Dr. Blum & Partner im rheinland-pfälzischen Bad Ems stehen seit 35 Jahren für das gesamte Spektrum der modernen Zahnchirurgie und Zahnheilkunde, mit besonderem Augenmerk auf einer minimalinvasiven Implantologie. Zu den modernen Behandlungs- und Diagnostikmethoden der Praxis zählt auch die Ermittlung des Implantatstabilitätsquotienten (ISQ).
 pip sprach mit Oralchirurgen Dr. Christoph Blum.

pip: Wie sind Sie mit dem Osstell-ISQ erstmalig in Berührung gekommen?

Christoph Blum: Nach meinem Studium bin ich ziemlich schnell ins kalte Wasser geworfen worden – drei Monate nach meinem Examen habe ich in der oralchirurgischen Praxis meines Vaters mein erstes Implantat gesetzt. Ehrlich gesagt interessierte mich irgendwann, ob der Osstell-Pfosten tatsächlich, wie vom Hersteller angegeben, nur einmal verwendet werden könnte. So habe ich
 mir eine kleine Versuchsreihe mit 
Holzklötzchen analog der vier Knochenklassen erstellt. Tatsächlich
 sollte man den Pfosten nur einmalig verwenden. Was ich aber noch
 interessanter fand, war, dass in
 dem D4-analogen Klötzchen das
 Implantat nach wiederholtem Messen instabiler wurde. Was auch einleuchtet. Aus diesem Grunde messe 
ich den ISQ-Wert heute kaum intraoperativ oder in der chirurgischen
Phase, immer aber bei der Freilegung, d. h. vor der prothetischen 
Phase.

pip: Interessiert Sie dabei vor allem, wie Sie Ihre Sofortbelastungsprotokolle beschleunigen könnten?

Christoph Blum: Klares Nein – ich bin ein
 Verfechter des zweizeitigen Vorgehens, da ich tief und fest überzeugt 
bin, dass wir die Biologie nur bis zu
 einer gewissen Grenze herausfordern dürfen. Der Knochen, vor allem
 aber auch das Weichgewebe und der ganze komplexe umgebenden Zahn, bzw. dann eben Implantat-Halteapparat, brauchen einfach eine gewisse vorgegebene Zeit für die Regeneration und die langzeitstabile Ausformung. Was nicht heißt, dass wir keine provisorischen Sofortversorgungen machen und diese auch, so geeignet, durchaus in die Okklusion setzen. Aber wir geben dem Gewebe ausreichend Zeit für die Heilung.

pip: Wo liegt dann für Sie ein Vorteil in der ISQ-Messung?

Christoph Blum: Einen D1-Knochen bemerke ich auch so, bei einem D4 würde ich mit dauernden Mess-Manipulationen die Stabilität – wie meine Holzklötzchen-Versuchsreihe ergab – offensichtlich eher gefährden. Also lasse ich das hier auch. Aber bei jener klassischen Situation im Seitenzahnbereich, bei der ich normalerweise nach drei Monaten belasten könnte, mir aber nicht ganz sicher bin, brauche ich zusätzliche Hinweise. Genau hier gibt uns der ISQ-Wert eine ganz wesentliche Information, um entweder beherzt die Prothetik anzugehen oder die endgültige Versorgung und Belastung doch noch um weitere vier Wochen zu verzögern. Wir haben sehr oft erlebt, dass es dann diese nur vier Wochen sind, die den entscheidenden Unterschied machen. In der Regel stellt dieser Monat für den Patienten keine große zusätzliche Problematik dar.

Ich bin ein erklärter Freund davon, mich zugunsten der besten Lösungen für unsere Patienten mit anderen Experten zu vernetzen, also arbeiten wir sehr viel mit Überweisern zusammen. Hier ist der ISQ-Wert, der auch per Fotodokumentation an unsere Zuweiser kommuniziert und in der Patientendatei hinterlegt wird, auch forensisch sehr wertvoll. Wir haben außerdem erlebt, dass dieser neutrale und auch für den Patienten sichtbare Wert es auch diesem gegenüber einfacher und transparenter macht, unsere Entscheidung für ein weiteres Zuwarten zu begründen. Beim Patienten kommt es sogar sehr gut an, welche Mühe wir uns machen, damit seine Versorgung wirklich sicher ist und bleibt.

pip: Also der neutrale ISQ-Wert als wichtiges Detail innerhalb einer Teamarbeit?

Christoph Blum: Bei uns ist schon lange Tradition, dass etwa auch die Farbnahme des Patienten von unserem Techniker vorgenommen wird und nicht von mir. So wie ich das verfolge, hat sich dieser Teamansatz noch längst nicht bei allzu vielen Kollegen durchgesetzt. Wir sind aber überzeugt davon, dass nur im Zusammenspiel der Spezialisten die für den Patienten wirklich beste Lösung erzielt werden kann. Ebenso wie ich in meinem Bereich meine Vorzüge, Kenntnisse und Erfahrungen habe, respektiere ich das auch bei meinem Zahntechniker für dessen Bereich, bei anderen Kollegen für die Endodontie oder die Kieferorthopädie. Zahnmedizin ist heute zu komplex, um von einem Generalisten mit der erforderlichen Exzellenz in allen Bereichen bespielt zu werden. Unsere Philosophie ist ganz klar: Wir sind ein Team von Spezialisten, und die Messung des ISQ-Wertes mit einem Osstell liefert in diesem Zusammenspiel eine gute und objektive Information.

pip: Herzlichen Dank für dieses Gespräch, Herr Dr. Blum.