Auch bei chirurgisch versierten Zahnärzten nimmt die Bereitschaft zu, insbesondere bei betagteren oder durch systemische Erkrankungen vorbelasteten Patienten aufwendige chirurgische und augmentative Eingriffe zugunsten durchmesserreduzierter oder kurzer Implantate zu vermeiden. Die Studienlage ist, wie auch das „kurz & schmerzlos“ in pip 02/2016 und der im selben Jahr veröffentlichte Praxisleitfaden des BDIZ EDI e.V. ergab, bei Beachtung bestimmter Indikationen und prothetischer Protokolle sehr erfolgversprechend. In der Praxis herrschen aber ungebrochen einige Verunsicherungen. pip sprach dazu mit Eckhard Maedel, Deutschland-Manager Bicon.

pip: Sie müssen als Bicon-Manager ja eh das Hohelied auf die Kurzen singen – aber gleichzeitig sind Sie mit Ihrer persönlichen über 25-jährigen Markterfahrung sicher differenziert genug – wo ist denn noch der Haken bei den Kurzen bzw. wieso verwerfen wir dann nicht gleich alles über 5-6 mm?

Eckhard Maedel: Sie treffen genau den Punkt:
Nach über 25 Jahren im Markt und sehr
vielen gewachsenen, sehr schönen und
vertrauensvollen Beziehungen werde
ich keine davon riskieren, indem ich
Dinge behaupte, die nicht zu halten
sind. Letztlich geht es um den Patienten, und damit tragen wir die direkte
Mitverantwortung für den Ruf und den
Seelenfrieden des Zahnarztes, der unsere Implantate einsetzt. Insofern muss
ich auch direkt differenzieren, denn ich
spreche natürlich hier nicht über ‚Kurze
Implantate‘ im Allgemeinen, sondern
sehr spezifisch über den Bicon-Typ. Im
Gegensatz zu anderen Kurzimplantaten wurde dieser schon 1968 nicht als
Schrauben-, sondern als Plateautyp
eingeführt. Es besteht aus einem Zylinder, um den in verschiedenen Abständen zur Implantatschulter konzentrische Plateaus angeordnet sind. Das
Einbringen erfolgt durch Einklopfen,
dieser Typ wird im Bohrloch also regelrecht verklemmt. Als noch viel wesentlicher sehe ich aber die bei allen Implantaten kritische Verbindung zwischen Implantatkörper und prothetischem Pfosten. Hier zeigte sich in Studien von u. a. Bozkaya et al., dass das Bicon-Kurzimplantat im direkten Vergleich das stressärmste war und zudem beste Werte hinsichtlich einer Mikroleakage, also einem Bakterienaustritt an der Verbindungsstelle von Implantat und Prothetikpfosten, aufweist.

pip: Worauf führen Sie diese Performance im Wesentlichen zurück?

Eckhard Maedel: Sicherlich ist der Morsekegel eine in dieser Hinsicht sehr vorteilhafte Verbindung, das zeigen ja auch Studien an ähnlich gestalteten Systemen wie dem Ankylos. Beim Bicon werden daneben die Prothetikteile nicht mit dem Implantat verschraubt, sondern mittels Klopfen kalt verschweißt, also umso dichter versiegelt.

pip: Wie findet denn der Patient dieses ganze Geklopfe im Mund?

Eckhard Maedel: Sie haben Recht, vielleicht sollten wir das Ganze lieber ‚Druckpressung‘ nennen, um die Assoziation des Hämmerns zu vermeiden. Aber tatsächlich wird ja nicht minutenlang herumgeklopft – ich möchte behaupten, dass minutenlanges Bohren zur Aufbereitung für den Patienten unangenehmer sein dürfte.

pip: Und wo ist nun noch der Haken beim Einsatz kurzer Implantate?

Eckhard Maedel: Ich wäre ungebrochen vorsichtig, kurze Implantate sofort zu belasten. Zwar haben auch hier Studien ergeben, dass die Implantatdimension nicht signifikanter Einflussfaktor zu sein scheint, und wir reden selbst da von Überlebensraten von ca. 90 %, die aber natürlich gegenüber den 96 % bei verzögertem Vorgehen doch signifikant abfallen. Daneben hat sich eine Insertionstiefe von 2 mm subkortikal als vorteilhaft gegenüber dem Einbringen auf Knochen-Niveau erwiesen – hier kommt dann umso mehr die Bakteriendichtigkeit des Bicon zum Tragen und der doppelte Plattformswitch.

pip: Und das Kronen-Implantatverhältnis? Rein physikalisch will mir nicht einleuchten, dass ein langer Hebel keinen Schaden anrichtet?

Eckhard Maedel: Nun ja, die Regel wurde ja damals von Carl Misch aufgestellt, da die Abutmentschrauben die Kraftverhältnisse nicht aushielten. Die Abutments bei Bicon haben keine Mikrobewegung und keine Halteschrauben, somit toleriert das System die höhere Kronen-Implantatratio. Ein weiterer Vorteil ist, wie eben schon erwähnt, dass wir keine krestalen Spannungsspitzen haben, da die Implantatschulter unterhalb des Kieferkamms liegt. Auch hier ist die Studienlage inzwischen eindeutig, wobei ich erneut nur für die Bicon-Implantate sprechen kann, bei denen eine Untersuchung von Schulte et al. von 889 Implantaten in 294 Patienten selbst bei einem C/IR – Kronen- Implantatverhältnis von 1.3 zu eins bzw. in der Untersuchung von 0.5 zu eins bis zu drei zu eins in einem Untersuchungszeit- raum bis zu 7,4 Jahren keine nachteiligen Einflüsse nachgewiesen werden konnten. Um eine weitere Studie von Urdaneta zum Thema zu bemühen, in dieser Publikation zeigte sich weder ein erhöhtes Verlustrisiko noch erhöhter Knochenabbau, lediglich prothetische Komplikationen nahmen zu, die aber alle im reversiblen Bereich liegen. Häufig sind Komplikationen iatrogen.

Herzliches Danke für dieses Gespräch, Herr Maedel.