Aufgrund der mechanischen Eigenschaften, der Biokompatibilität [1,2] und der sehr guten Osseointegration [3] stellen Keramikimplantate heute eine gleichwertige Alternative zu Titanimplantaten dar. Erst durch die Entwicklung der Hochleistungskeramik Zirkonoxid gelang es, Keramikimplantate herzustellen, welche biomechanisch stabil sind und den Kaukräften in der Mundhöhle standhalten können [3-5].

Zirkonoxid ist ein bioinertes und nichtresorbierbares Metalloxid, welches gegenüber anderen keramischen Materialien durch seine hohe Bruch- und Biegefestigkeit ein überlegenes mechanisches Verhalten zeigt [1,2]. Dies ist mit einer der Gründe für den erfolgreichen Einsatz von Zirkonoxid in der Zahnmedizin. In der Kronen- und Brückenprothetik, für Wurzelstifte und Implantatabutments konnte dieser Einsatz in zahlreichen Studien erfolgreich nachgewiesen werden [6-9].

Die negativen Berichte über die Frakturanfälligkeit von Keramikimplantaten früherer Generationen begründet sich ursächlich darin, dass die damaligen Herstellungsverfahren nicht auf die materialbedingten Eigenschaften von Zirkonoxid abgestimmt waren. Hierbei stellten insbesondere Verfahren zur Herstellung einer mikrorauen Oberfläche der Keramikimplantate eine potenzielle Verringerung der Bruchfestigkeit dar [10]. Durch die industriellen Sandstrahlungsprozesse im Rahmen der Oberflächengestaltung entstanden hierbei Mikrorisse, die später im Rahmen der funktionellen Belastung Ursprung für Mikro- und Makrofrakturen waren [10].

Keramikimplantate der heutigen Generation haben durch die Zusammensetzung der Oxidkeramiken und die Optimierung der Herstellungsprozesse bessere physikalische Festigkeitswerte und halten Kaufkräften langfristig stand [3-5].

Es konnte gezeigt werden, dass die Frakturrate von Keramikimplantaten aus Zirkonoxid zwischen 2004 und 2017 von 3,4 % auf 0,2 % gesunken ist. Dieser Wert entspricht der Frakturrate vergleichbarer Titanimplantate [11].

Bereits vor zehn Jahren zeigten Gahlert et al. in einer tierexperimentellen Studie, dass es keinen Unterschied in der Osseointegration zwischen oberflächenmodifizierten Zirkonoxidimplantaten und oberflächenmodifizierten Titanimplantaten gibt [12]. Für die Ausbildung einer funktionell erfolgreichen Osseointegration ist neben Faktoren wie dem Implantatmaterial, der Knochenqualität und der Operationstechnik vor allem die Beschaffenheit der Implantatoberfläche von entscheidender Bedeutung [13]. Durch die Entwicklung von gleichwertigen mikrorauen Implantatoberflächen wie bei Titanimplantaten konnte in den letzten Jahren eine verlässliche und mit Titanimplantaten vergleichbare Osseointegration der Keramikimplantate erzielt werden.

Das hier vorgestellte zweiteilige Keramik-Implantatsystem (Neodent Zi) überzeugt durch ein modernes Design und eine prothetisch herausragende Innenverbindung mit entsprechend verschiedenen prothetischen Komponenten. Das Zi Implantat wird im Pulverspritzgussverfahren gefertigt. Es handelt sich hierbei um ein endkonturnahes Formgebungsverfahren. Dadurch entstehen nahezu uneingeschränkte Möglichkeiten der Formgebung. So können beispielsweise anspruchsvolle Geometrien, dünne Wandstärken und kleinste Bohrungen präzise abgebildet werden.

Grundlage für die Herstellung von keramischen Formteilen im Keramikspritzgussverfahren ist eine Arbeitsmasse, welche durch die Zugabe von organischen Bindesystemen entsteht – der Feedstock. Der Feedstock für das Neodent Zi Implantat besteht zu 15 Gewichtsprozent aus Binder und zu 85 Gewichtsprozent aus Zirkonoxidpulver.

