Seit mehr als zehn Jahren hat das AnyRidge-Implantat von Megagen einen kleinen Siegeszug um die Welt gehalten. Was bewegt einen Implantologen aus Deutschland, sich eines Tages bei dem breiten verfügbaren inländischen und europäischen Angebot mit einem koreanischen Implantat auseinanderzusetzen?

Bild: Interview mit Dr. med. dent. Nicolaus Bär

pip: Was hat Sie am AnyRidge-Implantat bzw. dem Konzept besonders überzeugt?

Nicolaus Bär: Ich war davor tatsächlich über 15 Jahre systemtreu bei einem anderen Anbieter. Mich machte dann die Aussage der messbar hohen Primärstabilität beim AnyRidge-Implantat und die Option, ab einem ISQ von 75 direkt weiterbehandeln zu können, neugierig. Mit Aufnahme des Megagen-Systems in mein eigenes digitales Konzept konnte ich dieses noch einmal deutlich beschleunigen, indem ich z. B. bereits bei der Extraktion implantieren und scannen kann. Dadurch konnte ich die Anzahl der Termine für die Patienten deutlich reduzieren.

pip: Dieses Besondere Implantat löst also Probleme?

Nicolaus Bär: Natürlich nicht, denn es geht immer um ein Konzept. Wenn Sie Grenzen ausloten wollen, sollten Sie in jeder Hinsicht gut gerüstet sein. Das fängt bei dem eigenen Erfahrungshorizont an und endet bei einem guten Instrumentarium. Also haben wir bei diesem Konzept auch sofort navigierte Chirurgie eingesetzt. Megagen bietet mit der prothesen-orientierten Planungssoftware R2Gate ja auch ein sehr schlüssiges, einfach zu erlernendes und sehr effizientes Modell an. Selber setze ich schon seit 2013 den Align iTero für das IOS ein – für mich seit je der beste, präziseste Scanner für Implantologie und Prothetik – und so konnten wir zeigen, dass im Zusammenspiel von R2Gate und iTiero die Präzision so hoch ist, dass sowohl Einzelzähne als auch benachbarte Implantate mit einer im Vorfeld gefertigten verschraubten oder auch zementierten Keramikkrone sofort versorgt und belastet werden können. Über dieses mögliche Messen des ISQ direkt während der Implantation eines AnyRidge haben bei uns die Sofortimplantationen und Sofortversorgungen signifikant zugenommen.

pip: Jeder Patient bekommt bei Ihnen also die berühmten ‚teeth in an hour‘?

Nicolaus Bär: Damit haben sich einige ja schon damals keinen Gefallen getan. Jeder Patient hat seine individuellen Vorgaben, seine persönlichen Risikobereiche – und so bleibt die Sofortversorgung und Sofortbelastung Gegenstand einer sehr sorgfältigen Anamnese und Auswahl. Allerdings haben uns das AnyRidge-Implantat und auch der Workflow mit R2Gate ganz neue Horizonte eröffnet und diesen potentiellen Patientenkreis deutlich erweitert. Selbst mit der besten Erfahrung und dem perfektesten Instrumentarium werden Sie aber Limitationen und nicht vertretbare Risiken auch nicht aushebeln – hier halten wir uns ungebrochen an die Literatur, die einschlägigen Leitfäden und unsere Praxiserfahrung.

pip: Konnte Ihr Labor diese neuen Prozesse direkt mitgehen?

Nicolaus Bär: Das Labor Zirkon Customs von Christopher Jehle in Augsburg ist ein ausgewiesener Experte beim R2Gate, aber während der digitalen Aufbauphase war uns das Labor Dental-Technik Schülner aus Stockheim der kompetente Partner, mit dem wir alle Prozesse weiterentwickeln und voranbringen konnten. Wenn überhaupt noch etwas zu wünschen übrig bleibt, würde ich mir von Megagen und auch anderen Herstellern wünschen, die Labors aktiver zu unterstützen, um den digitalen Workflow zu etablieren. Für viele Praxen ist das inzwischen essentiell – und der Anteil wird in Zukunft eher steigen. Ich hatte Glück, mein Labor ist jeden Schritt mit uns mitgegangen und hat es als willkommene Gelegenheit genutzt, sich auf diesem Gebiet zu spezialisieren. Wovon gern dann auch andere Praxen profitieren dürfen, mit denen sie zusammenarbeiten.

pip: Wie hat Ihre Praxis den Shutdown überstanden?

Nicolaus Bär: Ehrlich gesagt, wer mit Hepatitis und HIV keine Probleme hat, den konnte Covid-19 auch nicht erschüttern. Natürlich haben auch wir erstmal kurz Luft geholt und uns geschüttelt, dann aber in Absprache mit dem Gesundheitsamt sogar freiwillig Corona-Patienten in unserer Praxis behandelt. Die KZVB hat uns dankenswerterweise viele Freiheiten gelassen, da taten mir in anderen Bundesländern die Kollegen oft leid. Denn ich frage Sie: Wenn ein Zahnarzt damals in der ersten Phase die Praxis geschlossen hat, wie will er seinen Patienten denn erklären, wieso er nun problemlos wieder öffnen kann? Oder, um es mit dem geschätzten Kollegen Markus Tröltzsch zu sagen: Es wird keine Zeit ‚nach Corona‘ geben.

pip: Herzlichen Dank für Ihre Zeit und dieses Gespräch.