Das schonende GalvoSurge Reinigungssystem erlaubt die weltweit erste wirksame Bekämpfung des Biofilms auf Implantaten, ohne die Oberfläche zu manipulieren. Forchheimer Implantologe entwickelt wirksames Verfahren zur Entfernung von bakteriellen Kontaminationen auf Titan-Implantaten.

Bakterielle Biofilme sind eine Hauptursache für Periimplantitis und den frühzeitigen Verlust von Zahnimplantaten. Je nach Definition betrifft Periimplantitis 2 bis 22 Prozent der gesetzten Implantate. PD Dr. Dr. Markus Schlee, Forchheim, hat gemeinsam mit Dr. Florian Rathe, Forchheim, Dr. Urs Brodbeck, Zürich, und einer Forschergruppe das schonende GalvoSurge-Reinigungssystem entwickelt, das die weltweit erste wirksame Bekämpfung des Biofilms auf Implantaten erlaubt, ohne die Oberfläche zu manipulieren.

Um Periimplantitis erfolgreich zu behandeln, muss der Biofilm von Implantatoberflächen restlos entfernt werden. Nur so vermeidet man eine erneute Entzündungsreaktion. Das ist aber bei den bisherigen Verfahren nicht der Fall: Selbst wenn sich der Knochen erneut bildet, verbindet er sich nicht wieder mit dem Implantat. Es kommt zu einer Taschenbildung zwischen Knochen und Implantat, die sich wieder infiziert. GalvoSurge dagegen schafft Implantatoberflächen, an die sich Knochen und Weichgewebe wieder anlagern können. Denn das elektrolytische Verfahren wirkt im Gegensatz zu den ablativen Methoden unter dem Biofilm direkt auf der Titanoberfläche – von innen nach außen. So ermöglicht der Einsatz von GalvoSurge eine Reosseointegration. Hat sich erneut Knochen an der Implantatoberfläche gebildet, können sich dort keine Bakterien mehr anlagern. Geeignete Prophylaxemethoden können eine erneute Bakterienbesiedelung des Sulcus verhindern. Dies zeigen auch Studien: Bei In-Vitro-Untersuchungen an Probekörpern und explantierten Implantaten konnten keinerlei Bakterien, Kohlenwasserstoffe oder Biofilm nachgewiesen werden. Das CE-reife Verfahren basiert auf einer Erfindung von Dipl.-Ing. Holger Zipprich. Durch die Kooperation mit Nobel Biocare hält GalvoSurge nun Einzug in Kliniken und Praxen. Das Verfahren lässt sich unabhängig von Design, Oberflächenbeschaffenheit und Legierung bei Titan-Implantaten aller Hersteller anwenden.

GalvoSurge ist einfach und effektiv in der Praxis: Reinigung in nur zwei Minuten

Das GalvoSurge-System lässt sich einfach in die zahnärztliche Praxis integrieren. Es besteht aus einer Kontrolleinheit, einem Schlauchsystem mit einem Implantatkonnektor, einer Reinigungsflüssigkeit und einem aufsteckbaren Einwegschwämmchen. Die Reinigung dauert pro Implantat nur zwei Minuten. Zudem wird eine hydrophile Oberfläche erzeugt, welche die Osseointegration des Implantats fördert. GalvoSurge verändert die Implantatoberflächen nicht, ist atraumatisch und lässt sich bei allen Implantatpatienten anwenden. Der chirurgische Teil setzt Erfahrung im Umgang mit Augmentationstechniken und ­materialien sowie dem Legen von Membranen voraus. „GalvoSurge  ist effektiv, deshalb ist die Beherrschung dieser chirurgischen Techniken der entscheidende Faktor, der zum Erfolg der Periimplantitistherapie mit GalvoSurge führen kann“, so Schlee.

Kompetenzzentrum Forchheim: Hilfe für komplexe Fälle

Zahnärzte können komplexe Fälle in das Forchheimer Kompetenzzentrum von PD Dr. Dr. Markus Schlee und Dr. Florian Rathe überweisen. Schlee hat in vielen wissenschaftlichen Schritten das GalvoSurge-Verfahren mitentwickelt und erprobt und ist Experte in der Anwendung der neuen Therapieoption für Periimplantitis. Er hat weltweit die meisten Fälle mit der Methode behandelt. Er und Dr. Florian Rathe forschen seit Jahren zur Verbesserung der Periimplantitistherapie. Gemeinsam bieten die Experten zahlreiche implantologische, chirurgische und parodontologische Leistungen an: plastische Parodontaltherapie, Anwendung mikrochirurgischer Methoden oder Periimplantitistherapie mit GalvoSurge. Aktuell befasst sich die Arbeitsgruppe mit der Entwicklung leitfähiger Keramiken für Keramik-Implantate. Zudem birgt der Einsatz von GalvoSurge ein großes Potenzial für die Zukunft, denn er eignet sich neben dem Einsatz an Zahnimplantaten auch für die effiziente Bekämpfung bakterieller Biofilme in vielen weiteren Gebieten aus Medizin und Industrie.