Vom 26. bis 28. April und damit rund um den Königstag wurde die niederländische Bevölkerung von Rotterdam mit 1.200 Teilnehmern aus 39 Ländern internationaler. Anlass der Reise war das Oral Reconstruction (OR) Global Symposium, welches den internationalen Teilnehmern hochkarätige Vorträge und Expertensymposien, preisgekrönte Forschungen, dreizehn Workshops und 21 internationale Industrieaussteller im zentral gelegenen Rotterdamer Kongresszentrum de Doelen bot.

Im Vorfeld des Symposiums fand am Donnerstagnachmittag auf der SS Rotterdam die Pressekonferenz statt. Das ehemalige Passagierschiff liegt fest im Rotterdamer Hafen, beim gemeinsamen Rundgang wurde man sich der gelebten Offenheit der Mitglieder der Oral Reconstruction (OR) Foundation, allen voran Dr. Alex Schär und Michèle Schaub Jackson (beide OR Foundation), als auch der Vertreter der Camlog Familie Dr. René Willi (Verwaltungsrat Camlog), Michael Ludwig (Geschäftsführer Camlog Vertriebs GmbH), Markus Stammen (Director CAD/CAM & IT Camlog), Christian Rähle (Director Research & Development Camlog) und Holger Essig (Chief Marketing Officer Camlog) bewusst.

Unabhängigkeit der Wissenschaft und Forschung

Die OR Foundation wurde ursprünglich 2006 als Camlog Foundation der gleichnamigen Firma in Basel (CH) gegründet. Ende 2016 als Oral Reconstruction Foundation unabhängig geworden, unterstützt sie neben ihrem Founding Partner weiterhin tatkräftig die Grundlagenforschung in den für Zahnmediziner, Oralchirurgen und Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen relevanten Fachgebieten, bietet Anreize für die fachliche und wissenschaftliche Weiterbildung in Theorie und Praxis, vergibt international ausgeschriebene Forschungsstipendien und -projekte und fördert als kompetenter Partner die Vernetzung von Praxis und Wissenschaft. Ziel ist die orale Rekonstruktion der Mundhöhle der Patienten.

Programmüberblick

Ein voller Vortragsaal, hier bei Prof. Dr. Mariano Sanz.

Unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Irena Sailer und Dr. Ben Derksen und dem Titel „The Future of the Art of Implant Dentistry“ wurden die sechs großen Themenbereiche Periimplantäres Weichgewebsmanagement, der Digitale Workflow in der Implantologie mit seinen Grenzen und seinem Potential, Behandlungskonzepte vom Zeitpunkt der Implantation bis zur konkreten Anwendung der Implantatsysteme von Camlog, die neuesten Ergebnisse von OR-unterstützten Forschungsprojekten, Möglichkeiten und Grenzen der Keramikimplantate – auch im Vergleich zu Titanimplantaten – und restaurative Konzepte von der Sofortversorgung bis zur langfristig geplanten Versorgung behandelt. Die besten Forschungsarbeiten wurden in der Postersession am Freitagabend vorgestellt und ausgezeichnet. Spannend war die Debatte über teils hochkomplexe Risiko-Patientenfälle, die von Experten unterschiedlicher Länder vorgestellt und nach Diskussion mit einem internationalen Expertenteam aus Hochschule und Praxis aufgelöst wurden.

Internationalität und Vernetzung

Mit zwölf Hands-on-Workshop plus einem theoretischen Workshop in den Sprachen Englisch, Deutsch und Spanisch sowie zwei mit simultaner Übersetzung ins Chinesische hatte jedermann die Möglichkeit Hand anzulegen.

Neben dem typischen frischen familiären Ambiente, welches der OR Foundation und ihrem Hauptsponsor eigen ist, wurden essentielle Parameter für eine gute Veranstaltung perfekt umgesetzt. Grundlage jeder guten Kommunikation ist die Verständigung. Der Internationalität der Teilnehmer angepasst gab es Verständigungshilfen: Die Vorträge der 57 Redner, Moderatoren und Experten aus zwölf verschiedenen Ländern wurden in sechs verschiedene Sprachen übersetzt – mit der Wissenschafts- und ersten Weltsprache Englisch, der zweiten Weltsprache Spanisch auch u. a. in den zukunftsträchtigen Sprachen Japanisch und Chinesisch. Mit 13 Workshops in englischer, spanischer und deutscher Sprache sowie zwei mit simultaner Übersetzung ins Chinesische wurden die praktischen Anleitungen und Fragen leicht gemacht. Italienische, polnische, arabische, spanische, englische und japanische Wortfetzen kursierten in der Halle. Beweis dafür, dass Zahnärzte, Oralchirurgen und Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen sich dort intensiv global und live austauschten. Zusätzliches und mit etlichen Algorithmen in medizinischen als auch zahnmedizinischen Fachdisziplinen vernetzendes digitales Element ist eine neue Plattform der Oral Reconstruction Foundation und der Medical Insights AG mit Namen Insights Dental. Anhand einer Insights-App konnten die Teilnehmer bereits in Rotterdam alle Programmpunkte aufrufen und Fragen zu den Vorträgen an die Referenten stellen. Dabei überwanden die Übersetzungsmöglichkeiten innerhalb der App jede mögliche Kommunikationsbarriere. Im Gespräch mit Alexander Büch, CEO von Medical Insights AG, vor Ort, wurden die verbesserten Möglichkeiten, Anforderungen und Unterschiede zu anderen Vernetzungsmöglichkeiten deutlich, hier werden Benutzer bspw. erst nach der Registrierung als Arzt und Zahnarzt als Influencer aufgenommen. Unter www.insights.md oder den App Stores steht die App gratis zum Download bereit.

