Eine Fallstudie von Dr. Lavinia Neuss-Zaar

Die Autorin berichtet in diesem Anwenderfall von der Extraktion eines nicht erhaltenswerten Zahns und der Sofortimplantation des zweiteiligen Zirkonoxidimplantats „Patent“ mit Sofortversorgung in derselben Sitzung. Zur Stabilisierung des Weichgewebes wurde die Wurzel des extrahierten Zahns nach dem Smart Grinder-Protokoll zu autologem Knochenersatzmaterial aufbereitet und um das Implantat herum eingebracht.

Die Patientin kam in meine Praxis, da sie beim Abbeißen unter Zahnschmerzen im Frontzahnbereich litt. Ein Röntgenbild offenbarte einen starken Knochenabbau mesial 11. Zusätzlich zeigte sich die Wurzel entzündet und der Zahn war somit nicht mehr erhaltungswürdig (Abb. 1). Aufgrund des Knochenabbaus war der Zahn 11 nach disto-bukkal extrudiert, mit einer deutlichen Vergrößerung des vorhandenen Diastemas (Abb. 2 und 3). In einem Aufklärungsgespräch vor der Behandlung stellte ich der Patienten mein Behandlungskonzept vor: Eine Extraktion des Zahns mit unmittelbarer Insertion eines Implantats, also die klassische Sofortimplantation gemäß dem „SofI-Protokoll“ nach Dr. Nedjat. Damit langfristig das Implantat nicht durchschimmert, schlug ich meiner Patienten vor, ein Implantat aus Zirkonoxid zu inserieren.

Die Patientin war von den Argumenten überzeugt. Zudem schlug ich der Patientin vor, die Krone 11 etwas breiter anfertigen zu lassen als der Zahn war und den Zahn 21 mit einem Veneer zu versehen, um so das Diastema fast vollständig zu schließen. Ich entschied mich, ein zweiteiliges Implantat zu inserieren, um bei der Prothetik nicht eingeschränkt zu sein. Einzig über das Patent-Implantat der Zircon Medical liegen Langzeitstudien vor, die ihm eine Biointegrationsrate von rund 96 % bescheinigen. Dies gibt sowohl mir als auch den Patienten ein sicheres Gefühl. Gleichzeitig ist es in mehrfacher Hinsicht das einzige, wirklich metallfreie Zirkonoxidimplantat: Es gibt keine Verschraubung des Implantats mit dem Abutment und der Al2O3-Anteil liegt mit 0,25 % deutlich unter denen der ATZ-Implantate mit rund 25 %. Als OP-Termin wurde der nächste Tag vereinbart. In meiner Praxis gibt es keine ausgewiesenen „Implantationstage“, denn diese Therapie hat keinen Vorrang gegenüber anderen Therapien und wird vom gesamten Praxisteam genauso behandelt wie Extraktionen, Endos oder Füllungen. Deshalb ist es kein Problem, den Patienten auch kurzfristig einen OP-Termin anzubieten.

Der OP-Tag

Die Anästhesie erfolgte mit Ultracain D-S in kleinen Depots rund um den OP-Situs. Ich verwende in der Regel nicht Ultracain D-S forte, da der Wirkstoff Epinephrin (Adrenalin) zu Blutarmut in der OP regio führt. Grundsätzlich sollte ein Implantatbett immer etwas bluten. Mit einem Bein’schen Hebel und Zange extrahierte ich vorsichtig den Zahn (Abb. 4), wobei ich mit dem Daumen Druck auf die bukkale Lamelle ausübte, um eine Fraktur zu verhindern. Mit einem scharfen Löffel kürettierte ich die Alveole aus, um mögliche Entzündungsreste zu entfernen. Klinisch konnte das Nicht-Vorhandensein des bukkalen Knochens verifiziert werden. Das OP-Tray von Patent enthält sämtliche für eine Insertion erforderlichen Instrumente, die optimal auf eine Insertion von Zirkonoxidimplantaten in sämtlichen Knochenqualitäten von D1 bis D4 abgestimmt sind. Für die Pilotbohrung greife ich jedoch gerne auf den gelben Dreikant-Drill (Ø 2,3 mm, Länge 20 mm) aus dem OP-Tray von Champions Implants zurück.