Das hier verwendete Zirkonoxidpulver ist ein teilstabilisiertes polykristallines tetragonales Zirkonoxid mit 3 mol-% Yttrium. Durch die ideale Durchmischung und die präzise Einstellung der Fließfähigkeit des Feedstocks wird über das Bindesystem eine hohe Prozess-Stabilität und eine ausgezeichnete Prozess-Sicherheit in der Formgebung ermöglicht (Abb. 1). Dies führt zu einer hohen Produktqualität, die beim vorgestellten Implantatsystem durch die umfangreiche Prüfung des Prozesses gemäß ISO 135556 gewährleistet wird. In einem Entbindungsprozess wird das Bindesystem vor dem Sintern aus dem Bauteil wieder entfernt.

Neodent Zi Implantat System

Durch die eben beschriebenen Eigenschaften und das erwähnte Herstellungsverfahren weist das vorgestellte Implantatsystem ein der natürlichen Zahnwurzel nachempfundenes, konisches Design auf (Abb. 2). Hierbei ist der obere Anteil des Implantates parallelwandig und der untere apikale Anteil konisch. Das Implantat wird am Anfang in den Durchmessern 3,75 und 4,3 mit jeweils den Längen 10, 11,5 und 13 mm angeboten.
Bei einem Implantatdurchmesser von 4,3 mm beträgt der konische Anteil 6 mm und bleibt bei allen Implantatlängen gleich.

Der Gesamtkonuswinkel beträgt 16 Grad. Das moderne Implantatdesign des Neodent Zi wird komplettiert durch sein doppeltes verdichtendes Trapezgewinde. Die äußere Gewindesteigung beträgt hierbei 1,4 mm pro Gewindegang. Durch das beschriebene Design ist es möglich, das Zi Implantat im Bereich der Sofortimplantation einzusetzen (Abb. 3). Im klinischen Alltag können hierdurch auch im reduzierten Knochen hohe Torquewerte von > 35 Ncm erreicht werden (Abb. 4).

Damit solche Eindrehmomente erzielt werden können, ohne das Keramikimplantat zu schädigen, ist eine entsprechende Innenverbindung notwendig. Beim Neodent Zi Implantat wurde hierfür die ZiLock Verbindung entwickelt. Es handelt sich um eine zylindrische Innenverbindung aus Zirkonoxid mit je sechs Kanten und Punkten (Abb. 5). Dadurch können hohe Torquewerte stressfrei auf das Implantat übertragen werden.

Die Verbindung ist mit einer 6 mm langen Schraube ausgestattet, die eine sichere Verbindung zwischen dem Zirkonoxid-Implantat und dem -Sekundärteil gewährleistet (Abb. 6). Darüber hinaus verbessert diese lange Schraube die Leistungseigenschaften von Zirkonoxid, da es die Kraftverteilung entlang der Innenverbindung (Abb. 7) optimiert. Die Herstellungsmöglichkeit einer solch komplexen Verbindung in Keramik ist dem bereits beschriebenen Keramikspritzgussverfahren geschuldet.

Das Zi Implantat zeichnet sich durch eine sandgestrahlte und säuregeätzte Oberflächenbehandlung aus, die in Anlehnung an die äußerst erfolgreiche Neoporos Oberflächenbehandlung eine Mikro- und Makrorauigkeit aufweist. Eine solch moderne Implantatoberfläche auf den Keramikimplantaten führt dazu, dass Keramikimplantate vergleichbar gut wie Titanimplantate osseointegrieren [14-16]. Durch die Erzeugung einer mikrorauen Oberfläche kann nicht nur eine sichere Osseointegration erreicht werden, es können auch Knochenaugmentationen bei Keramikimplantaten vorhersagbar durchgeführt werden [17].

