Angesichts der Konsolidierung der implantologischen Global Player in den letzten fünf Jahren schlug im Frühjahr ein Gerücht hohe Wellen in der Szene: „Bego Implant Systems wird verkauft!“ Sollte damit auch eines der letzten inhabergeführten Unternehmen in der dentalen Implantologie in einem der globalen Großkonzerne aufgehen, und wo bliebe dabei die Identität der traditionsreichen Marke Bego und der in Anwenderkreisen viel gelobte sehr persönliche und familiäre Zugang? pip sprach – nicht ohne Sorge – mit dem geschäftsführenden Gesellschafter der Bego Unternehmensgruppe Christoph Weiss.

pip: ,Auch Du, mein Sohn Brutus …?‘ Wir hegten die Hoffnung,dass sich Bego Implant Systems, nicht zuletzt wegen der durchaus beachtlichen Position im internationalen Markt, eigenständig halten könnte …

Weiss: Das kann auch durchaus weiterhin so sein, aber wir sind überzeugt, dass wir mit einem geeigneten Partner Wachstumschancen noch besser wahrnehmen können. Bego Implant Systems geht es sehr gut. Es ist über viele Jahre konstant ausgezeichnete Arbeit geleistet worden und die Gesellschafter trennen sich nicht gern von diesem erfolgreichen Geschäftsbereich. Wir glauben jedoch, dass wir ihn sowohl für unsere Kunden als auch unsere Mitarbeiter strategisch für die Zukunft besser aufstellen können, mit einem potenten und ebenfalls global agierenden Partner an unserer Seite.

pip: Mit ,Semados‘ hat Bego bzw. Bego Implant Systems eine über Jahrzehnte zurückreichende Marke in der dentalen Implantologie – wie soll die sich in einer neuen Konstellation halten?

Weiss: Zunächst ist es wirklich so, dass wir eine sehr gute Positionierung am Markt erreicht haben. Nun gilt es, diese Errungenschaften weiter und erheblich auszubauen. Mit ,Semados‘ haben wir eine wertvolle, langjährig bekannte und traditionelle Marke, die allein zukünftig möglicherweise wieder eine größere Rolle spielen könnte. Verkennen Sie auch nicht, dass auch eine gute Marke nur beseelt wird von einer gelebten Philosophie und den Mitarbeitern, die ihr Leben einhauchen – und genau darum, diese für unsere Kunden vertrauten und bewährten Inhalte und Positionen auch für die Zukunft zu sichern, geht es uns.

pip: Inwieweit haben Umstände wie die ab 2020 greifende MDR und auch der insgesamt kostenintensivere und aufwendigere Eintritt in internationale Märkte mit Ihrer Entscheidung die Implantologiesparte zu veräußern zu tun?

Weiss: Der Aufwand wird ohne Frage immer größer – das trifft ohne Ausnahme alle Medizinproduktehersteller. Insofern kann und wird die MDR – Medical Device Regulation – auch zu einer weiteren Konsolidierung am Markt beitragen. Heute sind wir stark und können unsere Zukunft mit neuen Partnerschaften selbst und selbstbewusst und aktiv gestalten. Auch für unsere Kunden und Partner ist es wichtig, dass wir eine langfristige Strategie verfolgen und uns beizeiten auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereiten. Dazu gehört auch, rechtzeitig strategische Allianzen zu suchen, mit denen wir unsere heutige Stärke nicht nur bewahren, sondern fortentwickeln können. Wir wollen und werden auch morgen und übermorgen für unsere Kunden da sein.

pip: Was geschieht mit dem Standort Bremen, und ist die avisierte Teilveräußerung der Einstieg in einen scheibchenweisen Totalausverkauf der Bego Gruppe?

Weiss: Für mich als Familienunternehmer ist eine Standortsicherung unverhandelbar – da muss jeder potenzielle Käufer oder Partner durch. Diese kann vielleicht nicht für alle Ewigkeit, aber sicher für einen Mehrjahreszeitraum als gesetzt gelten. Alle weiteren Geschäftsbereiche der Bego-Gruppe stehen ohnehin nicht zur Disposition. Ich bin leidenschaftlicher Unternehmer und beabsichtige, dies, ganz in der Tradition unserer Unternehmerfamilie, noch viele Jahre zu sein. Mit den Erlösen aus dem möglichen Verkauf der Bego Implant Systems werden wir weitere Aktivitäten in unseren bestehenden anderen Unternehmensbereichen starten können, die in den Tätigkeitsfeldern Prothetik und Zahntechnik und den sich hier öffnenden revolutionären digitalen Möglichkeiten dem Bereich Implantate an Innovationspotential und zukunftsweisenden Technologien in nichts nachstehen – Sie dürfen gespannt sein.

pip: Ein herzliches Danke, Herr Weiss, für Ihre Offenheit und dieses Gespräch.