Eine Fallstudie von Friedrich-Wilhelm Pape

Die rationelle und wirtschaftliche implantatprothetische Versorgung stellt eine sinnvolle Maßnahme zur Steigerung der Akzeptanz einer oft langwierigen und teuren Behandlung dar.
Das One Care Package-System (PS OCP) ist eine gute Möglichkeit, eine implantatprothetische Therapie relativ schnell und kostengünstig durchzuführen. Beim Einsatz des Systems aus dem Hause Bego Implant Systems besteht ein deutlicher Kostenvorteil gegenüber den konventionellen Gingivaformern, Abformpfosten und Abutments, sowie ein hohes Entwicklungspotenzial.

Allgemeine Anamnese

Der 67-jährige Patient war zum Zeitpunkt der Therapie Nichtraucher. An Medikamenten nahm er Antikoagulanzien (Eliquis mit dem Wirkstoff Apixaban).

Spezielle Anamnese

Der Patient stellte sich mit akuten Schmerzen an Zahn 44 erstmalig in der Praxis vor. Im rechten Unterkiefer war er mit einer konventionellen, unverblendeten Brücke aus einer Edelmetalllegierung von Zahn 44 nach Zahn 48 versorgt. Die Krone des distalen Brückenpfeilers zeigte im Bereich des mesiolingualen Höckers eine Perforation, was auf die geringe Stärke des Materials im okklusalen Anteil der Krone und der Neigung des Patienten zu Parafunktionen aufgrund der Schlifffacetten der natürlichen Zähne im Restgebiss zurückgeführt werden konnte.

Ein kariöser Defekt im Bereich der Perforation war nicht erkennbar. Im linken Unterkiefer lag eine prothetisch unversorgte Freiendsituation infolge des Fehlens der Zähne 36 bis 38 vor, die in der Vergangenheit aufgrund parodontaler Probleme extrahiert worden waren. Zahn 35 war nach Entfernung der Brücke 35 nach 37 alio loco unversorgt geblieben. Der Zahn war vital und kariesfrei. Der Oberkiefer war prothetisch mit einem ca. 20 Jahre alten, dennoch funktionsfähigen, teleskopverankerten, herausnehmbaren Zahnersatz versorgt. Lockerungen an den Zähnen konnten nicht festgestellt werden. Der Patient stellte sich in unserer Praxis mit Schmerzen im Bereich des Brückenpfeilers 44 vor. Auf der Übersichtsröntgenaufnahme war eine große kraterförmige Aufhellung im Wurzelbereich des Zahnes erkennbar, die auf einen Abbau des periradikulären Knochens infolge einer kombiniert parodontal-endodontischen Komplikation schließen ließ (Abb. 1).  Klinisch und röntgenologisch konnte im Restgebiss eine chronische Parodontitis marginalis mit einem generalisierten horizontalen Knochenabbau und vereinzelten vertikalen Knocheneinbrüchen (Zahn 17) und einer Furkationsbeteiligung (Zahn 48) diagnostiziert werden. Die Mundhygiene des Patienten wurde als verhältnismäßig gut eingestuft.

Der Patient wünschte zunächst eine Schmerzbehandlung am Zahn 44 und nach eingehender Aufklärung über die alternativen prothetischen Therapiemöglichkeiten anschließend eine implantatprothetische Versorgung mit festsitzendem Zahnersatz im Unterkiefer. Zahn 48 sollte auf seinen Wunsch hin ohne weitere prothetische Maßnahmen erhalten werden. Ebenso wünschte er zunächst keine Veränderungen im Oberkiefer, mit dessen Versorgung er trotz ästhetischer Einbußen zufrieden war und die eine zufriedenstellende Funktionstüchtigkeit aufwies.

