Nachdem das österreichische Familienunternehmen W & H bereits im Herbst 2016 den Vertrieb für Deutschland und Österreich übernommen hatte, gab es nun nur konsequent die 100%ige Übernahme des schwedischen Medizintechnikunternehmens Osstell bekannt. Damit sichert sich das auch mit seinemimplantologischen und chirurgischen Programm auf stetem Wachstumskurs befindliche Unternehmen W & H die patentierte ISQ-Technologie zur Implantatstabilitätsmessung und Osseointegrationsüberwachung. In Zeiten zunehmender Sofortbelastungs- und Sofortversorgungsprotokolle und gestiegener Patientenansprüche bei Versorgungen auch in einst als riskant geltenden Regionen ein – wie Dr. Mario Kirste aus Frankfurt an der Oder im Gespräch mit pip verlangt – unverzichtbares Tool für die tägliche Praxis.

pip: Sollte ich überhaupt implantieren, wenn ich nicht in der Lage bin, ohne technische Hilfe die Primärstabilität meines Implantates zu erkennen …?

Dr. Kirste: Ich bin seit 28 Jahren implantologisch tätig, Sie dürfen also beruhigt sein, es nicht mit einem Anfänger zu tun zu haben. Ich denke noch manchmal an die ersten aufwendigen Planungen zurück – mit Sägeschnittmodellen, um die Knochenbreite zu vermessen. Weniger gern denke ich an die Momente der Unerfahrenheit und Unsicherheit, ob dieses oder jenes Implantat, welches mal gerade so eben eine Primärstabilität hatte, einheilen würde. Ich will es vorweg nehmen, es hat oft genug funktioniert. Andere Implantate wiederum, die man in ausreichend gute Knochenverhältnisse gesetzt zu haben glaubte, wurden vom Zuweiser bereits bei der prothetischen Abformung wieder exkorporiert. Dumm gelaufen oder hätte man es prüfen sollen oder können? Heute haben wir 3D-Diagnostik und können schon im Vorfeld ganz andere Aussagen über das Implantatlager treffen. Eine reproduzierbare Aussage zur Knochenqualität oder Knochenfestigkeit fehlt aber nach wie vor.

pip: Wir haben doch ausreichend Faustregeln und Leitlinien?

Dr. Kirste: Es liegt immer noch an der individuellen Erfahrung des Implantologen, über welche Knochenqualität im aktuellen Patientenfall geredet wird. Auch eine Empfehlung zu den Einheilzeiten ist meist pauschal und wie man es halt so gehört hat vor 20 Jahren: im Oberkiefer fünf bis sechs Monate, im Unterkiefer drei Monate. Es ist aber an der Zeit diese Pauschalempfehlungen zu entzaubern, zumal wir, vor allem unsere Patienten, zunehmend weniger Zeit haben. Was wäre, wenn die sonst empfohlene Einheilung im Oberkiefer nicht sechs Monate, sondern nur zehn Wochen betragen würde? Eine klare Win-Win-Situation, der Patient ist schneller versorgt und zufrieden, der Zuweiser ist rascher fertig. Sechs Monate im Oberkiefer waren gestern. 83 % aller Oberkieferimplantate, sogar mit direktem oder indirekten Sinuslift, haben heute nach acht Wochen eine solche Festigkeit erreicht, dass eine Versorgung beginnen kann. So die Untersuchungen der Universität Bern von Prof. Dr. Dr. Daniel Buser und Kollegen, auch keine Anfänger ihres Fachs.

pip: Wer sagt Ihnen nun, dass das Implantat wirklich fest ist?

Dr. Kirste: Auch diese Sache kann inzwischen entzaubert werden, sodass sie nicht mehr allein mit Intuition oder Erfahrung zu tun haben muss. Und ich muss dem Prothetiker, besonders in der Überweiserpraxis, garantieren können, dass das Implantat fest ist – hier kommt die Nutzung von Osstell zum Ansatz. Eine postoperative Messung zeigt den Grad der Primärstabilität, eine Kontrolle nach acht Wochen ermöglicht meist eine vorgezogene Implantateröffnung und bringt das schöne Ergebnis ans Licht. Und im Falle der durchaus noch zu erwartenden 17 %, in denen noch keine Belastung möglich ist, kann der Wert jede Woche neu überprüft werden, bis eine Freigabe für die prothetische Versorgung gegeben werden kann. In jedem Fall also eine deutliche Verkürzung statt der starren Vorgaben.

pip: Wie hieb- und stichfest sind die Messungen, z. B. auch bei einer rechtlichen Auseinandersetzungen?

Dr. Kirste: Eigentlich ist es völlig verrückt, dass in den doch inzwischen über 15.000 implantologisch und implantatprothetisch tätigen Praxen in Deutschland der reproduzierbare Beweis, dass bei Verlassen der chirurgischen Praxis oder Behandlungsphase das Implantat wirklich fest war, fehlt. Der Klopfschall allein ist kein Beweis, wie auch Studien belegen. Nicht nur aus Verantwortung mir selbst gegenüber oder dem Patienten, umso mehr aber einem überweisenden Kollegen gegenüber will ich nicht mehr mutmaßen, sondern wissen. Auch im Fall einer periimplantären Veränderung kann mittels Osstell eine sichere Aussage über die Erhaltungsmöglichkeit des Implantates getroffen werden. Last but not least nehmen die gerichtlichen Bestrebungen von Patienten tatsächlich leider zu, sichert euch also ab, Kollegen, einen besseren erfolgreichen Behandlungsbeweis gibt es nicht.

 

pip: Herzliches Danke für dieses Gespräch, Herr Dr. Kirste.