Nachfolge gesichert

Der gelebte Generationen„vertrag“ bei den Experten aus Wissenschaft und Praxis überzeugte von der nachhaltigen Denke der Foundation: Mit DDS. Edward Pat Allen, Prof. Dr. Mariano Sanz, Prof. Dr. Anton Sculean, Prof. Dr. Frank Schwarz, Prof. Dr. Irena Sailer, Prof. Jürgen Becker, Prof. Dr. Katja Nelson u. v. m. sind auf dem Symposium die ganz großen Experten und Wissenschaftler von heute versammelt. Nicht, dass dies nicht genügen würde, das Podium gehörte auch manch vielversprechendem jungen Talent, wie man an den jungen Referentinnen aus der Hochschule wie Assist.-Prof. Dr. Hanae Saito, Baltimore, Assist.-Prof. Dr. Pinar Gümüs, Izmir, Dr. Tabea Flügge, Freiburg, sehen konnte – um nur einige zu nennen. Und dies vermehrt weiblich. Im Block Restaurative Zahnheilkunde stellte Frau Prof. Sailer in Rotterdam die Frage, wieso bei den Rednern keine weibliche Vortragende wäre. Diese Frage könnte sich angesichts der Zahlen von weiblichen Zahnmedizin- und Medizinstudentinnen in einigen Jahren erübrigt haben.

Weitsicht mit Dental Public Health-Aspekt

Gutes Ambiente bei Informationsgesprächen mit den 21 Industrieausstellern.

Bevölkerungszahnmedizinische Aspekte einzubeziehen ist bei einer immer älter werdenden Bevölkerung ebenso sinnvoll und zweckmäßig wie Lösungen für Risikogruppen zu suchen. Besonders überzeugend war in diesem Zusammenhang der Vortrag von Dr. Claudio Cacaci, der nach Darstellung der Altersgruppen in der Deutschen Mundgesundheitsstudie DMS V und der Prävalenz der Zahnerkrankungen der jungen und alten Senioren ein implantatprothetisches Konzept vorstellte, welches auch im Alter – mit arthritischen Händen, fehlender Mobilität und eingeschränktem Sehvermögen – Hoffnung auf eine langlebige implantatprothetische Versorgung macht. Mit dieser Strategie wird vorab geplant, die Versorgung von zementiert festsitzend implantatgetragen im jüngeren Seniorenalter später in Richtung herausnehmbar teleskopierend umzugestalten. Nicht nur, dass dieses Konzept im Zusammenhang mit den aktuellen Zuständen in deutschen Pflegeheimen steht – Präventive Zahnheilkunde wie regelmäßige Untersuchungen und Mundgesundheitspflege können die Überlebensdauer von Zähnen und Implantaten und somit auch die damit verbundene Lebensqualität der jungen und alten Alten deutlich verbessern, lautete sein Fazit. Grundlage für eine erfolgreiche Institution sind die Menschen, die in ihr arbeiten und im Herzen mit ihr sind. Nach der Übersicht über die zusammengefassten Projekte und der weltweiten Aufgaben der OR Foundation verabschiedete sich der ausgeschiedene Präsident Prof. Dr. Jürgen Becker am Ende der Veranstaltung im Namen seiner selbst und Prof. Dr. Frank Schwarz aus dem Board der Foundation. Nach seinem emotionalen herzlichen Dank an alle namentlich genannten, helfenden Hände der OR Foundation begrüßte und beglückwünschte er im Board of Directors der OR Foundation den neuen Präsident Prof. Dr. Dr. Dr. Robert Sader und den Schweizer Anwalt Oscar Battegay sowie Prof. Dr. Irena Sailer als neues Mitglied im Scientific Board zu ihrer wunderschönen Aufgabe.

Save the date! Oral Reconstruction Global Symposium 30.04.-2.05.2020