Meist werden Restaurationen nach dem Konzept „All-on-Four“  oder nach dem „SmartFix-Konzept“ bei betagteren Patienten vorgenommen.  Bei dem im Interview thematisierten Fall stellt sich in der Praxis Dr. Frentz & Kollegen bei Dr. Fabienne Oberhansl aber eine 33-jährige Patientin nach vergeblichen diversen vorangegangenen Konsultationen vor. Eine Fallstudie (Link) schildert die dramatischen, Lebensweichen stellenden Veränderungen für die junge Patientin – pip sprach dazu mit Dr. Fabienne Oberhansl.

pip: Wie stellte sich die vergleichsweise junge Patientin bei Ihnen vor?

Fabienne Oberhansl: Die Patientin hatte in ihren jungen Jahren bereits einiges durchgemacht, war nach jahrelangem Drogenabusus und Leben in den prekärsten Verhältnissen seit fünf Jahren drogenfrei und mit guter Prognose ausgestattet. Doch sie war geplagt von einer sich ständig dezementierenden und dauerschmerzenden Teleskoprestauration mit hohen funktionalen und ästhetischen Begleiterscheinungen. Ihre Oberkieferfront hatte sich wegen des abgesenkten Bisses weit aufgefächert. Die Patientin litt unter ihrem – wie sie selber es nannte – „Hexenkinn“, was sie weitaus älter erscheinen ließ.

pip: Warum entschieden Sie sich gegen einen Knochenaufbau und eine spätere Implantation?

Fabienne Oberhansl: Natürlich gibt es in solchen Fällen auch gewisse finanzielle Limitationen. In diesem Fall jedoch war es der enorme Leidensdruck der Patientin, der uns den Weg vorgab. Die junge Frau befand sich inzwischen in einer stabilen Partnerschaft und wollte gern eine Familie gründen. Das SmartFix-Konzept war in dieser Situation die optimale Lösung. Bei dem Konzept besteht zudem immer noch die Möglichkeit, im hinteren Bereich ggf. zu einem späteren Zeitpunkt weitere Implantate zu implantieren.

pip: Welche Rolle spielten die präimplantologische Diagnostik mittels DVT und die weitere Planung über Simplant?

Fabienne Oberhansl: Insbesondere bei dieser Patientin lag im 4. Quadranten der Austrittspunkt des N. alveolaris ungewöhnlich weit oben. Ein Eingriff wäre hier nur mit aufwendigem Aufklappen des Kieferkammes möglich gewesen. Insgesamt verfügte die Patientin über ein sehr geringes Knochen-Restangebot. Durch den digital geplanten und geführten Arbeitsprozess konnten wir in die Alveolen implantieren, also minimalst invasiv vorgehen.

Natürlich kostet die Planung des schablonengeführten Vorgehens erst einmal Zeit – 2 Stunden war ich sicherlich damit beschäftigt. Aber so wird sichergestellt, dass intraoperativ keine Überraschungen auf uns zukommen. Zudem sind alle benötigten Komponenten am Behandlungsstuhl vorbereitet. Die OP- und auch Anästhesie-Dauer ist für den Patienten deutlich reduziert und angenehmer.

Zudem liegen bei mit dem beschriebenen Vorgehen mit dem Mock-up bzw. Set-up nah an der finalen Situation, obwohl wir eine Bisserhöhung von fast 1 cm vorgenommen haben. Der Zahntechniker kann das Provisorium weitgehend vorbereiten, sodass nach der späteren Bissregistrierung eine schnelle Eingliederung erfolgt.

Zwischen der Implantatinsertion und der endgültigen Versorgung lagen etwa acht Monate, da wir den 2. Quadranten mit einem externen Sinuslift aufgebaut hatten. In dieser Zeit kam die Patientin mit der temporären Versorgung außerordentlich gut klar. Dies gab uns eine hohe Sicherheit, trotz der veränderten Bisslage mit der finalen Restauration erfolgreich zu sein.

pip: Wo sehen Sie die besonderen Vorteile der abgeschrägten EV-Profile-Implantate bei diesem Konzept?

Fabienne Oberhansl: Ehrlich gesagt beobachte ich bei den konventionellen All-on-Four-Versorgungen oft tiefe Taschenbildungen. Dies geht einher mit Geruchsbildung und bakteriellen Besiedlungen, die zu einem deutlichen Knochenrückgang und damit einer dauernden Problemkette führen. Durch die abgeschrägte Form des Astra-Tech EV bin ich mesial und distal knochenbündig. Dank des Konus erfolgt erwiesenermaßen ein geringes Knochenremodeling. Damit ist die Prognose langfristig günstiger. Auch die Tatsache, dass die Implantate nicht zu tief gesetzt werden müssen, sehe ich bei einem stark reduzierten Knochenangebot als Vorteil und: Für den Patienten ist diese Art der Restauration deutlich einfacher zu pflegen.

pip: Gutes Stichwort – verwandelt sich mit einer solchen Versorgung eine Patientin, die ihre Mundhygiene lange Zeit vernachlässigt hat, auf einmal in einen Mundhygiene-Aficionado oder wie sichern Sie den Langzeiterfolg?

Fabienne Oberhansl: Wir sehen die Patientin aktuell im Abstand von drei Monaten und werden dies sicherlich bald auf sechs Monate ausweiten können. Tatsächlich verfügte genau diese Patientin bereits vor dem Eingriff über eine sehr gute Mundhygiene – weshalb einleuchten wird, dass ihr Leidensdruck bei der schwer kompromittierten Ausgangssituation umso höher war. Angefangen von Problemen beim Sprechen wegen ihres Mundgeruchs über Lächeln mit vorgehaltener Hand etc. – und nun sehen Sie sich an, wie strahlend sie zu uns in die Praxis kommt!

pip: Ein herzliches Danke für Ihre Zeit und dieses Gespräch.