Keramikimplantate: Das privatärztliche Zahnzentrum für biologische Mund-, Kiefer-und Gesichtschirurgie in Berlin-Charlottenburg versteht den Körper als ein komplexes und sich gegenseitig beeinflussendes System. Das enge Zusammenspiel zwischen Störungen im Mundraum und chronischen Erkrankungen begründet eine ganzheitliche und interdisziplinäre Behandlung.

Bild: Dr. med. Thomas Franke, Facharzt für MKG

Sie haben eine spannende interdisziplinäre Karriere und decken als MKG-Chirurg mehrere Bereiche ab. Wie entstand die Leidenschaft für die dentale Implantologie?

Die Passion für das Handwerkliche hatte ich schon als Kind. Schon als kleiner Junge habe ich gern und viel mit meinem Großvater gebastelt. In meiner Ausbildung zum MKG-Chirurgen durfte ich sehr viel in verschiedenen Bereichen der Chirurgie lernen. Angefangen in der allgemeinen Chirurgie, Abdominalchirurgie, der orthopädisch-traumatologischen Unfallchirurgie und der HNO-Chirurgie führte mich mein Weg in die MKG-Chirurgie. Die dentale Implantologie hat ihren Reiz in der funktionellen Wiederherstellung. Hier kommen mehrere Bereiche zusammen: okklusale Rehabilitation, Phonetik und Ästhetik. Wir können heute mit Implantaten, gesteuerter Knochenregeneration und Weichgewebsmanagement Patienten in einer Art helfen, in der wir es früher nicht konnten.

Seit 2017 arbeiten Sie in Berlin-Charlottenburg nach Ihrem ganzheitlichen Konzept – was bedeutet das konkret für Ihre Patientinnen und Patienten?

Unsere Patienten kommen mittlerweile von weltweit her und sind von dem minimalinvasiven Fast-Track-Konzept begeistert. Es bedeutet für uns als Team zunächst einen deutlich höheren Aufwand. Die reduzierten Ausfallzeiten, deutlich weniger Schmerzen und Schwellungen, schnellere Heilung, eine Anhebung des Wohlbefindens und allgemeine Verbesserungen des Gesundheitszustandes unserer Patienten sind aber diese Mühe wert. Wir als Team mussten uns und unsere Abläufe dafür insgesamt umstellen, Medizin und Zahnmedizin komplett neu überdenken und unsere Therapien anpassen.

Dazu gehört im Bedarfsfall auch die Versorgung mit Nahrungsergänzungsmitteln, Infusionstherapien, Stressreduktion und Stimulation des Parasympathikus.

Worauf achten Sie beim Patienten in erster Linie?

Patienten, die zu uns kommen, haben in der Regel eine lange Leidensgeschichte hinter sich. Oft wurden sie mit ihren Beschwerden nicht ernstgenommen, psychisch stigmatisiert und traumatisiert. Wir finden überproportional häufig vielfache Chemikalienunveträglichkeit, die Multiple Chemical Sensitivity, Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto, MS, aber auch Burnout, Fibromyalgie und weitere Erkrankungen, die ungerechtfertigterweise gerne mit einer „Psychokomponente“ versehen werden. Wir versuchen, im Vorfeld eine sehr ausgedehnte Anamnese zu erheben. Hier helfen uns ganz wesentlich Vorbefunde, die von Allgemeinärzten, Orthopäden, Internisten, Dermatologen, Rheumatologen, aber auch Gastroenterologen und Heilpraktikern erhoben wurden. Wir schauen uns genau die spezifischen und unspezifischen Entzündungsmarker wie z. B. LDL, Thioalkohole/Thioether, CRP, HbA1c, RANTES, Thrombozytenanzahl und -funktion sowie viele weitere Marker an. Auch der Hormonstatus, Spurenelemente, Mineralstoffe und Vitamine spielen in der präoperativen Diagnostik eine große Rolle.

Gibt es dafür spezielle Gründe?

Wir haben über die Zeit ganz klar gesehen, dass es eine direkte Korrelation zwischen einem ausbalancierten und suffizient versorgten Organismus und einem guten postoperativen Ergebnis gibt.
Die Langzeit-Follow-ups zeigen bei gut eingestellten Patienten weniger Missempfindungen, weniger Knochenverlust und geringere Entzündungsreaktionen im dentoalveolären Bereich. Auch der weitere Gastrointestinaltrakt zeigt sich positiv beeinflusst. Gastritiden, duodenale Ulzera reduzieren sich messbar, wenn die Entzündungen aus dem oberen Aerodigestivtrakt reduziert wurden.

Wie wirkt sich eine Entzündung im Mund- und Zahnbereich auf den menschlichen Körper aus?

