Die überwiegende Zahl der zahnärztlichen Praxen verfügen nicht über eine eigene zahntechnische Abteilung oder ein Praxislabor und arbeiten mit dentalen Laboren vor Ort oder der weiteren Umgebung zusammen. Als Ergänzung zum Situationsmodell können Fotos der klinischen Situation die Kommunikation und Qualität verbessern. Auch als Kommunikationstool zwischen Praxis und Patient und Labor und Patienten stellen Fotos eine erhebliche Erleichterung dar. So können Zahnstellung, Form und Zahnfarbe frühzeitig, einfach und schnell erfasste, besprochen und ausgetauscht werden. Zudem besteht und die Möglichkeit, den Patienten über den Arbeitsstand zu informieren und die Gestaltungen frühzeitig ohne weitere Besuchstermine zu kommunizieren.

Spiegelreflexkameras bieten sehr hohe Auflösungen und eine Vielzahl an Optionen und Einstellungen, haben aber auch ihren Preis von mehreren Tausend Euro und ein hohes Gewicht. Bei guten Preis-Leistungsverhältnis bieten Handy-Zusätze eine gute Bildqualität und ermöglichen zusätzlich eine einfache Datenverarbeitung und Kommunikation auf mehreren Ebenen.

Praxisanwendung

Intra- und extraorale Fotos haben im Rahmen der täglichen Arbeit einen hohen Stellenwert. Sie helfen:

  • die aktuelle Situationen festzuhalten
  • die Kommunikationen zu visualisieren
  • die vorhandene Zahnfarbe, -stellung und -form für das Labor zu dokumentieren
Abb 2: Dokumentation der Situation am Patientenstuhl durch Assistenzpersonal
Abb 3: Einfache Aufnahme des Mobiltelefon durch die einstellbare Halterung des COCO Lux
Eine zufriedenstellende Behandlung baut einer fundierte und umfassenden Befunderhebung, Beratung und Planung auf. Neben der Aufzeichnung der klinischen Befundsituation, der Röntgendiagnostik und Herstellung von Situationsmodellen stellte die dentale Fotographie die viere Säule der zahnärztlichen Befunddokumentation dar. Hier sollte der Patient voll umfänglich aufgeklärt werden. Bilder von seiner Situation und Darstellungen von besprochenen vergleichbaren prothetischen Arbeiten helfen dem Leihen einzelne Vor- und Nachteile besser zu verstehen, sich mit einer Lösung zu identifizieren und sicher selbstbewusst zu entscheiden. Die so gesicherten Daten helfen bei Restaurationen die gewünschte alte Form wiederherzustellen bzw. falsche Erinnerungen und nicht umsetzbare Korrekturen dem Patienten darzulegen.

Abb 4: Dokumentation der Zahnaufstellung und ersten Dentinschichtung

Mit wenigen Handgriffen und ohne hohe Gewichtsbelastung kann mit dem Handy uns COLORlux schnell und effizient die Zahnfarbbestimmung durchgeführt und archiviert werden. Der Patient hat die Möglichkeit die Farbnahme unmittelbar zu sehen und zu bestätigen und sich für die eigene Dokumentation zusenden zu lassen. Die Daten sind somit überall abrufbar und stehen bei Anproben sofort wieder zur Verfügung.
Abb 5: Einfache und gewichtssparende Handhabung
Durch eine ringförmige Ausleuchtung werden die einzelnen Farbcharakteristika, Perikymatien, Sprünge, Risse und Schmelzdefekte sichtbar und bieten Anhalt für die perfekte individuelle Schichtverblendung im Frontzahnbereich für ein natürliches Erscheinungsbild.
Abb 6: detailgetreue Aufnahme individueller Zahncharakteristika
Die glatte und unebene Oberfläche der Zähne bietet eine Vielzahl an Speigelungen, die helfen, die individuelle Form und Schichtung aufzunehmen und zu kopieren. Durch die Verwendung eines Polymerisationsfilters werden die Reflektionen reduziert und es werden der innere Schichtaufbau mit Dentinkern, Grundfarbe und tranzluzentem Schmelzbereich deutlich.
Abb 7: Darstellung der Oberflächenkonturen durch erhaltene Lichrefelktion
Abb 8: Polymerisationsfilteraufnahme zur Darstellung des Dentinkern und Schmelzschichtung

Wichtige Aufnahmen die zu erstellen sind:

  • On Face total
  • Lateral Face
  • Kleines Lächeln zur Dokumentation Lippenverlauf und Länge der sichtbaren Frontzähne
  • Frontzahnfoto ohne Polymerisationsfilter zum Erfassen der Struktur und Reflektion
  • Frontzahnfoto mit Polymerisationsfilter zum Erfassen des Dentin und Schmelzaufbau

