienten und damit auch die Praxis generieren. Wir bieten als Hersteller die für den gesamten NIWOP-Workflow erforderlichen Geräte und Instrumente bis hin zur ISQ-Implantatstabilitätsmessung. Über unsere ioDent-Onlineplattform kann eine effiziente Behandlungsplanung und Konfiguration abhängig vom gewählten Implantatsystem erfolgen, alles jeweils inklusive eines automatisierten Dokumentationsprozesses zu Drehmomentverlauf, Gewindeschneidkurve, Bohrprotokoll oder Implantatstabilitätswerten. Letztere haben sich übrigens mit inzwischen über 1.000 Publikationen als klinisch sehr relevant erwiesen. In der Nachsorge kommt dann unser Proxeo-System zum Einsatz: Mit dem Proxeo Ultra Piezo-Scaler ist sogar eine Behandlung von Herzschrittmacherpatienten möglich. Der Proxeo Aura Pulverwasserstrahler erlaubt die supra- und subgingivale Behandlung mit nur einem Gerät und das kabellose Proxeo Twist sorgt nicht nur für glatte Zähne beim Patienten, sondern für deutlich mehr Komfort und Bewegungsfreiheit beim Behandler.

pip: Wie ist die Resonanz auf NIWOP sowohl in Wissenschaftskreisen als auch in der Klinik?

Martina Banze: Überwiegend positiv – wir bekommen eigentlich kaum Gegenwind. Eher kamen Aussagen, dass die von uns nochmals aufgegriffenen Arbeitsschritte altbekannte Werte kräftig wiederaufleben lassen. Dass Dr. Ackermann und Prof. Dr. Dr. Sculean das Thema sofort unterstützt haben, zeigt wiederum den ungebrochen hohen Stellenwert.

Bernhard Eder: Meinungsbilder fragten manchmal: ‚Warum müssen wir darüber überhaupt noch sprechen? Das ist doch hinreichend wissenschaftlich belegt.‘ Der Behandler muss dem Patienten aber eine zusätzliche unerwartete Behandlung und die damit entstehenden Kosten erklären Das stellt eine gewisse Hürde dar. Wir als W&H sehen uns in der Pflicht, die Praxen bei der Vermittlung des Wertes dieser Vor- und Nachsorge intensiv zu unterstützen. Dabei greifen wir die Bedeutung der Vorbehandlung und einer kontinuierlichen individuellen Nachsorge und Motivation des Patienten unter dem Aspekt der individuell angepassten Arbeitsschritte neu auf.

Herzliches Danke für dieses Gespräch.