Das neue Garantieprogramm „patient28Pro“ von Camlog, das bereits in der pip Ausgabe 1/20 vorgestellt wurde, erregte in der implantologischen Szene viel Aufmerksamkeit. Aber worin unterscheidet es sich von den Garantien anderer Hersteller und wo hat auch dieses System seine Grenzen?

Interview mit Martin Lugert und Markus Stammen, Geschäftsführung Camlog

pip: Auch andere Hersteller verfügen über umfangreiche Garantieprogramme – wo sehen Sie den Unterschied zu patient28Pro?

Ganz einfach: Wir fragen nicht nach dem ‚Warum‘ und geben so gut wie keine Einschränkungen vor. Bei vielen bestehenden Garantien ist genau das die erste Frage, und wenn der Patient Pech hat, kann es zu einem langwierigen Tauziehen zwischen Chirurg, Prothetiker und dem Zahntechniker kommen. Erst wenn die ‚Schuldfrage‘ geklärt ist, kann eine Rehabilitation durch eine Neuversorgung erfolgen. Da bei patient28Pro alle Parteien ins Boot geholt werden, kann eine solche Hängepartie gar nicht mehr entstehen. Sobald innerhalb von fünf Jahren ein Implantatverlust eintritt, greift die Garantie – und alle in die Behandlung eingebundenen Partner erhalten einen gleichwertigen Ersatz. Dieser umfasst neben allen Implantaten von Camlog und BioHorizons auch alle prothetischen Komponenten und wahlweise auch die digitalen Versorgungsformen und Services von Dedicam.

pip: Das dürfte vermutlich die Zahntechniker ganz besonders freuen?

Tatsächlich zeigen wir damit erneut, dass wir, wie schon bei der Entwicklung des Camlog Implantatsystems vor mehr als 20 Jahren, die prothetische und zahntechnische Seite als gleichwertig mit der Chirurgie erachten. Wir wollen nicht nur hervorragende Implantatlösungen anbieten, sondern unsere Kunden mit innovativen Services in unternehmerischer Hinsicht stärken. Die Labore, bei denen oft der größte Aufwand für die Neuanfertigung liegt, wurden in diesen Fällen sehr oft allein gelassen und schlossen oft für sie unvorteilhafte Kompromisse. Unsere zahlreichen Gespräche mit unseren zahntechnischen Partnern zeigen, dass wir mit patient28Pro genau richtigliegen.

pip: Bisweilen ist nach einem Implantatverlust gar nicht angezeigt, dieselbe Stelle erneut mit einem Implantat zu versorgen – was dann?

Ebenso wie wir bei einer Neuversorgung alternative Konzepte im implantologischen Bereich abdecken – auch hier empfiehlt sich ja manchmal eine andere Vorgehensweise, ein alternatives Implantatdesign oder -material – tun wir dies auch im prothetischen Bereich. Auch individuelle Versorgungen werden dabei natürlich genau so individuell neu erstellt. Es mag dabei sogar sein, dass wir eine laborgefertigte konventionelle Prothetik durch eine individuell über Dedicam designte und gefertigte Arbeit ersetzen, wenn es für die Indikation sinnvoll erscheint. Das Spektrum deckt also auch alternative prothetische Versorgungen ab. Und auch hier greift die Garantie mit der Neuversorgung sofort für weitere fünf Jahre.

pip: Ab dem wievielten Garantiefall eines Behandlers verlieren Sie die Nerven?

Wir knüpfen an unser Garantieversprechen nur zwei Bedingungen: Erstens müssen Originalkomponenten aus unserem Haus eingesetzt und zweitens müssen diese gemäß der Zweckbestimmung der Produkte verarbeitet worden sein. Uns ist bewusst, dass es – in seltenen Fällen und durch schicksalhafte Gegebenheiten – dennoch auch zu wiederholten Misserfolgen kommen kann. Dies tragen wir mit. Bei jeder neuen Versorgung beginnt eine neue Laufzeit von fünf Jahren. Das behandelnde Team und uns als Industriepartner verbindet das Interesse, Patienten bestmöglich zu versorgen.

pip: Sie haben sicherlich einen Rückversicherer eingebunden?

Nein. Das wäre allein aus Datenschutzgründen schwierig und zum anderen steht über patient28Pro ganz groß das schnelle und unbürokratische Vorgehen. Dem Patienten soll sofort und ohne weitere Verzögerungen geholfen werden. Eine Rückversicherung würde einen Zeitverlust und enormen Verwaltungsaufwand bedeuten. Wir behalten das daher ganz unbürokratisch und in der direkten Kommunikation mit den beteiligten Parteien in unserer Hand.

pip: Meine Herren, herzliches Danke für dieses Gespräch.