Die „Biodigitale Implantologie“ ist ein von Dr. Sebastian Beisel geprägtes Konzept und vereint darunter fortschrittliche biologische Prinzipien mit digitaler Technologie, um individualisierte und hochpräzise Implantatversorgungen zu schaffen.
Interview mit Dr. med. dent. Sebastian Beisel, Oralchirurgie
Irgendwie stolpern wir über „biodigital“ – ist das nicht ein Widerspruch in sich?
Sebastian Beisel: Ganz im Gegenteil; Biodigital ist keine Mischung aus Biologie und Science Fiction, sondern die konsequente Evolution dessen, was wir längst klinisch und biologisch wissen. Ich kombiniere biologische Konzepte, beispielsweise den Einsatz autologer Blutkonzentrate wie PRF, die Wachstumsfaktoren in hoher Konzentration freisetzen, mit präzisem digitalem Backward-Planning. Ebenso betrachte ich den Patienten als Ganzes, nicht nur isoliert mein OP-Gebiet – ich versuche den ganzen Körper meines Patienten mit Vitaminen und Mikronährstoffen auf das vorzubereiten, was ihn in meinem OP erwartet. In dieser Kombination wird aus dem – gegebenenfalls zusätzlich unterstützten – körpereigenen Potenzial und der modernsten digitalen Planung ein Synergieeffekt, der sowohl die Osseointegration beschleunigt als auch den chirurgischen Eingriff minimalinvasiv gestaltet und vor allem viel präziser macht. Biologie und Bits passen in der Implantologie einfach super zusammen.
In welcher Hinsicht schlagen sich fortschrittliche biologische Prinzipien auch in der Verwendung der Hardware nieder?
Sebastian Beisel: Ich denke und arbeite grundsätzlich nicht in konfektionierten Workflows oder mit konfektionierten Implantat-Teilen, sondern immer in und mit patientenspezifischen Lösungen: Mittels inhouse-3D-gedruckter Fully-Bohrschablonen und individualisierter Aufbauteile wie individuell gedruckte Gingivaformer oder Sofort-Provisorien auf Basis hochpräziser digitaler Diagnostik. Segmentierte DVT und Intraoralscans sowie digitale Patienten-Avatars sorgen in der Kombination für eine perfekte Planung – und der 3D-Drucker dann für die korrekte Umsetzung. So können wir gewebeschonend arbeiten und die natürlichen Strukturen situationsindividuell stützen und erhalten. Gleichzeitig versorgen bzw. regelrecht fluten wir körperfremde Materialien wie Implantatoberflächen, Knochenersatzmaterialien oder Membranen mit hoch bioaktiven körpereigenen Wachstumsfaktoren mittels PRF, was die Zelladhäsion fördert und gezielt die Knochenneubildung steuert.
Das Megagen-System als unsere Implantat-Hardware wird damit zum Bioreaktor – nicht nur als eine Säule, sondern als aktiver Verbündeter in der Wundheilung.
Inwiefern eignet sich Ihr biodigitales Konzept besonders für die beim Patienten so beliebten Sofortimplantationen?
Sebastian Beisel: Da sollten Sie besser differenzieren: Sofortimplantation ist kein Mode-Trend, sondern eine Frage des biologischen Timings. Wir wissen heute, dass man mit dem richtigen operativen Protokoll Hart- und Weichgewebe nach der Zahnentfernung nicht mehr verlieren muss. Wir können durch Sofortimplantationen nicht nur die Konturen der Alveole und der marginalen Gingiva erhalten, sondern auch die postoperative Morbidität und Beschwerden unserer Patienten deutlich verringern und damit die Lebensqualität entscheidend verbessern. Mein biodigitaler Workflow beinhaltet präzise digitale Diagnostik, digitale Implantatplanung und Umsetzung der idealen Implantatposition mittels eigens gedruckter Bohrschablonen. Eine schonende Osteotomie und ein spezielles Protokoll der Biologisierung helfen der Wundheilung und der Knochenregeneration. Das Ergebnis: minimale Traumabelastung, maximale Primärstabilität und eine Heilphase, die messbar kürzer ist als bei konventionellen Protokollen. Kurz: Wir können unsere Patienten einfach glücklicher machen.
Ihre Praxis ist technisch hochgerüstet, strahlt aber eine große Wärme und Freundlichkeit aus.
Sebastian Beisel: Moderne Zahnmedizin muss nicht kühl und unnahbar sein. Während wir entschieden hinter Closed-Loop-Software und KI-gestützter Diagnostik stehen, legen wir gleichzeitig großen Wert auf empathisches Teamwork und eine Patientenführung auf Augenhöhe. Jeder Patient soll bei uns spüren: High-End-Technologie kann Hand in Hand gehen mit persönlicher Zuwendung. Denn am Ende des Tages heilt Biologie am besten dort, wo Vertrauen das Skalpell begleitet – das ich bei meinem biodigitalen OP-Protokoll idealerweise gar nicht benötige.
Herzlichen Dank für das Gespräch.
