Die Sofortimplantation im Frontzahnbereich stellt für viele Behandler nach wie vor
eine Herausforderung dar. Zwar erscheinen hohe Überlebensraten von 97 % vielversprechend, das Risiko postoperativer Komplikationen wird jedoch oft unterschätzt. Chen et al. konnten nachweisen, dass es bei einem Drittel aller Patienten zu einer Resorption des periimplantären Knochens und zu einer Rezessionsbildung kommt. Die meist bukkal auftretenden Defekte führen zu einer stark kompromittierten Ästhetik und lassen sich nur schwer und ohne vorhersagbares Ergebnis korrigieren. Der Fokus moderner Behandlungsprotokolle liegt folglich auf dem Erhalt und der Stabilisierung der periimplantären Hart- und Weichgewebe.

Klinische Anamnese und Befunde

Ein 48-jähriger Patient war aufgrund einer akuten Frontzahnproblematik in unsere Praxis überwiesen worden. Der Zahn 11 wies seit einiger Zeit eine erhöhte Beweglichkeit und Aufbissempfindlichkeit auf. Die Symptome hatten sich in den letzten Wochen sukzessiv verstärkt und schränkten den professionellen Musiker nun in seiner beruflichen Tätigkeit stark ein.

Die Allgemeinanamnese des Patienten war unauffällig. Klinisch zeigte sich eine insuffiziente metallkeramische Restauration des Zahnes 11. Die Krone war im Halsbereich additiv mit Komposit versorgt worden und imponierte durch eine leicht protrudierte Stellung im Zahnbogen. Palatinal stellte sich eine ausgeprägte lokalisierte Abrasion der Verblendkeramik dar, sodass Anteile des Metallgerüsts sichtbar waren

Funktionell konnte ein erhöhter Lockerungsgrad (II) und ein palatinaler Frühkontakt diagnostiziert werden. Die parodontalen Sondierungstiefen waren unauffällig. Die Analyse der Weichgewebsstruktur ließ auf einen dünnen Gingivatyp schließen. An Zahn 21 war außerdem eine lokalisierte Rezession und an Zahn 11 (mesial und distal) ein partieller Papillenverlust erkennbar.