Auch mit einem gebrochenen Arm verbreitet Prof. Dr. Dr. Ralf Smeets aus Hamburg mehr Dynamik als viele mit gesunden Gliedmaßen – und so wurde der dem 37. Internationalen Symposium in St. Anton vorgeschaltete und mit an den Wänden stehenden Teilnehmern komplett ausgebuchte Workshop von Bien Air unter der bewährten Leitung der Profes. Drs. Daniel Grubeanu aus Trier und Ralf Smeets aus Hamburg zu einem temperamentvollen Ritt durch die Literatur, die Indikationen, die Ausschlusskriterien und die modernen Techniken für ein erfolgreiches Hartgewebsmanagement.

„78 % Ihres Implantaterfolgs ist Anatomie und die Position Ihres Implantates!“, schwor Prof. Smeets die Teilnehmer auf solide Planung und sinnvolle digitale Unterstützung in Diagnostik und Chirurgie ein. Mikrochirurgische Naht- und Schnitttechniken vermeiden angiologische Versorgungsprobleme und spätere Misserfolge. Allogene Materialien bergen aufgrund der vorhergehenden Tests entgegen aktueller Diskussionen keine Infektionsgefahren und zeigen im Sinuslift sehr gute Erfolge. Für manche Indikationen gleichwertig sieht er xenogene KEM, auf den autologen Goldstandard verzichtet man in seiner Klinik aufgrund der zunehmend weniger tolerierten Belastung des Patienten durch den erforderlichen Zweiteingriff. Zur vertikalen Augmentation favorisiert Prof. Smeets inzwischen klar die Schalentechnik statt des Knochenblocks. In Titanmeshes sieht er gutes Potential und die Distraktionsosteotomie erlebe eine neue Popularität, sei technisch aber nichts für den Anfänger. In bestimmten Situationen sind auch angulierte und kurze Implantate ein probates Mittel zur Vermeidung eines augmentativen Eingriffs.

Der Prothetiker bestimmt die Chirurgie

Vehement beklagte Prof. Smeets, dass auch aus den Universitäten zu wenig belastbare Studien kämen, um solide Leitlinien zu entwickeln, die dem Praktiker an die Hand gegeben werden könnten – auch zur Absicherung bei allfälligen und offenbar sprunghaft zunehmenden rechtlichen Auseinandersetzungen. Prof. Smeets präsentierte aktuelle Bonespreading und -splittingtechniken, Techniken zur Socket Preservation und Socket Seal Surgery, verschiedene Indikationen für die unterschiedlichen Membrantypen und verteilte wie immer freigiebig manchen praktischen Tipp. Selber Chirurg suche er zunehmend den Austausch mit den Prothetikern und Zahntechnikern um seine chirurgischen Entscheidungen auf das gewünschte prothetische Endergebnis auszurichten. „In 2018 bestimmt der Prothetiker die Chirurgie!“ schloss Prof. Smeets.

Weichgewebe gibt die Richtung vor

Hands on macht sichtlich gute Laune.

„Das Weichgewebe bestimmt das Volumen Ihrer Augmentation,“ mahnte Prof. Grubeanu eine immer zwingend vorangehende Präparation des Weichgewebes an. Erst danach könne man Volumen und Morphologie des Augmentats solide einschätzen. Nach mit dem FreeVision von Jadent digitalmikroskopisch gestützter Demonstration gaben eingehende Übungen am Schweinekiefer unter Einsatz der von Bien Air, Mectron, Bego und Ustomed üppig mit modernsten chirurgischen Geräten, Instrumenten, Knochenersatzmaterialien und Membranen ausgestatteten Arbeitsplätze ausreichend Gelegenheit, die theoretischen Ausführungen praktisch einzuüben. Veranstaltungen dieser gemischt theoretischpraktischen Art erreichen, wie der hohe Besucherandrang trotz sonnigen Wetters und bester Schnee- und Pistenverhältnisse in St. Anton zeigte, immer noch in einem hohen Maß das Interesse der praktischen Anwender.