Zum neunten Mal fand das PEERS-Jahrestreffen in Berlin statt. Die Veranstaltung unter dem Motto „Exzellenz und Effizienz durch Wissen“ bot Mitte September 2018 einen Einblick in den Status quo des digitalen Workflows.

Der jährliche Kongress des Expertennetzwerks PEERS (Platform for Exchange of Experience, Research and Science) wurde mit Vorträgen der Tropenmediziner, Prof. Roland Garve und Prof. Christian Meyer, eröffnet. Beide versetzten die Teilnehmer mit eindrucksvollen Bildern in ferne Länder und gaben einen Überblick zu tropischen Infektionskrankheiten. Auch in heimischen (Zahnarzt)-Praxen werden aufgrund der Migration einige unbekannte Raritäten auftauchen, für die beide Referenten sensibilisiert haben.

PEERS Innovationsforum mit aktuellen Studienergebnissen

Dr. Paul Weigl und Dr. Mischa Krebs

Im Rahmen des Innovationsforums stellten renommierte Referenten aktuelle Studienergebnisse zu unterschiedlichen Themen vor. Dr. Paul Weigl und Dr. Mischa Krebs betonten in ihrem Vortrag „Sofort versorgte Einzelzahnimplantate: Free-Hand mit Cerec versus Guided mit präfabrizierter Prothetik“, dass individuelle CAD/CAM-Abutments den Goldstandard in der Implantatprothetik darstellen und präsentierten zwei Möglichkeiten der Sofortversorgung:

  1. Virtuelle Implantatplanung mittels DVT, Verwendung von Bohrschablonen und präfabrizierten Abutments, Provisorien und Gerüsten, die schon vor der Implantation in die Praxis geliefert werden.
  2. Scannen der Implantatposition nach konventioneller Implantation sowie der Chairside-Fertigung eines Hybridabutments und der provisorischen Krone zur direkten Eingliederung.

Priv.-Doz. Robert Nölken

Die digitale Zahnmedizin eröffnet neue Möglichkeiten der Konstruktion von Okklusionsflächen. Hierbei spiele die Reduktion der Kraftübertragung in das Gerüst über die funktionsgerechte Gestaltung der Kaufläche eine große Rolle. Dies hob Prof. Walter Lückerath in seinem Beitrag „Die digitale Zukunft der Okklusion“ hervor. Priv.-Doz. Robert Nölken zeigte im Vortrag „Der Einfluss von Implantatposition, Implantatachse und Bindegewebeaugmentation auf die periimplantären Hart- und Weichgewebedimensionen bei Sofortimplantaten in der ästhetischen Zone“, dass Sofortimplantationen auch bei einem Defekt der fazialen Knochenlamelle und/oder einer Rezession vorhersagbar möglich sind. Der Einfluss von Implantatposition und -angulation sowie der simultanen Knochen- und Bindegewebeaugmentation auf das ästhetische Ergebnis wurde anschaulich dargestellt.

Prof. Sven Reich thematisierte „Digitaler Workflow – Realität oder Wunschdenken“ anhand klinischer Fälle; vom virtuellen Set-up auf Basis intraoraler Abformung, dem Verwenden eingescannter Prothesen bis hin zu den unterschiedlichen Optionen zum Herstellen der Bohrschablonen. Die intraorale 3D-Datenerfassung verfügt über das große Potenzial, mittelfristig die klassische Abformung komplett zu ersetzen. Dies stellte Prof. Bernd Wöstmann in seinem Vortrag „Möglichkeiten und Grenzen digitaler und konventioneller Abformverfahren“ heraus. Dabei ging er auf die wesentlichen Erfolgsfaktoren analoger und digitaler Abformtechniken ausführlich ein.

Podiumsdiskussionen rund um Implantologie

Prof. Bilal Al-Nawas

Im Rahmen der Podiumsdiskussion gabProf. Bilal Al-Nawas ein „Update 2018 – was trägt das Implantatsystem zum Weichgewebe- und Knochenerhalt bei?“ Er betonte, dass sich stabile konische Innenankopplungen zwischen Implantat und Abutment sowie ein Plattform-Shift bei allen modernen Implantatsystemen durchgesetzt haben. Bauformen der Implantate, die individuelle Weichgewebedicke, die vertikale Implantatposition sowie der chirurgische Insertionsmodus tragen maßgeblich zum Weichgewebe- und Knochenerhalt bei. Prof. Torsten Jemt stellte in seinem Beitrag „Factors associated to periimplantitis and implant failures in routine practice“ die vielfältigen Faktoren vor, die zu periimplantären Entzündungen und Implantatverlust führen können. Besonderes Augenmerk richtete er auf das Alter des Patienten bei Implantatinsertion in Beziehung zur Anzahl der gesetzten Implantate, den allgemeinen Gesundheitszustand und die individuelle Entzündungsanfälligkeit.

