Einer der viel beachteten Termine an der Europerio Mitte Juni in Amsterdam galt dem internationalen Symposium der Kulzer Dental mit Prof. Dr. Peter Eickholz, Direktor der Poliklinik für Parodontologie der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt, und Dr. David Herrera, Dozent an der Universität Complutensein Madrid. Im Zentrum stand ein lokal applizierbares doxycyclinhaltiges Antibiotikum in Gelform, das über eine gezielte und schonende Anwendungsweise für eine signifikante Reduktion der Taschentiefe bei parodontalen Infektionen sorgt und die Hoffnung gibt, damit in Zukunft auch periimplantäre Entzündungen erfolgreich behandeln zu können.

Dr. David Herrera, in den Jahren 2013-2016 auch Präsident der spanischen Gesellschaft für Parodontologie (SEPA), eröffnete die Veranstaltung mit einer Übersicht der aktuellen Diagnostikverfahren, therapeutischen Optionen, der nachhaltigen Infektionskontrolle und Nachsorge. Viele der aktuell verfügbaren therapeutischen Methoden zeigen sich in der lokalen Bekämpfung von Parodontopathien als zu wenig zielgenau oder nachhaltig, zu ineffektiv oder zu kostenaufwendig.

Die aktuelle Studienübersicht zu lokalen antimikrobiellen Agenzien und deren Nutzung zur effizienten Parodontitis – und auch Periimplantitis-Therapie ergab ebenfalls nur sehr heterogene Aussagen: Etliche der eingesetzten Mittel sind nicht für alle Märkte bzw. alle Indikationen zugelassen. So bleibt vielfach die Forderung unbeantwortet, eine bestehende Entzündung minimalinvasiv, also nicht-chirurgisch zu behandeln.

Eine sorgfältige mechanische Reinigung der Parodontaltaschen oder auch das mechanische Debridement eines freiliegenden Implantatkörpers zusammen mit einer Antibiotikatherapie scheinen die aktuell erfolgversprechenden Ansätze zu sein. Mit Blick auf die zunehmenden Resistenzen und ein Aufaddieren der Antibiotika-Gaben bei unterschiedlichsten Beschwerden sei auch der breite Einsatz oraler Antibiotika inzwischen sehr umstritten und werde vom Patienten immer weniger toleriert.

Evidenzbasierter Einsatz von Ligosan

Kontinuierliche Freisetzung des Wirkstoffs über mind. 12 Tage. Tag 0 = höchste Konzentration; Wirkstoffkonzentration immer über MHK90.

Mit diesem Stichwort übernahm Prof. Dr. Peter Eickholz, ebenfalls neben seiner universitären und klinischen Tätigkeit von 2011-2016 amtierender Präsident der DGP (Deutsche Gesellschaft für Parodontolgie) und präsentierte zunächst die aktuellen wissenschaftlichen Ergebnisse zur Effizienz eines rein mechanischen subgingivalen Debridements. Für eine nachhaltige Sanierung sind die Ergebnisse ganz offensichtlich nicht befriedigend, zur gleichzeitigen Vermeidung eines breiten Antibiotika-Einsatzes mit den bekannten Nachteilen sollte die Wahl einer lokal applizierbaren und wirksamen Substanz bevorzugt werden.

Trotz der klinisch bewiesenen Stärke des Wirkstoffs Doxycyclin besonders bei Parodontalinfektionen besaßen flüssige Darreichungsformen den Nachteil einer zu geringen Verweildauer in situ. Ligosan Slow Release besitzt zunächst eine niedrigvisköse Konsistenz, mit der auch eine schwer zugängliche Parodontaltasche ausgefüllt werden kann, und erhöht in der wässrigen Umgebung dann seine Viskosität zu einem stabileren Gel, das zuverlässig am Behandlungsort verbleibt und dort über eine Dauer von mindestens zwölf Tagen den Wirkstoff freigeben kann. In klinischen Studien konnte damit eine signifikante Verbesserung der Entzündungssituation, eine Verringerung der Taschentiefe und ein deutlicher Attachmentgewinn beobachtet werden. Doxycyclin wirkt dabei nicht nur antibakteriell gegen die relevanten Parodontalpathogene, sondern aufgrund seiner Kollagenase-Inhibition auch antiinflammatorisch, und wirkt so einer weiteren Resorption des Zahnhalteapparates entgegen.

Der Einsatz von Ligosan Slow Release in der Eindämmung periimplantärer Entzündungen ist derzeit noch nicht zugelassen, doch die Anwesenden äußerten die Hoffnung, dass sich damit in Zukunft – bei verbesserter Studienlage – eine effektive Behandlungsoption auch bei dieser Indikation bietet.