Wie ich eben schon angedeutet habe, wirken sich lokale Entzündungen – egal wo im Körper – immer auch systemisch aus. Wenn wir z. B. ein Panaritium, also einen eingewachsenen Zehnagel mit Eiterbildung haben, werden in diesem Bereich viele verschiedene chemotaktische Botenstoffe gebildet, um Immunzellen zur Abwehr anzulocken. Diese Botenstoffe können wir als Zytokine, Interleukine usw. im Blut feststellen. Weiterhin entwickeln sich nozizeptive Schmerzen, die durch die Gewebereaktion entstehen. Dass diese eine allgemeine Auswirkung auf den gesamten Körper haben können, kann jeder bestätigen, der einmal Ähnliches erlebt hat. Genauso verhält es sich auch im dento-alveolären Bereich. Wir sehen tatsächlich Entzündungsauswirkungen im Kiefer-Zahnbereich im gesamten menschlichen Organismus. Zum einen sehen wir fortgeleitete Entzündungen, z.B. einen avitalen oberen Molar, der über die spirale Granulation zu einer chronischen Sinusitis führt. Diese Sinusitis maxillaris bedingt neben einer Schwellung von Lymphknoten eine vermehrte Sekretbildung. Das Sekret, welches sich insbesondere in der Nacht bildet, wenn der Patient zur Ruhe kommt und schläft, wird nicht mehr heruntergeschluckt. Es wird aspiriert, läuft in die Lunge, in die Bronchien und erzeugt so das sinubronchiale Syndrom, welches dann wieder zu einem chronischen Asthma führen kann. Wir finden aber auch hämatogen weitergeleitete Entzündungen: man denke hier nur an die Endokarditis oder auch idiopathische Gelenkentzündungen in Knie und Hüfte. Es gibt tolle Untersuchungen, die uns gezeigt haben, dass Dickdarmentzündungen ihre Ursache im entzündeten Zahnhalteapparat, also einer Parodontitis, haben können.

Das macht auch logisch Sinn: die Bakterien werden tagtäglich mehrfach heruntergeschluckt und besiedeln im Enddarm ihre neue biologische Nische.

Es gibt klinische Evidenz zu einer besseren Biokompatibilität von Keramikimplantaten,- können Sie das aus Ihrem klinischen Alltag bestätigen ?

Wir haben früher – in meiner Krankenhauszeit – viel und ausschließlich Titanimplantate inseriert. Das hat in vielen Fällen auch gut funktioniert – jedoch kam es immer wieder durch lokale Entzündungsreaktionen zu Periimplantitiden und Implantatverlusten, die wir uns nicht erklären konnten. Wir versuchten, diese Implantate durch Brushing zu retten und machten meist alles nur noch schlimmer. Heute wissen wir, was die Ursache dafür war: Im besten Fall eine manifeste Unverträglichkeit gegen Titandioxid. Um die Entzündungsneigung bei unseren Patienten generell zu reduzieren, haben wir daher unser Therapieregime auf 99,9 Prozent Keramikimplantate umgestellt. Wir sehen bei den von uns präferierten Keramikimplantaten vor der prophetischen Versorgung ein wunderschönes Emergenzprofil und später eine tolle Rot-Weiß-Ästhetik.

Spiegelt sich der Wunsch nach metallfreien Implantaten (Keramikimplantate) eher bei grundsätzlich vulnerablen Patientinnen und Patienten wider?

Wir sehen bei den Patienten, die sich in unserer Praxis vorstellen, eine hohe Vorbildung, was das Thema Gesundheit angeht. So sind Ernährung und Lebensweise bereits auf biologische und natürliche Erfordernisse abgestimmt. Demeter und Co sind eher die Regel als die Ausnahme. So verhält es sich auch mit den Materialien und Stoffen, die in den Körper eingebracht werden sollen. Hier wird auf biologisch verträgliche, entzündungsreduzierte und körpereigene Stoffe geachtet und gezielt nachgefragt. Die Akzeptanz und Nachfrage zeigen sich also auch schon in der Verhinderung von möglichen Erkrankungen. Eine gesunde Lebensführung spiegelt sich nicht nur in der Nahrung, körperlicher Bewegung, erholsamem Schlaf und Achtsamkeit wider, sondern auch in dem, was in den Körper eingebracht werden soll.

In welchen Situationen ausser den immunologisch gerechtfertigten Fällen setzen Sie Keramikimplantate bevorzugt ein?

Wir setzen heute in allen klassischen Indikationen Keramikimplantate ein – von der Schaltlücke bis zur Full-Mouth-Rehabilitation. Ihre Vorteile können Keramikimplantate auch in der Sofortimplantation ausspielen. Patienten schätzen es daneben sehr, wenn sie nur einmal operiert werden müssen. Das reduziert Zeit, Kosten und Schmerzen.

Sie machen bei mit Keramikimplantaten versorgten Patienten regelmässige Follow-ups. Können Sie Ihre Beobachtungen mit uns teilen?

Wir sehen bei guter Pflege phantastische Langzeitergebnisse, kaum Weichgewebe- und Knochenverlust. Teilweise scheint es, dass gerade in der ästhetisch sensiblen Front Keramikimplantate dem natürlichen Zahn überlegen sind. Natürlich gibt es bei Keramikimplantaten auch Verluste, genau wie bei Titanimplantaten. Häufig sehen wir diese direkt am Anfang der Osseointegration oder bei und kurz nach der Freilegung. Leider kommt es aber immer wieder vor, dass Keramikimplantate in Zahnarztpraxen falsch behandelt werden. Da wird mit Metallsonden an den Keramikimplantatschultern manipuliert, mit Dentalbürsten die Gingiva bearbeitet, bis sie verschwindet, und mit Sonden die vermeintliche Taschentiefe so lange gesucht, bis sie gefunden wird.

Was würden Sie Kollegen raten, die bisher noch keine Keramikimplantate verwenden?

Suchen Sie den Austausch mit Kollegen, die sich mit Keramikimplantaten auskennen. Kermikimplantate sind nicht einfach eine Erweiterung des bisher verwendeten Implantatsystems auf einen´weißen Dübel´. Damit wird man langfristig nicht glücklich werden. Kermikimplantate sind das nächste Level der dentalen Implantologie und wie immer brauchen wir alle für einen höheren Level etwas Übung und viel Gefühl. Trauen Sie sich.