Die Praxis Hürzeler-Zuhr in München zählte im Jahr 2010 zu den ersten Anwendern, die das neuartige Lokalantibiotikum Ligosan Slow Release aus dem Hause Heraeus Kulzer, heute Kulzer Dental,  erstmals einsetzen konnten, und sie sind dem Produkt seither treu geblieben. Über ihre Erfahrungen in der Praxis und ihre bevorzugten Einsatzgebiete sprach pip mit Dr. Otto Zuhr.

pip: Was machte Sie damals vor allem neugierig, dieses Ligosan einmal auszuprobieren?

Otto Zuhr: Wir hatten bei der Anwendung lokaler Antibiotika im Rahmen der systematischen Parodontitistherapie immer das Problem, dass alle bis dahin verfügbaren Produkte nur sehr kurzfristig in situ blieben und damit nachvollziehbarerweise eher einen überschaubaren Effekt zeigten. Bei Ligosan schien das ganz offensichtlich anders zu sein.

pip: Bei welchem Befund setzen Sie heute Ligosan ein?

Otto Zuhr: Bei uns in der Praxis gibt es gegenwärtig  drei Indikationen für das Präparat: Zum einen nutze ich es adjuvant insbesondere zur Vorbereitung regenerativen parodontalchirurgischer Eingriffe. In etwa zehn Tage vor dem chirurgischen Eingriff wird Ligosan in den betroffenen parodontalen Taschen appliziert. Bei chirurgischen Periimplantitisbehandlungen ist die Vorgehensweise identisch. Je weniger Entzündung zum Zeitpunkt der chirurgischen Intervention vorliegt, desto unkomplizierter verläuft später die Heilung. Zum zweiten verwende ich es im Rahmen der parodontalen Erhaltungstherapie als lokale Sofortmassnahme bei Vorliegen von Rezidiven, um weiterführende chirurgische Eingriffe möglichst hinauszuzögern oder gar zu vermeiden. Zuguterletzt setze ich es bei akuten parodontalen und auch periimplantären Entzündungen zur Notfallbehandlung ein, um erst einmal die Entzündung einzudämmen und die Schmerzen zu beseitigen.

pip: Worauf führen Sie die guten Ergebnisse zurück?

Otto Zuhr: Ligosan scheint durch seine zunächst flüssige Konsistenz auch schwer zugängliche Bereiche zu erreichen, erhöht später in der feuchten Umgebung der parodontalen oder periimplantären Tasche seine Viskosität hin zu einer eher gelförmigen Konsistenz und verbleibt damit viel länger am Ort des Geschehens. Der Wirkstoff Doxicyclin wird auf diese Weise nicht einfach wieder fortgespült, sondern langsam, nach und nach, über einen Zeitraum von insgesamt 12 Tagen,  freigesetzt und bewirkt auf diese Weise eine deutliche und anhaltende Reduktion der Entzündung.

pip: Herzliches Danke für Ihre Zeit und dieses Gespräch