Eine Fallstudie von Dr. med. Dr. med. dent. Andreas Born und ZTM Bernd Blum

Festsitzende Versorgungen im Oberkiefer mit atrophem Seitenzahngebiet sind nach klassischen implantologischen Konzepten lediglich mit sechs oder mehr Implantaten zu erzielen. Hierbei müssen oft begleitende Sinusliftoperationen, insbesondere der externe Sinuslift mit erhöhtem chirurgischen Aufwand und erhöhter Morbiditätsrate, durchgeführt werden. Dieses
Vorgehen basiert auf der möglichst axialen Krafteinleitung bzw. Belastung von Implantaten und bedeutet für eine Rekonstruktion des Seitenzahnbereichs in praxi die Notwendigkeit der Implantatinsertion distal der Vierer. Eine Alternative stellt das von Prof. Malo inaugierte und modifizierbare Verfahren dar.

Die bei der Erstvorstellung 2008 damals 63-jährige Patientin war jedoch zunächst Implantaten gegenüber sehr skeptisch, sodass die konventionell chirurgischen, endodontischen und prothetischen Therapieoptionen weitgehend ausgeschöpft werden sollten (Abb. 1, 2). Aufgrund von apikalen Problemen (Parodontitiden, Zysten) mussten die wurzelkanalbehandelten Prämolaren 15, 14, 24 und 25 jeweils mit einer WSR und retrograder Wurzelfüllung versorgt werden. Bei der Kronen-Neuversorgung führten verblockte Kronen zu einer Verbesserung des Kaubereichs durch Extensionsglieder nach distal. Im Jahr 2011 erfolgte die Eingliederung einer VMK-Brücke auf den Zähnen 13-15 mit Extensionsglied auf 16, eine VMK-Brücke auf den Zähnen 12–22 folgte im Jahr 2014.

Im Jahr 2018 kam es in der Art eines „Dominoeffektes“ zum Einbruch der Versorgung im Oberkiefer mit Ausfall des Pfeilerzahns 21. An dem mit einem Glasfaserstift versorgten Zahn 13 wurde eine ausgedehnte Karies unter der Krone exkaviert. Im Unterkiefer kam es zur Ausbildung einer ausgedehnten mesioapikalen Zyste an Zahn 45 (Abb. 4), der ebenfalls mit einem Glasfaserstift stabilisiert war. Aus dieser und diversen anderen Erfahrungen mit Glasfaserstiften bevorzugt der Autor inzwischen wieder den klassischen, gegossenen Stiftaufbau. Dieser ist aufwendiger, stellt aber angesichts der Summe der Erfahrungen die bessere Variante dar. Im November 2018 wurden im Unterkiefer die Zähne 44 und 45 inklusive der radikulären Zyste entfernt.