Klinische Anwendung

In der klinischen Anwendung des Zi Implantats gilt es einige Besonderheiten zu beachten. Da Keramik anfällig für etwaige Stressmomente ist und entstehende Reibungswärme nicht in den Implantatkörper ableitet, sondern an die Umgebung, ist eine Einhaltung des Bohrprotokolls für eine erfolgreiche Osseointegration absolut zu empfehlen.

Das vorgestellte Implantat sollte nicht mit mehr als 60 Ncm inseriert werden. Daher besteht das Implantat Transferteil aus je einem oberen und unteren Hexagon. Dazwischen ist eine Sollbruchstelle (Abb. 8) eingearbeitet, welche bei Drehmomenten von über 60 Ncm bricht.

Das klinische Prozedere mit dem Zi Implantat soll beispielhalft am Fall eines nicht erhaltungswürdigen Zahn 34 erklärt werden. Nach digitaler Planung (Abb. 9) und atraumatischer Extraktion unter maximalem Erhalt der vorhandenen Strukturen wird das Keramikimplantat unter Einhaltung des Bohrprotokolls und der vorgeschriebenen Drehmomente epi- bis leicht subkrestal inseriert (Abb. 10a). Danach bestehen vielseitige Möglichkeiten der Einheilung, wie etwa über gedeckte Einheilungskomponenten, verschiedene Zirkonoxid-Gingivaformer (Abb. 10b, 10c) oder Zirkonoxid- (Abb. 11) sowie PEEK-Abutments zur Sofortversorgung.

Im vorliegenden Fall konnte das Zi Implantat direkt mit einer provisorischen Krone auf einem PEEK-Abutment versorgt werden (Abb. 12-14). Durch die prothetischen Komponenten inkl. der abgewinkelten Abutments (Abb. 11) erschließen sich dem Behandler eine Vielzahl an prothetischen Rekonstruktionen. Im vorliegenden Fall zeigte sich bereits sechs Tage postoperativ eine reizfreie Implantatregion 34 (Abb. 15).

Fazit

Das Neodent Zi ist ein Keramikimplantat mit einem modernen Design und einer Vielzahl an prothetischen Möglichkeiten. Es bietet eine zuverlässige und formschlüssige Innenverbindung. Durch die beschriebenen Eigenschaften ist es sehr gut und zuverlässig für die Sofortbehandlung geeignet. Das vorgestellte Keramikimplantat ist eine gleichwertige Alternative zu modernen Titanimplantaten.

Dr. med. dent. Markus Sperlich

Dr. med. dent. Markus Sperlich

  • Studium der Zahnmedizin an der Albert-Ludwigs- Universität Freiburg
  • Bis 2013 Klinik für zahnärztliche Prothetik, Universitätsklinikum Freiburg
  • 2013 Gründung Sperlich & Sperlich Zahnmedizin
  • 2018 Aufenthalt am ILAPEO, Curitiba, Brasilien
  • 2018 Gründung Zentrum für Sofortbehandlung
  • Tätigkeitsschwerpunkt Implantologie, Implantat- 
prothetik und Prothetik
  • Referententätigkeit und Publikationen in der 
Implantologie und Prothetik mit Schwerpunkt Sofortbehandlung und Keramikimplantate

markus@sperlich-sperlich.de
www.sperlich-sperlich.de
www.instagram.com/sperlich_zahnmedizin 

Dr. med. dent. Mathias Sperlich

Dr. med. dent. Mathias Sperlich

  • Studium der Human- und Zahnmedizin Freiburg, Würzburg, Zürich
  • Weiterbildungsassistent Oralchirurgie
  • 2013 Gründung Sperlich & Sperlich Zahnmedizin
  • 2018 Aufenthalt ILAPEO Curitiba, Brasilien
  • 2018 Gründung Zentrum für Sofortbehandlung, Freiburg
  • Tätigkeitsschwerpunkt Oralchirurgie, Implantologie und Parodontologie
  • Referententätigkeit
  • 2020 Postgraduierten-Studium Master of Science Implantologie und Oralchirurgie

mathias@sperlich-sperlich.de

www.sperlich-sperlich.de

www.instagram.com/sperlich_zahnmedizin

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