Mit der bevorstehenden Einführung der Medizinprodukteverordnung verschärfen sich die Diskussionen um die Bedeutung und den Wert wissenschaftlich und klinisch geprüfter und langzeitdokumentierter Produkte. Anlässlich des Symposiums der OSTEOLOGY Foundation in Barcelona sprach pip dazu mit Dr. Björn Delin, Vice President Clinical & Scientific Affairs von Dentsply Sirona Implants.

pip: Werden Sie wegen der Einführung der neuen Medizinprodukteverordnung ab 2020 schon nervös?

Björn Delin: Wenn das so wäre, müsste ich zugeben, dass ein Fehler in unserem System vorliegt. Tatsächlich verstehen wir die neue Medizinprodukteverordnung als Vorteil, weil sie uns in die Lage versetzt, die sehr aufwendige und damit natürlich auch kostspielige Entwicklung, Erprobung und Langzeitdokumentation unserer Produkte in jenes Licht zu rücken, wo sie auch hingehören. Viele Unternehmen bringen lediglich Kopien bestehender Systeme auf den Markt. Wir zeichnen uns dadurch aus, dass wir echte Neuheiten anstoßen und entwickeln. Wir betreiben einen immensen Aufwand, um die klinische Performance unserer Kunden zu verbessern, mit der einerseits ihre eigene, aber auch die Lebensqualität ihrer Patienten gesteigert wird. Wenn dieser Aufwand deutlicher in den Vordergrund tritt, kann uns das nur recht sein.

pip: Welche Art Studien führen Sie heutzutage durch?

Björn Delin: Wir verfolgen zwei unterschiedliche Studienmodelle: Zum
einen die unternehmensorientierten
Studien, bei denen wir ganz gezielt die
Performance eines bestimmten Produkts
oder eines spezifischen Produktdetails erforschen. Zum anderen die IIS – Investigator Initiated Studies: Hier kommt der Impuls aus den Kreisen der wissenschaftlichen Forschung oder der Klinik. Derartige Studien unterstützen wir zu 49 %, sie werden jedoch völlig unabhängig durchgeführt. Ob eine solche Studie für uns von konkretem Nutzen sein wird, lässt sich also nicht vorhersagen. Damit wir als Unternehmen die Mittel für derartige Projekte zur Verfügung stellen können, kommt es natürlich gleichermaßen auf unsere Größe und unsere Philosophie an, die konsequent in der Wissenschaft verankert ist.

Aus der Literatur und aus klinischen Studien kann man viele Erkenntnisse gewinnen, um Innovationen zu ermöglichen. Ganz konkret: Wir wussten aus vielen Studien, dass zementierte und verschraubte Verbindungen gleichermaßen mit Nachteilen verbunden sind – bei den verschraubten Verbindungen liegen sie eher im Bereich der Mechanik, bei den zementierten Verbindungen mehr in der Biologie. Aus dieser Erkenntnis haben wir zusammen mit Dr. Marco Degidi eine entscheidende Weiterentwicklung vollzogen. Unsere Lösung mit Acuris ist eigentlich so naheliegend, dass man sich fast fragt, wieso nicht schon früher jemand auf diese Idee gekommen ist. Acuris ist ein neuartiges, konometrisches Konzept für das Ankylos-System, Astra Tech und Xive, bei dem Friktion anstelle von Zement oder Schrauben für die prothetische Verbindung zum Einsatz kommt. Mit Acuris brauchen Sie nur noch wenige Sekunden statt Minuten für die finale Kronenversorgung, und das mit größerer Präzision, weniger Komplikationen – und einem geringeren Erhaltungsaufwand. Rechnen Sie das auf die Anzahl der Einzelzahnversorgungen in einer hauptsächlich implantologisch tätigen Praxis hoch, finden Sie hier einen klaren Mehrwert für die Lebensqualität von Behandler und Patient.

pip: Hier am Osteology Symposium haben Sie auch Azento vorgestellt, wer profitiert von dieser neuen Lösung?

Björn Delin: Azento haben wir auf der Grundlage unseres gut dokumentierten Implantatsystems entwickelt. Es handelt sich dabei um eine digitale Workflow-Lösung zur Einzelzahnversorgung. Unsere Ausgangsüberlegung war, dass der chirurgisch tätige Zahnarzt in Zukunft weder die Zeit noch das Interesse an einer aufwendigen Planung haben wird. Es ging also darum, einen standardisierten Ablauf für einen Prozess zu schaffen, der für eine einzelne Praxis sehr zeitintensiv zu organisieren wäre. Azento erleichtert nun den gesamten Prozess, angefangen bei der Implantatplanung über die Bestellung der Komponenten bis hin zu deren Eingliederung. Alles, was der Behandler tun muss, ist Scanaufnahmen des Patienten anzufertigen und die Bestellung hochzuladen. Bereits kurze Zeit nachdem die Scans über das Fallmanagement-Portal von Azento eingereicht wurden, erhält er einen individuell erstellten und bis ins Detail auf den Patienten abgestimmten digitalen Behandlungsplan. Den muss er nur noch freigeben. Fünf Arbeitstage nach Freigabe des Behandlungsplans erfolgt dann der Versand aller für die Implantatbehandlung erforderlichen Komponenten und Instrumente einschließlich der Bohrschablone, des jeweiligen Implantats – Astra Tech Implant System oder Xive – und der individuell für den Patienten erstellten Gingivaformer. Außerdem lassen sich ‚Core File‘-Daten für das Dentallabor unkompliziert über das Fallmanagement-Portal von Azento hochladen, damit Restaurationen erstellt werden können, ohne die Fälle vorher scannen zu müssen. Ganz wesentlich ist, dass dieser Prozess auch die nahtlose und effiziente Zusammenarbeit mit qualifizierten Laboren umfasst. Dieser digitale Workflow trägt maßgeblich dazu bei, die Effizienz und die Möglichkeit zur Herstellung qualitativ hochwertiger Versorgungen für jeden Behandler zu verbessern. Und das ist sowohl für den Zahnarzt als auch den Patienten ein hoher Mehrwert in der Lebensqualität.

Vielen Dank für Ihre Zeit, Herr Dr. Delin.