Herr D. aus Bad Liebenwerda fragt:
Sehr geehrte Damen und Herren,
früher war Bruxismus ein klares Ausschlusskriterium für eine implantologische Behandlung, nun lese ich immer häufiger, dass man unter gewissen Voraussetzungen auch solche Patienten behandeln kann. Gibt es schon ausreichend wissenschaftliche Evidenz und eventuell sogar Leitlinien, was zu beachten ist und unter welchen Voraussetzungen auch solche Fälle vorhersagbar gut implantologisch versorgbar sind? Danke für Ihre Information und freundliche Grüße
pip antwortet:
Sehr geehrter Herr D.,
Bruxismus ist ungebrochen ein hoher Riskofaktor für Implantatverluste und -brüche, aber auch Abutment- und Schraubenlockerungen oder -brüche, und natürlich auch grundsätzlich für eine Überlastung der Prothetik und spannungsbedingte Missbefindlichkeiten des Patienten im Gelenk-und Kopfbereich. Im Aufklärungsgespräch sollte darauf hingewiesen und der Umstand dokumentiert werden.
Als Faustregeln dürfen heute gelten: Achten Sie auf einen ausreichend großen Implantatdurchmesser, durchweg > 3,5 mm im Seitenzahnbereich. Früh-und Sofortbelastungen sollten grundsätzlich ebenso vermieden werden wie mehrspannige Brückenversorgungen, Extensions- oder Verbundbrücken. Alle heute erhältlichen Kronenmaterialien unterliegen naturgemäß einem erhöhten Risiko; Keramik sollte bestmöglich monolithisch verwendet werden. Kronenverblockungen schützen vor Überlastung und vor Abutment- oder Schraubenlockerungen oder -brüchen.
Nach der prothetischen Versorgung sollte eine Schutzschiene angefertigt und der Patient tagsüber zur Selbstbeobachung angehalten werden. Beobachtet der Patient zunehmenden Bruxismus unter Stressbedingungen, sind sicherlich auch die Einübung von Entspannungstechniken (Autogenes Training, Muskelentspannung nach Jacobsen…) hilfreich.
Beste Grüße und viel Erfolg, Ihre pip-Redaktion