Die erste Bohrung erfolgte nach leicht palatinal, etwa 15°. Nach dieser Pilotbohrung erweitere ich die Kavität mit dem weißen Dreikant-Drill (Ø 3,3 mm, Länge 18 mm). Um die Bohrachse besser überprüfen zu können, verwendete ich diesen Bohrer mit einer Bohrerverlängerung (Abb. 5 und 6). Obwohl eine Perforation der Knochenwände bei niedertourig ausgeführten Bohrungen ausgeschlossen ist, überprüfe ich immer mit einer dünnen Knochensonde, dass der Knochen in allen fünf Richtungen nicht perforiert ist. Bei dieser Gelegenheit konnte ich gleichzeitig den mesio-bukkalen Knochendefekt verifizieren. Für die Erweiterung der Kavität setzte ich im Anschluss daran die Patent-Bohrer mit den Durchmessern 3,0 mm, 3,5 mm und 3,8 mm ein. Mit dem blauen Condenser Ø 4,3 mm aus dem Champions OP-Tray überprüfte ich die erreichbare Primärstabilität und kam auf etwa 40 Ncm – ausreichend, um ein Patent-Implantat Ø 4,5 mm und einer Länge von 13 mm inserieren zu können. Eine Messaufnahme bestätigte die richtige Position (Abb. 7 und 8).

Das Zirkonoxidimplantat Patent (Zircon Medical, Zürich, Vertrieb Champions-Implants) verfügt über eine besonders raue Oberfläche für eine gute Biointegration. Man muss aber wissen, dass die eigentliche Insertion ist ein wenig anders als die eines Titan-Implantats vonstattengeht. Deshalb bevorzuge ich bei Zirkonoxidimplantat grundsätzlich eine maschinelle Insertion mit der Chirurgie-Einheit mit rund 20 U/min. Auch ein eventuelles Verkanten wird so verhindert. Das maximale Drehmoment begrenze ich auf 30 Ncm. Für die finale Insertion leicht subgingival verwende ich eine Drehmomentratsche und mit einem Kleinröntgenbild überprüfte ich zusätzlich den Sitz des Implantats (Abb. 9 bis 11).

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Das Provisorium

Gleich in dieser Sitzung wurde der Post (Abb. 12) mit RelyX von 3M Espe, ein Dual-Zement mit einer besonders hohen Abzugskraft, auf den Implantatkörper zementiert und mit einer groben Diamantfeile unter Wasserkühlung beschliffen. Da der Post aus einem Glasfaserpolymer besteht, lässt er sich sehr gut und schnell beschleifen. Zum Abschluss versorgte ich die Patientin mit einem Provisorium; in diesem Fall mit der Zahnkrone, die von basal ausgeschliffen und mit den Nachbarzähnen verblockt wurde (Abb. 13). Die Wurzel des extrahierten Zahns wurde nach dem Smart Grinder-Protokoll innerhalb von acht Minuten chairside zu autologem Knochenersatzmaterial partikuliert, im Cleanser sterilisiert, dabei von sämtlichen Bakterien, Viren und Pilzen befreit und schließlich in einem Pufferbad auf den idealen pH-Wert von 7,1 gebracht. Dieses Knochenersatzmaterial wurde in den Spalt zwischen Implantatkörper und Weichgewebe zur Stabilisierung der Gingiva eingebracht. Der Kontrolltermin eine Woche post operationem zeigte einen guten Heilungsverlauf ohne Beschwerden (Abb. 14 und 15).

Eingliedern des finalen Zahnersatzes

Nach drei Monaten konnte der finale Zahnersatzeingegliedert werden und das Diastema mithilfe des Veneers auf Zahn 21 geschlossen. Ein finales Röntgenbild mit eingegliedertem Zahnersatz bestätigte die gute Biointegration des Implantats (Abb. 16).

Videopräsentation hier

Fazit

Dieser Fall zeigt, dass das Vorhandensein einer bukkalen Wand für eine erfolgreiche Implantation nicht unbedingt erforderlich ist. Dennoch sollte in solchen Fällen immer ein Implantat aus Zirkonoxid inseriert werden, um ein „Durchschimmern“ des Implantatkörpers durch das Zahnfleisch zu verhindern. Das „SofI-Verfahren“ nach Dr. Nedjat fällt durch sein einfaches Prozedere auf positiv und führt zu ästhetisch sehr ansprechenden Ergebnissen im Weichteilgewebe. Ein weiterer Vorteil ist, dass man freien Blick auf den Knochen hat und eine krestale Entlastung entfällt.

Autorin

Dr. Lavinia Neuss-Zaar; Expertin Implantologie und Implantatprothetik CIPC

  • 1999-2004 Studium der Zahnmedizin an der J. W. Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • 2004 Approbation als Zahnärztin
  • 2007 Promotion an der J. W. Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • 2005-2007 Assistenzzeit in Köln
  • 2007-2020 Angestellte Zahnärztin in Köln
  • Seit 2020 Angestellte Zahnärztin in Pulheim
  • 2017 Curriculum Ästhetische Zahnheilkunde
  • 2020 Curriculum „Experte Implantologie & Implantatprothetik CIPC“

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