Diagnostik und Planung

Der einverständliche Behandlungsplan sah vor, Zahn 44 zu entfernen und nach Abheilung der Extraktionswunde den Patienten implantatprothetisch in regio 37, 44 und 47 zu versorgen. Die Einheilung sollte gedeckt erfolgen und der Zahnersatz konventionell nach einer Einheilzeit von drei Monaten belastet werden. Als Zahnersatz wurde im dritten Quadranten eine zementierte Hybridbrücke von Zahn 35 auf das Implantat in regio 37 geplant, während die ebenfalls zementierte Brücke im vierten Quadranten auf den Implantaten 44 und 47 geplant wurde. Der Patient wünschte sich den Erhalt des endständigen Zahnes 48. Hybridbrücken, die auf natürlichen Zähnen und Implantaten befestigt werden, zeigen ähnlich gute Erfolgs- und Überlebensraten wie konventioneller und implantatgetragener festsitzender Zahnersatz [1,2].

Vorbereitende Maßnahmen

Die Basisdiagnostik und die Planung der Implantatpositionen wurden mit einem OPG (Gendex Orthoralix 9200) vorgenommen. Vor Beginn der implantatprothetischen Therapie fand eine systematische Parodontalbehandlung statt. Die Extraktion und die Implantatinsertion erfolgten unter Bildung eines Mukoperiostlappens nach Kammschnitt und mesialer sowie distaler vertikaler Entlastung. Für die Insertion der Implantate wurde nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt der Gerinnungshemmer einen Tag präoperativ für die Dauer von zwei Tagen abgesetzt. Augmentative Maßnahmen waren nicht erforderlich. Dort, wo ein zu geringes vertikales Knochenangebot vorhanden war, konnten kürzere Implantate verwendet werden. In regio 37 und 44 wurden Implantate mit einer Länge und einem Durchmesser von 10,0 x 4,5 mm und 11,5 x 3,75 mm verwendet werden (Bego Semados SCX, Bego Implant Systems), während in regio 46 ein kürzeres Implantat mit einer Länge von 8,5 mm und einem Durchmesser von 4,1 mm (Bego Semados SCX) zum Einsatz kam.

Chirurgisches Vorgehen

Die Implantatinsertion erfolgte unter Lokalanästhesie. Die Implantatposition wurde intraoperativ durch eine Bohrschablone nach präoperativer prothetischer Planung übertragen. Die Implantatbetten wurden mit den Bohrern des Trays Bego Semados S-Line TrayPlus vorbereitet. Die Röntgenkontrolle zeigte eine gute Lage der Implantate (Abb. 2). Die Implantate heilten komplikationslos ein. Die Freilegung der Implantate erfolgte nach einer dreimonatigen Einheilzeit (Abb. 3) und wurde ohne Absetzen bzw. ohne Änderung der gerinnungshemmenden Medikation durchgeführt, da bei einfacheren oralchirurgischen Eingriffen eine Änderung oder ein Absetzen des Präparates nicht notwendig ist [3].

Prothetische Versorgung

Nach der Freilegung wurden konfektionierte Abutments des One Care Package-Systems (PS OCP, Bego Implant Systems) eingeschraubt (Abb. 4). Die Abutments besitzen ein Platform Switch-Design, sind aus Titan Grad 5 hergestellt und werden in zwei Gingivahöhen angeboten. Im OCP-Restaurationsset sind alle notwendigen Systemkomponenten für die Implantatversorgung enthalten. Zum Lieferumfang gehören neben den OCP- Abutments Multifunktionskappen, die als Einheilkappe oder als Basis für individuell hergestellte Provisorien verwendbar sind, sowie Abformkäppchen (Abb. 5) und laboranaloge Kappen mit und ohne Rotationsschutz. Im vorliegenden Fall wurden Laborkappen ohne Rotationsschutz eingesetzt, die sich für die Erstellung zementierter verblockter Kronen und Brücken eig- nen (Abb. 6).

