Herr Dr. K. aus Hamburg

Liebe pip-Redaktion, unsere Praxis liegt in einem gewissen Brennpunkt, sehr viele unsere Patienten sind bekanntermaßen mit HIV oder Hepatitis B oder C infiziert, wobei wir von einer mindestens ebenso hohen Dunkelziffer ausgehen. Sollten wir besondere Vorsichtsmaßnahmen treffen und eventuell sogar Sondersprechstunden für unsere infizierten Patienten einrichten, und hier für ein besonderes Umfeld sorgen ? Und was sind geeignete Notfallmaßnahmen, falls doch einmal etwas passiert ?
Dr. K.

pip antwortet

Lieber Herr Dr. K.,

sowohl aus Datenschutzgründen als auch um einer allgemeinen Stigmatisierung dieser Patienten vorzubeugen raten wir von Sondersprechstunden ab. Sinnvoll wiederum ist sicherlich die Hepatitis-Impfung für das gesamte Praxisteam, die gezielte und wiederholte Anamnese und eine besonders unfallsichere Handhabung und Entsorgung von Gegenständen, bei denen Sie oder Ihr Team sich Verletzungen zuziehen könnten. Darüber hinaus sollten die Routine-Hygienemaßnahmen umso penibler abgearbeitet und die Abläufe immer wieder geprüft werden, von der Oberflächendesinfektion über eine bevorzugt maschinelle Instrumentenaufbereitung bis zur unfallsicheren Entsorgung der Praxisabfälle.

Die sorgfältige Dokumentation aller Maßnahmen sollte unter diesen Umständen umso selbstverständlicher sein. Sollte es trotz aller Vorkehrungen zu einer Stich-oder Schnittverletzung kommen: Blutfluss nicht unterdrücken und die Stelle mit Hand-Desinfektionsmittel regelrecht überschwemmen. Sie sollten auch immer eine Augenspülflasche mit einem geeigneten Augendesinfektionsmittel in Reichweite haben, falls etwas im Sinne des Wortes ins Auge geht. Danach muss sofort der Betriebsarzt aufgesucht werden, damit die nötigen Blutuntersuchungen vorgenommen und ggfs. eine medikamentöse Therapie eingeleitet werden kann.

Alles Gute, und schön, dass Sie und Ihr Team auch für diese Patienten die Stellung halten,
Ihr pip -Redaktionsteam