pip Fotostory: Dr. Peter Randelzhofer

Implantatgetragene feste Zähne

Eine Versorgung mit einer Vollprothese setzt den vollständigen Verlust aller Zähne voraus. Früher war sie als wichtige aber oft nicht beliebte Versorgungsform bekannt. Auf Implantaten stellt die abnehmbare Brückenversorgung mit gaumenfreier Vollbezahnung eine ästhetisch und funktionell vollwertige Versorgung mit festen Zähnen dar.

Die 60-jährige Patientin kam mit Beschwerden in unsere Praxis, auch gefiel ihr das Aussehen ihrer Zähne nicht mehr (Abb. 1-3). Nach klinischer und röntgenologischer Diagnostik stellte sich heraus, dass die Restbezahnung eine potentiell „leere Kiefersituation“ darstellte, da alle Zähne aufgrund der parodontalen und prothetischen Situation extrahiert werden mussten (Abb. 4).

Aufklärung und Wahl der Versorgung

Nach der Aufklärung und Erläuterung der Behandlungsmöglichkeiten insbesondere im Hinblick auf den schmalen Durchmesser des unteren Kieferkamms, war die Patientin zunächst unsicher. Sie stand einer Versorgung mit einer herausnehmbaren Brücke auf einem implantatgetragenen Gerüst zunächst skeptisch gegenüber, andererseits war die Versorgung mit einer nicht abnehmbaren Brückenversorgung auf Implantaten deutlich kostenintensiver und sicher nicht besser, weder in der Funktion noch in der Optik. Daraufhin wurde vereinbart, dass sie sich zunächst im Rahmen der Interimsversorgung, bei der Form, Funktion und Phonetik mit einer brückengetragenen Versorgung auf Implantaten vertraut machen und später entscheiden kann. In jedem Fall war eine Versorgung mit festen Zähnen wichtig, da der Mundboden derart hoch lag, dass eine reine Prothese wie auch immer nicht haltbar wäre.

Planung und erste chirurgische Phase

Vor dem Hintergrund eines kompromittierten Knochenlagers im Ober- und des schmalen Kieferkammes im Unterkiefer wurden zunächst acht Implantate im Ober- und vier Implantate im Unterkiefer geplant. Ziel war eine gleichmäßige Lastverteilung auf die prothetischen Pfeiler(-implantate) im Knochen. Unser Implantat der Wahl war ein konisch geformtes Implantat mit einem großzügig angelegten Apikalgewinde, welches bei weichem Knochen eine hervorragende Primärstabilität garantiert. Die hybride Schraubenkonusverbindung des Bone Level Implantats (C-Tech) sorgt für zusätzliche Sicherheit gegen eine Lockerung von Abutments, Spaltbildungen oder Mikrobewegungen. Vor Extraktion der Zähne wurden Abformungen genommen, die extraorale Kondylenbahnneigung und die Scharnierachse bestimmt, die Bisslage sowie die Laterotrusionsbewegungen registriert, die Position des Unterkiefers festgelegt und die Modelle im Mittelwertartikulator einartikuliert. Anschließend wurden die Zähne auf dem Gipsmodell radiert. Als Interimszahnersatz wurde eine Vollprothese angefertigt. Diese unterfütterten wir eine Woche nach Extraktion der Zähne weichbleibend und setzen sie ein.

Implantatinsertion

Nach drei Monaten kam die Patientin zur Implantatinsertion in die Praxis (Abb. 5-7). Obwohl die Einheilzeiten der Implantate im Ober- und im Unterkiefer sich mit fünf Monaten im Oberkiefer und drei Monaten im Unterkiefer unterschieden, hatte die Patientin gewünscht, dass der Eingriff am gleichen Tag vorgenommen werden sollte. Die Schnittführung verlief midkrestal mit einer leichten Verlagerung des Schnittes nach palatinal/lingual, um für die spätere Augmentation einen ausreichend großen Lappen bukkal gewinnen zu können (Abb. 8). Im Unterkiefer wurden vier und im Oberkiefer aufgrund des geschwächten Knochenlagers sechs Implantate (Bone Level, C-Tech) (Abb. 9) nach dem chirurgischen Protokoll leicht subkrestal inseriert (Abb. 10, 11), mit Gingivaformern als Deckschraube abgedeckt und die Knochendefizite am Kieferkamm mit a-PRF (Mectron) und Knochenersatzmaterial (The Graft, Regedent) optimiert (Abb. 12). Nach Augmentation deckten wir den Kieferkamm mit einer Membran (Ossix Volumax, Regedent) ab und vernähten die Gewebelappen primär und spannungsfrei über dem Augmentat (Abb. 13). Ebenso verfuhren wir im Unterkiefer. Nach Augmentation, Abdeckung des Transplantats, Fixation mit Naht (Abb. 14-16) wurde eine Röntgenkontrollaufnahme angefertigt (Abb. 17).

Freilegung und Einheilzeit

Nach Ablauf von zwei Monaten wurden die Implantate zunächst im Unterkiefer und drei Monate später im Oberkiefer freigelegt (Abb. 18) und mit Gingivaformern versorgt. Ausreichend fixierte Gingiva rund um die Implantate war notwendig, daher nahmen wir eine Vestibulumplastik vor. Der palatinale Lappen wurde geschlitzt (Abb. 19), mittels Rolllappen ein breites Lager fixierter Gingiva geschaffen und um die Gingivaformer vernäht (Abb. 20). Die Prothesen wurden eine Woche später mit einer weichbleibenden Unterfütterung angepasst. Vier Wochen später, die Nähte waren zwischendurch entfernt worden, wurde der Zugewinn an dreidimensionalem Volumen am Kieferkamm analysiert. Die Knochendefizite im Unter- (Abb. 21, 22) und Oberkiefer (Abb. 23, 24) waren augmentiert, es zeigten sich ausgeglichene Kieferformen mit gesund aussehender, ausreichend breiter Gingiva rund um die Implantate. Die Interimsprothese wurde bis zur Fertigstellung der definitiven Versorgung erneut weichbleibend unterfüttert (Abb. 25). Die Patientin hatte sich inzwischen mit der implantatgetragen Brücke derartig angefreundet, dass sie bei der herausnehmbaren Version bleiben wollte. Die Anfertigung und Eingliederung der prothetischen Versorgung folgt in der ersten pip des Jahres 2021.

Chirurgie und Prothetik: Dr. Peter Randelzhofer

Chirurgie und Prothetik: Dr. Peter Randelzhofer