Frau Dr. Z. aus Frankfurt

Sehr geehrte pip-Redaktion,

ich habe in der Vergangenheit des öfteren und erfolgreich eine spezielle Hyaluronsäure eingesetzt, um z. B. bei Weichgewebsdefiziten nach der Implantation die interdentale Papille zu verbessern und damit auch das beim Patienten gefürchtete schwarze Dreieck zu vermeiden. Als ich das kürzlich auf einer Fortbildung erzählte, wurde ich von einem anwesenden Parodontologen fast gesteinigt. Zu Recht, oder war das nur ein ganz besonderer Purist ?

pip antwortet

Liebe Frau Dr. Z.,

da scheiden sich tatsächlich die Geister. Wichtig ist sicher, dass die zur extraoralen Faltenunterspritzung zugelassene Hyaluronsäure nicht für die intraorale Verwendung geeignet ist. Um analgetisch und antiphlogistisch zu wirken, muss das Molekulargewicht eine gewisse Höhe haben – ein geringeres Molekulargewicht würde eine Entzündung sogar „anschieben“.

Viele Anwender beobachten beim Einsatz einer spezifischen, für die intraorale Anwendung geeigneten Hyaluronsäure wiederum nicht nur eine Verbesserung der ästhetischen Gewebe, sondern auch eine entzündungshemmende und regenerative Wirkung und berichten auch von einer Reduzierung der Narbenbildung oder einer Beschleunigung des Blutgefäßanschlusses [Bertl et.al., Hyaluronan in non-surgical and surgical periodontal therapy: a systematik review]. Hyaluronsäure wird daher nicht nur in der Implantat- sondern auch in der Parodontalchirurgie eingesetzt, sowohl als Membran-Alternative als auch, wie von Ihnen,  zum Papillenaufbau mittels Injektion.

Die Berichte und auch Studien sind allerdings sehr heterogen, insofern scheiden sich die Lager von begeisterten Anwendern  zu kompletten Verächtern.  Vielleicht wollte Ihr Kollege ausdrücken, dass er es nicht als gutes Konzept sieht, erst beim etablierten Gewebsmanagement zu schlampen, um Defizite hernach mittels Hyaluronsäure zu „pimpen“. Wir sind gespannt auf die Diskussion.

Schöne Grüße Ihr pip-Redaktionsteam

 

Bild: Pixabay