Ende Mai 2019 veranstaltet die bredent Gruppe gemeinsam mit ihrem Partner Arkom die ersten Group Days in Russland. Das Ende des Wonnemonats ist in der einstigen Zarenstadt eine ganz besondere Zeit – die berühmten „Weißen Nächte“, in denen die Sonne nicht vollends untergeht, zaubern eine ganz eigene und magische Atmosphäre. St. Petersburg vibriert in diesen Tagen noch mehr als sonst und lockt mit einer Vielzahl von Ausstellungen, Konzerten und Sportereignissen viele Besucher aus aller Welt an. Neben hochkarätigen Vorträgen in den zentralen Podien „Implantologie“ und „Zahntechnik“ bietet bredent an den Veranstaltungs-Nachmittagen Hands on- und interaktive Workshops. pip sprach mit Dr. Howard Gluckman aus den USA, der den Kongress als Keynote Speaker anführen wird.

pip: Die bredent Gruppe legt einen besonderen Schwerpunkt auf Sofortversorgungskonzepte – welche sind in Ihren Augen die heute entscheidenden Kriterien bei dieser Versorgungsform?

Howard Gluckman: Es gibt eine ganze
Reihe von äußerst bedeutsamen
Schlüsselfaktoren für die sofortige
provisorische Versorgung bei Implantaten. Zunächst sind hier die
verschiedenen Parameter zu nennen: Wie leicht können sie der klinischen Situation angepasst werden,
und wie zuverlässig können sie mit
den provisorischen Materialien,
seien es Komposit- oder Keramik-
Materialien, verbunden werden.
Ein zweiter wichtiger Faktor ist die
Radioopazität der Materialien und
zum Dritten spielt eine Rolle, wie
einfach sie bearbeitet und geglättet
werden können. Bei der Restauration an sich ist das wichtigste Element dann die subgingivale Kontur.
Statt sie wie einst konvex auszuformen, sollte sie heute zugunsten
einer verbesserten Weichgewebssituation eher konkav ausgebildet werden. Das verhindert auch,
dass Gewebe nach apikal gedrückt
wird, zu Irritationen führt und für
die Ästhetik verloren geht. Letztlich sollte eine provisorische Versorgung immer verschraubt erfolgen, um eventuelle Zementreste und das Risiko für eine Periimplantitis durch die mögliche Entstehung einer Zementitis bereits im provisorischen Zustand unbedingt zu vermeiden.

pip: Werden der digitale Workflow und die damit einhergehenden Verbesserungen bei der Behandlungsplanung Sofortversorgungskonzepte beflügeln oder liegen die entsprechenden Verbesserungen eher in der implantatchirurgischen und -prothetischen Hardware?

Howard Gluckman: Für mich ist die digital gestützte Planung und Behandlung inzwischen grundsätzlich essentiell – ganz egal, ob man sofort oder verzögert vorgehen will. Der digitale Workflow wird sich in unserer Disziplin ohne Frage ganz fest etablieren und bald die Grundlage aller Behandlungsprotokolle sein. Ich bin davon überzeugt, dass die Hardware sich sehr konsequent an den Erfordernissen der digitalen Prozesse ausrichten wird.

pip: Für Sie ist es nicht der erste Aufenthalt in Russland auf einer implantologischen und prothetischen Bühne – wo sehen Sie die größten Unterschiede zwischen russischen Behandlern und Zahnärzten in den USA oder der EU? Sind für Sie klare Unterschiede bei den chirurgischen oder prothetischen Protokollen oder Philosophien erkennbar?

Howard Gluckman: Tatsächlich habe ich schon sehr häufig in Russland Fachvorträge halten dürfen, und es hat sich inzwischen zu einem meiner liebsten Reiseziele entwickelt. Dank des Internets ist die Welt inzwischen wirklich ein globales Dorf, und das gilt vor allem für die blitzschnelle Verbreitung von Informationen. Sie sollten da einige Ihrer offenbar vorhandenen Vorurteile ganz schnell über Bord werfen. Im Gegenteil: russischeZahnärzte begrüßen und adaptieren die modernen Technologien mit einem ganz besonderen Enthusiasmus und einer sehr beeindruckenden Umsetzungsrate. Entsprechend ist in Russland auch die Zahl von Behandlern, die unglaubliche Arbeiten auf höchstem internationalen Niveau abliefern, rasant gestiegen. Ehrlich gesagt empfinde ich die Zuhörer in Russland als weitaus lern- und wissbegieriger und neuen Techniken, Materialien und Technologien aufgeschlossener als in den meisten anderen Ländern, in denen ich Vorträge halte.

pip: Warum sollte man sich die 1. bredent Group Days in Russland Ihres Erachtens nicht entgehen lassen?

Howard Gluckman: Der Besuch dürfte sich allein schon lohnen, um mit Vorurteilen aufzuräumen, die vielleicht noch hinsichtlich der Qualifikationen und des Niveaus unserer Kollegen im Osten herrschen. Die Gelegenheit in einem internationalen Forum – es werden Referenten aus über zehn Nationen sprechen – Erfahrungen und Kenntnisse auszutauschen und unterschiedliche Lösungsansätze zu diskutieren ist an sich bereits hervorragend. Die legendären „Weißen Nächte“ in St. Petersburg werden das ihre dazu beitragen, die Veranstaltung zu einem ganz besonderen und sicher für viele Teilnehmer herausragenden Erlebnis zu machen.

pip:Herzlichen Dank, Herr Dr. Gluckman, für Ihre Zeit und dieses Gespräch.