Laboranwendung

Eine gute Zusammenarbeit zwischen Praxis und Labor zeichnet sich durch einen stetigen Dialog auf Augenhöhe respektierter Partner aus, mit dem Ziel zusammen die bestmöglichen Patientenversorgung zu erreichen. Da nur in den wenigsten Fällen Arzt und Techniker in den selben Räumen arbeiten, kann eine deutlich bessere und Zeiteffiziente Kommunikation unter anderem auf Bildern aufbauen. Durch die Digitalisierung und überall verfügbaren Medien wie WatsApp und Co kann schnell und einfach ein Austausch von Informationen mit Rücksprachen Rücksprache erfolgen. Im Rahmen des Qualitätsmanagementprozesses stellt darüber hinaus die bildliche Dokumentation von Arbeitsschritten einen wichtigen Baustein dar. Sie kann der verbesserten Kommunikation mit der Praxis verbessern und die Aufarbeitung von möglichen Fehlern erleichtern. Zudem bieten die Fotos die Möglichkeit aus jeder Arbeit das optimale im fortlaufenden Lernprozess herauszuholen und neue Mitarbeiter in bestehende Abläufe schneller einzubinden.

Abb 9: Einfache Dokumentation von Arbeitsschritten zur Qualitätssicherung und Kommunikation mit der Praxis
Abb 10: Perfekte Ausleuchtung und Farbwiedergabe im Rahmen prothetischer Arbeiten

Patientenkommunikation

Mit dem zunehmenden Anspruch der Patienten, erweiterter Rechtssprechung und zunehmenden Dichte er Gesetzeslage zur Beratung und Dokumentation nimmt die Patientenaufklärung und Protokollierung immer mehr Raum in der täglichen Arbeit ein. Die Bilddokumentation kann dabei einen erheblichen Beitrag in forenischen Absicherung darstellen.

Im Rahmen der Erstvorstellung und Beratung ermöglicht die Fotografie eine bessere Visualisierung der Situation. Anhand dieser Bilder lassen sich patientenindividuelle Optionen zur realistisch erreichbaren konservierenden und prothetischen Rehabilitation bessere Aufklärung. So lassen sich im Vorfeld Missverständnisse über den Wunsch und die real erreichbaren technischen Lösungen mit dem Patienten kommunizieren und festhalten.

Abb 12: Patientenberatung mit allgemeinem und patientenspezifischen Fotos
Befragungen von Patienten bestätigen, dass sie sich durch die fotounterstützte Aufklärung sich besser beraten und betreut fühlen und eher mit den besprochenen Maßnahmen (konservierend oder prothetisch) identifizieren. Technisch notwendige Kompromisse sind für den Patienten nun deutlich besser nachzuvollziehen, was zu einer erheblichen Akzeptanzsteigerung führt. Letztendlich wird die die Transparenz der Arbeitsprozesse erhöht und die Akzeptanz der Zahntechnischen Kosten und des Eigenanteils für den Patienten gesteigert.
Abb 13: Patientenkommunikation im Dentallabor
Abb 14: Patientenkommunikation in der Praxis
Im Rahmen der Serviceleistung bietet es sich an, die Patienten zeitnah in die Gestaltung ihres neuen Zahnersatzes mit einzubinden und Möglichen Wünsche und deren Umsetzung frühzeitig, noch in der Herstellungsphase zu kommunizieren. Ebenso können den Patienten auch zeitnah technisch bedingte Änderungen mittgeteilt und besprochen werden. Durch eine transparente Kommunikation zwischen Labor und Patient ebenfalls gesteigert werden, z.B. durch eine SMS/WatsApp des Labors „Guten Tag – Ihr neuer Zahnersatz ist fertiggestellt und kann wie geplant eingesetzt werden (Bild angefügt).“
Abb 15: Laborseitige Praxis- und Patientenkommunikation über den Produktionsstand
Abb 16: Laborseitige Praxis- und Patientenkommunikation über den Produktionsstand
Abb 17: Laborseitige Praxis- und Patientenkommunikation über den Produktionsstand

Fazit

Die dentale Fotographie hat einen Stellenwert als viere Säule in der täglichen Patientenuntersuchung und Falldokumentation und ermöglicht eine deutlich verbessere Arbeitsqualität.

Ebene 1: Praxisanwendung

Farbbestimmung, Dokumentation, Visualisierung, Forensische Sicherung, Kommunikation mit Labor.

Ebene 2: Laboranwendung

Dokumentation von Zahnfarbe, -form und –stellung, Lehr- und Lernmittel, Kommunikation mit Praxis.

Ebene 3: Patientenkommunikation

Falldokumentation, Aufklärung, Kommunikation und Patientenservice.

Autoren

Dr. Christoph Blum

Fachzahnarzt für Oralchirurgie

Mandy Meffert

Zahntechnikmeisterin

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