Prof. Ralph Luthardt

Unter dem Titel „Ätiologie und Pathogenese der Periimplantitis – eine kritische Aufarbeitung des Mainstreamdenkens“ stellte PD Dr. Markus Schlee die verschiedenen Definitionen von Periimplantitis vor und gab einen klaren Entscheidungsbaum für die Therapie dieser Erkrankung mit auf den Weg. Zum Abschluss der Podiumsdiskussion sprach Prof. Ralph Luthardt zum Thema „Vermeidung der Periimplantitis: Was kann die Prothetik leisten?“. Er zeigte das multifaktorielle Geschehen beim Entstehen der Periimplantitis auf. Prothetische Maßnahmen zum periimplantären Weichgewebemanagement sowie die Fragen des Verschraubens oder des Zementierens und der Vorteil der One-Abutment-One-Time-Methodik wurden diskutiert und deren Einfluss auf den Langzeiterfolg von Implantaten dargestellt.

Strahlende Gewinner der PEERS-Förderpreise 2018

Die PEERS-Förderpreise wurden ins Leben gerufen, um Wissenschaftler und wissenschaftlich interessierte Zahnärztinnen und Zahnärzte in ihrer Arbeit zu unterstützen. Initiator der Preise ist das von Dentsply Sirona Implants unterstützte internationale Expertennetzwerk PEERS mit Mitgliedern aus Klinik, Praxis und Zahntechnik. Insgesamt 26 Arbeiten wurden für den diesjährigen Preis eingereicht und von drei unabhängigen Juroren nach fünf verschiedenen Kriterien bewertet. Eine Kooperation mit der Klaus-Kanter-Stiftung ermöglicht die Unterstützung der Absolventen der zahntechnischen Meisterschulen.

And the Winner is….

Die PEERS-Preisträger 2018

Der in Zusammenarbeit mit der Klaus-Kanter-Stiftung verliehene Implantat-Prothetik-Preis für die beste Meisterarbeit wurde an ZTM Judith Kropfeld (Röttenbach) verliehen. Sie beschäftigte sich in ihrer Arbeit mit dem Thema „Ossal getragene Vollkeramikkrone auf Zirkoniumdioxid-Hybridabutments“. In der Kategorie Fallpräsentation gewann Dr. Anna Winter (Universitätsklinik Würzburg) mit ihrer Arbeit „Individueller CAD/CAM-Steg mit Locator-Einsätzen als Rotationsschutz im stark atrophierten Unterkiefer“‘. Der Preis in der Kategorie Wissenschaftliches Poster ging an Dr. Ole Jung (MKG-Chirurgie des Uniklinikums Hamburg-Eppendorf) mit seiner Untersuchung „Entwicklung einer bioresorbierbaren magnesiumverstärkten Kollagenmembran zur Verbesserung der Knochenregeneration“. Dr. Tobias Möst (MKG-Chirurgie, Universitätsklinikum Erlangen) wurde für seine Publikation „The influence of different abutment materials on tissue regeneration after surgical treatment of peri-implantitis – a randomized controlled preclinical study“ ausgezeichnet. Der im dritten Jahr ausgelobte Preis in der Kategorie Video ging an Dr. Puria Parvini (Zahnärztliche Chirurgie und Implantologie, Frankfurt am Main) mit seiner Arbeit „Implantation and immediate restoration region 22 – soft tissue management with CTG“.

Alle Preisträger der PEERS-Förderpreise wurden am Abend des 22. September 2018 im Rahmen des Jahrestreffens in Berlin bei einer feierlichen Preisverleihung geehrt. Gleichzeitig erhielten alle Autoren die Möglichkeit, kostenlos am wissenschaftlichen Programm dieses Tages teilzunehmen.