Dr. C. aus Köln fragt
Hallo, pip-Redaktion, ich bin implantologisch mit der berühmten „Tarnow-Regel“ groß geworden, nach der zur Stabilisierung des periimplantären Knochenniveaus ein Mindestabstand von 3 mm zwischen zwei Implantaten notwendig sei. Nun erzählte mir ein Kollege, dass Prof. Tarnow sich inzwischen selber von dieser Regel verabschiedet habe, weil neue Implantatdesigns und Protokolle sogar Abstände von nur noch 1 mm zuließen. Ist das wissenschaftlich und klinisch evident? Danke für Ihre Meinung und schöne Grüße
pip antwortet
Lieber Herr Dr. C.,
tatsächlich gibt es bereits aus 2020 eine klinische Untersuchung von Rivara et al., die einen Mindestabstand von 2 mm bestätigte, und eine aktuelle kombinierte Fallstudie mit Literaturübersicht von Morales Schwarz et al. im International Journal of Implant Dentistry ergibt, offenbar sogar zur Überraschung der Forschenden selbst, einen Mindestabstand von 1 mm. Allerdings weisen die Autorinnen und Autoren selber darauf hin, dass das Ergebnis offenbar durch die besondere Kombination aus interner konischer Implantatverbindung, Platform Switch, einer konkaven Abutmentausformung und subkrestaler Platzierung zurückzuführen war.
Wir können uns also insofern von der Tarnow -Regel verabschieden, als nicht mehr ein absoluter Abstand zu gelten scheint, sondern der zu erzielende Mindestabstand durch die Implantatgeometrie und das -design, das Abutmentdesign, und natürlich grundsätzlich das biologische Umfeld und die chirurgische und prothetische Umsetzung die periimplantäre Knochenstabilität mitbestimmt wird. Nun sind dies aber gleich mehrere korrelierende Faktoren, und daher wird es noch einige Studienarbeit benötigen, um daraus eine neue „Faustregel“ zu bestimmen. Die dogmatischen 3 mm gelten aber tatsächlich nicht mehr.
Schöne Grüße an den Rhein,
Ihre pip Redaktion
