Im Zeitalter der minimalinvasiven Therapie finden bei chirurgisch tätigen Zahnärzten, Oral- und Kieferchirurgen zur Präparation von Knochengewebe zunehmend piezoelektrische Geräte Verwendung.

Piezoelektrische Geräte ermöglichen eine besonders schonende Art der Hartgewebspräparation, basierend auf der Technik der Ultraschallchirurgie und durch den Kavitationseffekt ein nahezu blutfreies OP-Feld.

Mit Vorurteilen aufräumen

Galt die Anwendung der Piezochirurgie in der Vergangenheit noch als langsames Verfahren, ist die Leistung der neuesten Gerätegeneration deutlich höher und die Schneid- bzw. Abtragungsleistung deutlich verbessert.

Der besondere Vorteil der Piezochirurgie in der Zahnmedizin ist eine selektive Wirksamkeit für Hartgewebe wie Knochen und Zähne: Während das umliegende Weichgewebe die Schwingung der zumeist metallischen Arbeitsaufsätze auf- nimmt und mit der Arbeitsspitze „mitschwingt“, werden kalzifizierte Gewebe selektiv abgetragen und auf diesem Wege eine knochensensitive Präparation ermöglicht. Hierdurch ergeben sich deutliche Vorteile in unterschiedlichen Indikationen, bei denen eine schonende Knochenpräparation in unmittelbarer Nachbarschaft zu wichtigen Weichgewebe-Strukturen wie beispielsweise Nerven, Zahnfleisch oder aber auch der Kieferhöhlenschleimhaut erfolgen soll. Dank sehr dünner Sägespitzen von nur 0,25 mm Stärke lassen sich Osteotomien sehr präzise und ohne großen Knochenverlust durchführen.

Indikation Alveolenmanagement

Eine oft unterschätzte Anwendung ist die schonende Extraktion von Zahnwurzeln oder auch von Wurzelfragmenten im Rahmen des Alveolenmanagements. Mit den feinen Periotomen, die aktuell in zwei Ausführungen zur Extraktion zur Verfügung stehen, lassen sich auch speziell endodontologisch vorbehandelte Zähne oder ankylosierte Wurzeln mühelos entfernen. Das Ergebnis sind Extraktionsalveolen, deren Hart- und Weichgewebe völlig intakt sind, da in der Regel auf ein Aufklappen verzichtet werden kann. Dies stellt anschließend eine optimale Basis für eine spätere oder Sofortversorgungen mit Implantaten dar (Abbildung eins und zwei mit freundlicher Genehmigung von Dr. Torsten Conrad, Bingen a. Rhein).

Indikation Interner Sinuslift

W&H bietet auch die perfekte Lösung für den internen Sinuslift an. Nach erfolgter Zugangspräparation (Abb. 3) mit abgestimmtem Instrumentarium zur Kieferhöhle erfolgt anschließend mit der neuen Spitze Z35P (Abb. 4) die hydrodynamische Elevation der Schneider‘schen Membran. Mit dem gleichen Instrumentarium kann auch die Implantatbett-Aufbereitung piezochirurgisch in aufsteigenden Durchmessern erfolgen (Abbildung drei und vier freundlicher Genehmigung von Dr. Mario Kirste, Frankfurt/ Oder).

Reduktion des Morbiditätsrisikos

Eine wichtige Eigenschaft, welche der Anwendung von Piezogeräten weiterhin zugute kommt, ist die Möglichkeit einer instrumentengeführten Umlenkung der Präparationsschwingung. Die retro- grade Präparation kann sehr grazil durch eine Umlenkung der Schwingungsenergie innerhalb der Applikationsspitze erfolgen. Die hierdurch verringerte hart- und weichgewebliche Präparation ermöglicht die Verwendung kleinerer Zugänge und reduziert auf diesem Wege die perioperative Morbidität wurzelspitzenresezierter Patienten.

Erkennung der Arbeitsspitzen

Bei der Entwicklung des neuartigen Piezomed-
Gerätes aus dem Hause W&H wurden hinsichtlich
der Arbeitsspitzen – aber auch der generellen Übertragungsenergie – wesentliche Fortschritte zu herkömmlichen Leistungsparametern erzielt. Zur besseren Handhabbarkeit wurde das System um eine automatische Erkennung der Instrumentenspitzen erweitert, welche die für das jeweilige Instrument optimale Einstellung definiert. Eine optimale Ausleuchtung des OP-Gebietes wird bei Piezomed durch einen hellen in das Handstück integrierten LED-Ring unterstützt – hierdurch wird eine gute Übersicht auch in den posterioren Kieferarealen eines jeden OP-Bereichs erreicht.

Zusammenfassung

Man kann festhalten, dass die heutige Piezomed Generation eine absolute Alternative zu konventionellen rotierenden Instrumenten darstellt, mit einem Höchstmaß an Schutz und Erhalt der angrenzenden Weichgewebe. Die absoluten Indikationen sind:

  • 􏰁Osteotomien im Hartgewebe im krestalen und horizontalen Bereich
  • 􏰁 Vorbereitung für Bone spreading/splitting
  • 􏰁 Heben von retromolaren Knochenblöcken
  • 􏰁 Gewinnung von Eigenknochen mit speziellen Scrapern
  • 􏰁 Sinuslift mit lateralem Fenster
  • 􏰁 Interner Sinuslift über den transkres
talen Zugang und ein hydrodynamisches Verfahren
  • 􏰁 Implantatbett-Aufbereitung im 
anterioren und posterioren Bereich
  • 􏰁 Schonende Extraktion von Zahnwurzeln 
und Fragmenten
  • 􏰁 Operatives parodontales Debridement
  • 􏰁 Sterile retrograde endodontische Eingriffe