Eine Fallstudie von Dr. med. dent. Onur Deniz Polat

Die implantologische Versorgung von Patienten im Oberkieferfrontzahnbereich ist eine herausfordernde Therapie für den Kliniker. Während in den Anfängen der Implantologie funktionelle Aspekte im Vordergrund standen, rückt der ästhetische Gesichtspunkt mehr in den Fokus. Neben ästhetischen Ansprüchen sind für eine hohe Patientenzufriedenheit weitere Faktoren von Bedeutung. Die Patientenzufriedenheit kann mit einer kurzen Behandlungsdauer und einer geringen Morbidität des Eingriffes erhöht werden.

Die Sofortimplantation mit Sofortversorgung kann bei korrekter Umsetzung die Kriterien für eine hohe Patientenzufriedenheit erfüllen. Sie ist daher insbesondere in der anterioren Maxilla ein wichtiges implantologisches Behandlungsprotokoll. Diese Vorgehensweise erlaubt eine Schonung der vorhandenen Strukturen, eine vergleichsweise geringe Invasivität, verkürzt die Behandlungsdauer und führt zu einem ästhetisch befriedigenden Ergebnis [7,2]. Hierfür sind gewisse anatomische Voraussetzungen notwendig, da die Indikationsstellung für eine Sofortimplantation mit Sofortversorgung streng zu stellen ist. Neben anatomischen Voraussetzungen muss der Behandler Erfahrung und Know-how für eine derartige Behandlung mitbringen [8].

Zu den wichtigsten Voraussetzungen gehört eine intakte bukkale Lamelle. Diese muss insbesondere bei der Extraktion des Zahns erhalten werden [6]. Weiterhin sollte ein ausreichendes Knochenangebot von mindestens 3mm apikal der Wurzel des zu extrahierenden Zahns vorhanden sein. Das Weichgewebe in der Implantatregion muss entzündungsfrei sein und sollte ein Band von 2 mm Keratinisierung aufweisen. Liegen diese Voraussetzungen vor, liegt es am Behandler eine korrekte dreidimensionale Positionierung des Implantates vorzunehmen, um eine erfolgreiche Behandlung zu erreichen [5].

Im vorliegenden Fall wird eine Sofortimplantation mit Sofortversorgung dargestellt. Hierbei ist insbesondere ein sorgfältiges und schonendes Vorgehen von Bedeutung. Ein fehlerhaftes Vorgehen, insbesondere im ästhetischen Bereich, kann zu desaströsen Ergebnissen führen. Daher ist es unerlässlich ein sinnhaftes chirurgisches Protokoll zu verfolgen.

Patientenfall

Eine 73-jährige Patientin ohne Allgemeinerkrankungen und Medikation erschien nach einer horizontalen (Abb. 3), paragingivalen Fraktur des Zahns 11 in der Praxis (Abb. 1,2). Die Patientin wurde nach klinischer und radiografischer Untersuchung über die fehlende Erhaltungswürdigkeit des Zahnes 11 aufgeklärt. Weiterhin wurden konventionell prothetische und implantat-prothetische Behandlungsmethoden dargelegt.

Die Patientin entschied sich aufgrund der strukturerhaltenden Funktion des Implantates für eine implantologisch-prothetische Versorgung und äußerte den Wunsch einer möglichst festsitzenden provisorischen Lösung [5]. Hierzu wurde eine DVT-Aufnahme (Abb. 4) in Vorbereitung zur Sofortimplantation durchgeführt. Aufgrund der guten knöchernen Verhältnisse wurde eine Sofortimplantation mit Sofortversorgung angestrebt und dies mit der Patientin kommuniziert.