Ebenso wie „Tempo“ für Papiertaschentücher oder „Tesa“ für Klebefilm steht, hat sich in der dentalen Implantologie der Ausdruck „Locator“ als Begriff für die Halteelemente zur Prothesenfixierung entwickelt. Seinen Ursprung hat das Prinzip in dem aus dem Zahntechnik-Labor von Max Zuest hervorgegangenen Unternehmen Zest Anchors. Inzwischen besitzt Zest Dental Solutions ein breites Portfolio implantatprothetischer Lösungen und mehr als 100 Implantathersteller weltweit haben den Locator für ihre Plattformen übernommen. pip sprach mit Dr. Peter Gehrke, der das Prinzip in der Ludwigshafener Praxis seit fast zwei Jahrzehnten erfolgreich anwendet.

pip: Wieso sind Sie damals im Jahr 2004 spontan auf die Idee mit diesen neuen Locatoren angesprungen?

Peter Gehrke: Bei uns lag der Schwerpunkt immer schon in der Gerontologie. In jüngster Zeit scheint der Trend ja zu festsitzenden Versorgungen zu gehen, aber unserer Erfahrung nach ist diese Lösung für ältere Menschen nicht immer die beste: Festsitzende Versorgungen sind schwieriger in der Reinigung – sowohl für den Patienten als auch für pflegende Angehörige oder das Pflegepersonal. Der original Zest Locator ist funktional ausgezeichnet, die Patienten können völlig problemlos essen. Die Ernährung ist bei älteren Menschen für den Allgemeinzustand wiederum immens wichtig. Bei eingeschränkter Beweglichkeit des Patienten können Angehörige die Prothese sogar in der Praxis abgeben. Auch Reparaturen können ganz einfach durchgeführt werden. Ich halte die Versorgung mit Locatoren für diese Zielgruppe für die beste Lösung – angesichts der demografischen Entwicklung mehr denn je.

pip: Manche Entwicklungen überholen sich im Laufe der Zeit – wieso nicht der Zest Locator?

Peter Gehrke: Gerade weil immer mehr Menschen motorisch oder mental eingeschränkt oder gar pflegebedürftig sind, ist er eine unverzichtbare Therapieoption. Die Alterszahnheilkunde, im Besonderen die Implantatgerontologie, verlangt nach einfachen Rehabilitationen. Zudem haben sich aus dem originalen Zest Locator ja auch noch Lösungen wie der Locator R-Tx und F-Tx entwickelt. Damit haben Sie eine größere Aufbauhöhe, eine verbesserte Retention und mit der Titancarbonitrit-Beschichtung eine ausgezeichnete Oberfläche, die hoch biokompatibel und wenig bakterien- und plaqueaffin ist. Damit haben Sie konsequent geringere Irritationen des Weichgewebes. Auch der daraus folgende Knochenabbau mit den bekannten Folgeproblemen wird damit vermieden. Übrigens besitzen viele Nachbauten nicht diese besondere Oberfläche – das Gleiche ist also nicht dasselbe.

pip: Bei Prothesenverankerungen sind die Retentionselemente oft die Schwachstelle – wie sieht das bei den Zest Locatoren aus?

Peter Gehrke: Der Locator von Zest darf durchaus als Goldstandard in der Prothesen-Fixierung gesehen werden. Die Kombination vieler Details, wie die innovative Pivot-Technologie, die individualisierbaren Retentionsstärken und die Selbstausrichtung, schaffen eine ausgezeichnete Gesamtlösung. Die schon erwähnte exklusive DuraTec-Beschichtung verbessert nicht nur die Ästhetik und erleichtert die Pflege, sondern erhöht auch die Härte und Abrasionsresistenz. Daneben ergänzen sich im optimierten Matrizengehäuse die dualen Retentionselemente beim Abutment und bei den Nylon-Retentionseinsätzen. Bis zu 60 Grad Divergenzen zwischen Implantaten können damit problemlos ausgeglichen werden. Das neu designte Matrizengehäuse in anodisiertem Pink ist sehr ästhetisch und weist horizontale Rillen und Flächen auf, die gegenüber vertikalen und horizontalen Bewegungen sehr viel widerstandsfähiger sind. Selbst der motorisch eingeschränkte Patient kann die Prothese sehr leicht selbst herausnehmen und wieder einsetzen. Wichtig bei diesem Prinzip ist allerdings ein guter Recall des Patienten, je nach Hygienevermögen alle drei bis sechs Monate, sowohl zur Kontrolle als auch eventuellen Unterfütterung. Auf die Locator-Prothesen wirken einfach sehr starke Kräfte. Daher sollten sie, um Brüche zu vermeiden, regelmäßig kontrolliert und gegebenenfalls unterfüttert werden.

pip: Das Prinzip wurde im Jahr 2000 entwickelt und ist demnach nicht mehr so neu – wieso kaufen Sie Ihre Locatoren nicht bei Drittanbietern?

Peter Gehrke: Manchmal erstaunt mich, wo manche Kollegen Sparpotentiale wittern. Ich verlasse mich in diesen Dingen gern auf das Original. Zest Dental hat bei der Entwicklung und Herstellung von Locatoren die längste Erfahrung: Über 3,8 Millionen Patienten wurden weltweit schon mit den Zest Locatoren behandelt. Dieser besitzt Schnittstellen zu 280 Implantatverbindungen, über 100 Implantathersteller weltweit haben den Zest Locator für ihre Systeme adaptiert. Wieso sollten wir in der Praxis nun anfangen mit etwas anderem herumzubasteln? Nicht zu vergessen: Wir sind eine Mehrbehandlerpraxis. Da muss man sich auf ein System einigen – und dann nehmen wir doch am liebsten ein Original, zu dem alle Instrumente und Ersatzteile in Praxis und Labor passen.

pip: Herzliches Danke für das informative Gespräch.