hero-ribbon

Neuigkeiten zur IDS hier auf www.frag-pip.de

3D-Druck: „Mögliche Revolution durch gedruckte Prothesenzähne“

Die Digitalisierung in der Implantatprothetik nimmt ordentlich Fahrt auf. Neue Verfahren und Materialien sowie der 3D-Druck könnten auf Laborseite für Entlastung sorgen – auch beim Thema Fachkräftemangel.
 
Interview mit ZT Josef Schweiger, M.Sc., Laborleiter an der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik der Universität München

Warum spielt die Digitalisierung und der 3D-Druck für die Implantatprothetik eine immer wichtigere Rolle?

Josef Schweiger: Meines Erachtens ist der komplette Workflow in der Implantologie das ideale Anwendungsfeld für digitale Technologie. Dies beginnt bereits bei der Implantatplanung. Durch die seit gut 15 Jahren mögliche Verknüpfung von gescannten Oberflächendaten mit Volumendaten aus der Radiologie hat die dreidimensionale Implantatplanung eine Revolution erfahren. Hier heißt es: ‚DICOM meets STL‘. Damit ist es sehr schnell und einfach möglich, eine exakte Planung der Implantatposition zu erstellen und die dazugehörige Bohrschablone effizient anzufertigen. Ebenso wird die Abformung der Implantate durch intraorale 3D-Scanner für den Behandler einfacher, für den Patienten angenehmer und der Zahntechniker erhält schnell und sicher alle Informationen, die er zur Herstellung einer hochwertigen Versorgung benötigt.

Welche Vorteile hat der Modellguss mittels 3D-Druck bzw. Lasersinterverfahren?

Josef Schweiger: Seit fünf Jahren gibt es bei Bego Medical die Möglichkeit, Modellgussgerüste direkt im Lasersinterverfahren herstellen zu lassen. Das Prinzip heißt hierbei „Vom Datensatz zum Zahnersatz“. Ohne große analoge Zwischenschritte erfolgt die Herstellung der Modellgussgerüste auf dem direkten Weg. Dieser Ansatz ist deswegen extrem schnell, kostengünstig und absolut reproduzierbar.

In einer Studie konnten wir zeigen, dass die mechanischen Eigenschaften und die Gefügequalität derart gefertigter Modellgussklammern den gegossenen Klammern überlegen sind.

Welche vielversprechenden, neuen Materialien dringen aktuell in die Implantatprothetik vor?

Josef Schweiger: Sie spielen hier vermutlich auf die neuen 3D-gedruckten Kompositmaterialien an. Bisher war die Versorgung von Implantaten eher eine Domäne der metallkeramischen und vollkeramischen Restaurationen. Seit einigen Jahren gibt es inzwischen auch Kompositblöcke, die mittels CAD/CAM Technologie für die Herstellung von Implantatkronen und Implantatabutments genutzt werden können. Mit Bego VarseoSmile Crown plus und Bego VarseoSmile TriniQ sind nun 3D-druckbare Kompositmaterialien verfügbar, die für die Anwendung beispielsweise als Implantatkronen geeignet sind.

Wie beurteilen Sie definitive Kronen aus dem 3D-Druck?

Josef Schweiger: Definitive Kronen aus dem 3D-Drucker funktionieren. In mehreren In vitro-Studien zu Bego VarseoSmile Crown plus konnte gezeigt werden, dass das Material für die Herstellung von definitivem Zahnersatz geeignet ist. Wichtig ist, dass man sich vor Augen hält, dass es keine Keramik ist, sondern ein Kompositmaterial. Dementsprechend sind auch die mechanischen Eigenschaften zu beurteilen. Eine Erkenntnis aus den an mehreren Universitäten gelaufenen Studien ist auch, dass es ideal ist, die Restaurationen zu polieren und keinerlei lichthärtende Oberflächenversiegelungen anzuwenden, die das Risiko bergen, zu Verfärbungen zu führen.

Welche Vorteile bietet ein individuell 3D-gedruckter Prothesenzahn gegenüber den bisherigen konfektionierten Zähnen?

Josef Schweiger: Diese Frage wird die Dentalwelt in der nächsten Zeit tatsächlich noch massiv bewegen. Hier könnte sich eine Revolution anbahnen. Die Vorteile sind vielschichtig und von enormem Impact. Der größte Mehrwert liegt sicherlich in der Freiheit der Zahnform. Man ist nicht mehr an feste Zahngarnituren gebunden, sondern kann aus unendlich vielen Zahnformen auswählen. Auch die Größe der Zähne ist nicht mehr statisch festgelegt, sondern sie kann individuell stufenlos skaliert werden. Damit ergeben sich Milliarden von möglichen Ersatzzahnformen. Eine unfassbare Vorstellung. Hinzu kommt der Aspekt, dass die digitale Zahnaufstellung bei partiellen Prothesen, insbesondere bei den Modellgussprothesen, extrem effizient und damit hochwirtschaftlich ist. Dass es künftig auch möglich sein wird, geschichtete Prothesenzähne additiv herzustellen, zeigen erste Pilotprojekte im Bereich des Multimaterial-3D-Drucks. Es bleibt also spannend.

Herzlichen Dank für das interessante Gespräch.