Für Einzelzahnversorgungen werden Laborkappen mit Rotationsschutz verwendet. Die Abformung erfolgte mittels Impregum (3M Deutschland GmbH) nach dem geschlossenen Abformverfahren (Abb. 7). Die provisorische Versorgung nahmen wir mit den Bego-Multifunktionskappen mittels Luxatemp (DMG Chemisch-Pharmazeutische Fabrik GmbH, Deutschland) (Abb. 8) vor. Die definitive Versorgung bestand aus keramisch verblendeten Brücken auf einem Gerüst aus Nichtedelmetall (NEM). Eine erste Bissnahme erfolgte über die Abformpfosten vor der Abformung in Repositionstechnik (Futar D, Kettenbach), der dann eine Korrekturbissnahme im Rahmen der Einprobe (Abb. 10) über die gegossenen Metallgerüste folgte (Pattern Resin, GC) (Abb. 11). Nach ihrer Fertigstellung im Labor (Abb. 12, 13) war auch das klinische und röntgenologische Ergebnis nach dem definitiven Einsetzen der beiden Brückenrekonstruktionen für Patient und Behandler gleichermaßen erfreulich (Abb. 13, 14).

Abb. 1: Übersichtsröntgenbild der Ausgangssituation.

Abb. 3: Freilegung der Implantate nach der dreimonatigen Einheilzeit.

Abb. 5: Eingebrachte Abformkappen.

Abb. 7: Polyetherabformung mit Abformkappen.

Abb. 9: Modellvorbereitung vor Herstellung der keramikverblendeten Brücken.

Abb. 11: Bissnahme vor Herstellung der Verblendung.

Abb. 13: Fertigstellung der keramikverblendeten Brücken im Labor.

Abb. 15: Röntgenkontrolle der Abschlusssituation.

Abb. 2: Zustand nach Implantatinsertion in regio 36, 44 und 47.

Abb. 4: Zustand nach Verschraubung der konfektionierten Abutments.

Abb. 6: Die Komponenten des OCP-Systems.

Abb. 8: Provisorische Versorgung.

Abb. 10: Einprobe der NEM-Gerüste.

Abb. 12: Fertigstellung der keramikverblendeten Brücken im Labor.

Abb. 14: Klinisches Endergebnis.

Fazit

Das OCP-System stellt eine sinnvolle Ergänzung des prothetischen Portfolios von Bego Implant Systems dar. Übersichtlich verpackt – und damit für das Fachpersonal einfach zu bestellen und zu bevorraten – liefert es alle benötigten Bauteile sowohl für den klinischen als auch für den labortechnischen Bereich von der Freilegung über die provisorische Versorgung bis hin zur fertigen Arbeit. Und dies zu einem Preis, der es auch Patienten mit nicht prall gefülltem Geldbeutel ermöglicht, den Lebenskomfort im Sinne eines festen Zahnersatzes gegenüber der Alternative einer herausnehmbaren Teilprothese zu steigern.

Autor

Dr. med. dent. Friedrich-Wilhelm Pape

Dr. med. dent. Friedrich-Wilhelm Pape

  • 1985 Staatsexamen an der Universität zu Köln
  • 1985-1991 Abteilung für Zahnärztliche Prothetik der Universität zu Köln
  • 1990 Promotion
  • 1992-1995 Weiterbildung zum Fachzahnarzt für Oralchirurgie in der Abteilung für MKG-Chirurgie der WWU Münster und in der Praxis Dr. J. Schmidt, Brilon
  • Seit 1995 Oberarzt der „Privatzahnklinik Schloß Schellenstein“ in Olsberg
  • Seit 1999 Niederlassung als Fachzahnarzt für Oralchirurgie in Hagen
  • 2001 Zertifizierter Tätigkeitsschwerpunkt „Implantologie“
  • 2003 Referentenzertifizierung
  • 2005 Anerkennung als Spezialist für Prothetik der Deutschen Gesellschaft für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde (DGZPW, jetzt DGPro)
  • 2006 Master of Oral Medicine (MOM) in Implantology
  • 2007 Tagungspreis „Beste Falldemonstration“ der Deutschen Gesellschaft für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde (DGZPW, jetzt DGPro)
  • 2008 Anerkennung als „Fortgebildeter Gutachter für Prothetik“ der Deutschen Gesellschaft für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde (DGZPW, jetzt DGPro)
  • 2014 Master of Science (M.Sc.) in Implantology and Dental Surgery
  • 2017 Bestellung zum Privat- und Gerichtsgutachter für Prothetik, Implantologie und zahnärztl. Chirurgie durch die ZÄK Westfalen-Lippe

drespape.hagen@t-online.de

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