Eine Fallstudie von Dr. med. dent. Igor-Michael Borrmann, M.Sc und Dr. med. dent. Robin Schulte

Frontzahnlücken stellen implantierende Zahnärzte vor große Herausforderungen: Das Knochenangebot ist meist begrenzt, zugleich muss die Ästhetik stimmen. Im folgenden Patientenbeispiel fehlte die bukkale Lamelle weitgehend. Dieser Umstand erforderte ein zweizeitiges Vorgehen mit Augmentation.

Nach Frontzahnverlusten sind Patienten in Bezug auf Ästhetik, Funktion und Phonetik stark eingeschränkt. ImplantatÜberlebensraten sind mit weit über 90 % nach zehn Jahren sehr hoch, die Komplikationsraten jedoch in der Summe mit insgesamt 23 % ebenfalls erheblich [1]. Die chirurgische und prothetische Umsetzung kann also sehr anspruchsvoll sein [2]. Dies gilt zum Beispiel, wenn die Implantation wegen mangelhaften Knochenangebots erschwert oder ohne Augmentation unmöglich ist. So ist die bukkale Knochenlamelle häufig sehr dünn und geht nach Extraktion als Teil des Parodonts verloren [3].

Die Einheilung des Implantats sollte für eine gute Prognose möglichst schnell und vollständig ablaufen. Es muss den einwirkenden Kräften standhalten, zugleich sollte seine prothetisch-ästhetisch erforderliche Position sichergestellt werden [4]. Dabei ist es wichtig, die für die Osseointegration verfügbare Kontaktfläche ungeachtet eines vorhandenen Defekts festzulegen. Dies gelingt in vielen Fällen nur mit vorgeschalteter Augmentation. Der folgende Fallbericht zeigt, wie ein anteriorer Alveolarkammdefekt vor der Implantation in horizontaler und vertikaler Ausdehnung mithilfe eines monokortikalen Knochenblocks aus der Linea obliqua rekonstruiert wird. Für maximale Nutzung des Knochenvolumens hat das verwendete Implantat im Schulterbereich einen reduzierten und an natürlichen Zähnen orientierten Querschnitt sowie ein für eine hohe Primärstabilität optimiertes Gewinde.