Auf Einladung der Geistlich Biomaterials fanden sich Anfang März 2020 im angestammten Veranstaltungsort Baden-Baden eine Riege ausgewählter Referenten und nicht minder meinungsbildender Teilnehmer zu einem Fortbildungsereignis ein, das mit „Reparatur-Chirurgie“ einen bewusst provokant gewählten Titel trug.

Bild: Geballte Experten-Kompetenz (v.li.) Andreas Nowak, Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas, Prof. Dr. Michael Stimmelmayr, Dr. Dr. Jörg Neunzehn, Prof. Dr. Moritz Kebschull, Dr. Florian Rathe, Dr. Thomas Braun, Prof. Dr. Dr. Hendrik Terheyden, Dr. Dr. Markus Tröltzsch, Dr. Jürgen Gallas.

Dem Hauptkongress vorgeschaltet war ein Expertenmeeting zum aktuell viel diskutierten Thema des Einsatzes von Blutkonzentraten. „Wir machen hier keine Verkaufsveranstaltung für die x-te Zentrifuge“, erklärte Geistlich-Geschäftsführer Dr. Thomas Braun. „Was uns interessiert, ist der Wirkmechanismus und das Potenzial zur Biologisierung regenerativer Materialien durch PRF.“ Prof. Dr. Michael Schmitt vom Institut für Zelluläre Immuntherapie der Universität Heidelberg zerlegte in seinem Grundlagenvortrag das Blut in seine einzelnen Bestandteile und stellte Anituas PRGF- und Choukrouns PRF-Methode zur Gewinnung von Plasmakonzentraten vor. Entgegen anderslautenden Gerüchten unterliegen die Techniken weder dem Medizinprodukte- noch dem Transfusionsgesetz, sie seien nur gemäß § 67 AMG der zuständigen Landesbehörde anzuzeigen.
Geistlich-Geschäftsführer Dr. Thomas Braun und Tagungspräsident Prof. Dr. Dr. Hendrik Terheyden

Biologisierung von Materialien 

Prof. Dr. mult. Shahram Ghanaati von der Universität Frankfurt hat sich der Aufgabe verschrieben, die heterogene Datenlage zum Thema PRF auf wissenschaftlich belastbare Füße zu stellen. Er sieht das plättchenreiche Fibrin als „intelligentes Biomaterial“ definitiv als Beitrag zur Verbesserung der Wundheilung und zur Biologisierung diverser Materialien. „Das ideale Augmentationsmaterial ergibt sich aber erst aus der genauen Indikation!“ 90 Prozent der verfügbaren Biomaterialien induzierten eine Fremdkörperreaktion. Der langjährigen und intensiven Forschung von Geistlich Biomaterials sei es zu verdanken, dass eine solche Reaktion beispielsweise bei der Bio-Gide-Membran und beim Bio-Oss ausbleibe. Ziel sei nun eine systematische Einordnung der verschiedenen Materialien nach Indikationsklassen und die ebenso systematische Untersuchung, welche Wirkung sie für sich alleinstehend oder in Verbindung mit Plasmakonzentraten entfalten. Die anschließende intensive Diskussion zeigte die für einen Geistlich-Kongress charakteristische hohe Expertise der anwesenden Teilnehmer.

Baden-Baden rückte im März 2020 wieder in den Fokus der implantologischen Experten.

Klare Ansage

Der Begriff „Reparatur-Chirurgie“, unter dem der Hauptkongress stand, war eine neue und klare Ansage. Prof. Dr. Dr. Hendrik Terheyden, Kassel, kündigte mit Prof. Dr. Michael Stimmelmayr aus Cham das Thema „Weichgewebige Strategien zur Vermeidung von Periimplantitis“ an. Mit adäquaten Weichgewebetechniken könne man das Periimplantitisrisiko reduzieren. Neben stabilen Weichgeweben spielen auch biologische Faktoren, die Hartgewebesituation und die Implantatposition eine wichtige Rolle. Weitestgehend atraumatische gewebeerhaltende Extraktions- und Socket-Seal-Techniken, autologe Transplantate, diverse Augmentationstechniken auch unter Einsatz von Bio-Oss, Kollagenmembranen oder der Fibro-Gide zur Gingivastabilisierung – Prof. Stimmelmayr zeigte das gesamte Arsenal seines klinischen Alltags. Reparatur-Chirurgie bei nicht erhaltungswürdigen Implantaten war Thema bei Dr. Dr. Markus Tröltzsch aus Ansbach. Der Weichgewebe-Boost durch PRF gehört inzwischen besonders bei Re-Augmenationen zum Standard-Instrumentarium der Praxis. Dr. Tröltzsch zeigte diverse erfolgreiche Techniken für eine erfolgreiche Rehabilitation bei nicht abwendbaren Implantatverlusten. „Unterschätzen Sie nicht den Risikofaktor der Volkskrankheit Diabetes“, riet Dr. Tröltzsch, bei jedem Patienten den HbA1c-Wert abzufragen.

Die gute Themenwahl lockte viele Besucher.
Innerhalb der Strategien zu einer erfolgreichen Re-Osseointegration nach Periimplantitis demonstrierte Dr. Florian Rathe aus Forcheim mit dem neuen GalvoSurge den „game changer“ zur erfolgreichen galvoelektrischen Entfernung des Biofilms von Implantatoberflächen. Nützlich erweise sich auch die damit mögliche Decarbonisierung gealterter Implantate zur Wiederherstellung der für eine gute Osseointegration wichtigen Hydrophilität. Dr. Rathe zeigte auch den Einsatz der neuen Schirmschrauben von Geistlich Biomaterials bei Umbrella- und Tentpole-Augmentationstechniken. Im nachmittäglichen „Hochschulblock“ geriet der Vortrag von Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas aus Mainz zu einer Art „MKG Update light“, mit jüngster Literatur zu einem breiten Themen- spektrum, von wissenschaftlich evidenten Risikofaktoren für eine Implantation beziehungsweise Augmentation bis zum Einsatz innovativer Materialien und Techniken. Prof. Dr. Moritz Kebschull aus Birmingham lieferte die Literaturübersicht zu den weichgewebigen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Implantation und schloss damit den Kreis zum ersten Referenten, Prof. Stimmelmayr, und dessen klinischen Präsentationen.
Hohe Expertise bei Referenten und Teilnehmern sorgt für angeregte Diskussionen.
Mit dem Mentimeter führte Geistlich ein neues interaktives Kongress-Tool der anonymisierten Meinungsumfrage ein, was zum einen gute Vergleichsmöglichkeiten zum Stand in der eigenen Praxis erlaubte, aber auch gute Hinweise auf potenziell attraktive Themen für künftige Veranstaltungen gab – man sieht sich im März 2021 am Osteology-Kongress in Baden-Baden!

Safe the date

Osteology Symposium 2021 | 19.-20. März 2021 | Baden-Baden