Camlog wächst weiter und baut sein Portfolio konsequent aus. Im Gespräch mit der Geschäftsführung zeigt sich, welche Rolle die Progressive-Line-Implantate, der digitale Workflow und der Einstieg in die Point-of-Care-Diagnostik für die zukünftige Ausrichtung des Unternehmens spielen.
Interview mit Markus Stammen, Geschäftsführer Camlog, und Martin Lugert, Geschäftsführer Camlog
Camlog ist ungebrochen auf Wachstumskurs, die Implantat-Stückzahlen sind auch 2025 gestiegen. Was ist Ihr Erfolgsrezept?
Martin Lugert: Rund 1,6 Millionen Zahnimplantate werden pro Jahr in Deutschland eingesetzt – davon stammt mehr als jedes vierte Implantat aus dem Hause Camlog. Dieser Erfolg kommt nicht von ungefähr: Made in Germany, Service und Teamspirit sind weiterhin die treibenden Kräfte in unserem Unternehmen.
Markus Stammen: Camlog hat außerdem den Mut, vieles etwas anders zu machen. Ein Beispiel dafür ist unsere im Februar gestartete Kampagne ‚Die Zukunft beginnt sofort‘. Im Fokus steht die Progressive-Line, die drei Implantatlinien vereint: Camlog, Conelog und Ceralog. Das Portfolio signalisiert Vielseitigkeit, Leistungsstärke und Anwenderfreundlichkeit, also eine klare Zukunftsorientierung.
Martin Lugert: Progressive-Line Implantate eignen sich für alle Knochenqualitäten und ermöglichen eine umfassende Palette von Behandlungsoptionen. Ob sehr harter oder sehr weicher Knochen, ob Einzelzahn- oder Komplettversorgungen – mit nur einer Chirurgiekassette lassen sich alle Therapievarianten abdecken. Das Implantatdesign sorgt für hohe Primärstabilität auch in herausfordernden klinischen Situationen, was insbesondere bei Sofortimplantationskonzepten essenziell ist.
Markus Stammen: Und der Trend geht eindeutig in Richtung Sofortimplantation, das gilt auch für Deutschland.
Neu eingeführt haben Sie die Camlog Progressive-Line-Promote mit einem 1,4 mm maschinierten Implantathals. Warum?
Martin Lugert: Wir bieten Anwendern damit die Flexibilität, innerhalb eines Systems verschiedene herausfordernde Situationen lösen zu können. Von der Promote-Variante profitieren insbesondere Patienten mit parodontitisbedingtem Zahnverlust. Denn sie haben ein erhöhtes Periimplantitisrisiko, das der maschinierte Halsbereich aufgrund einer besseren Hygienefähigkeit zu reduzieren hilft.
Apropos Flexibilität: Wie unterstützen Sie Behandler mit Blick auf eine Reduzierung der, Zeit am Stuhl‘?
Markus Stammen: Wir haben anatomisch vorgeformte, sterile PEEK Gingivaformer entwickelt, um sowohl den digitalen Workflow als auch ein ästhetisches Emergenzprofil zu unterstützen. Die ‚Gingividuals‘ sind ab Mai in Deutschland in sechs Zahnformen und zwei Gingivahöhen erhältlich und direkt scannbar. Das spart Behandlungszeit und ist für die Patienten besonders komfortabel.
Die digitale Implantologie entwickelt sich rasant. Als Gamechanger bei implantatgetragenen Full-Arch-Versorgungen gilt die Technik der Photogrammetrie. Ist das für Camlog ein Thema?
Markus Stammen: Definitiv! Photogrammetrielösungen, also die optische 3D-Positionserfassung der Implantatposition im Mund, vereinfachen die Protokolle für Full-Arch-Konzepte erheblich. Diese Scan- und Matching-Technologie ermöglicht einen spannungsfreien Sitz von direkt verschraubten implantatgetragenen Full-Arch-Versorgungen. Das senkt die Behandlungszeit und revolutioniert die provisorische Sofortversorgung sowie die Herstellung der definitiven Arbeit.
Wir stellen bereits unterschiedlichen Anbietern von Photogrammmetriesystemen Daten unseres Multi-unit-Systems zur Verfügung. Zudem planen wir eine Kooperation mit einem Hersteller. Am 5. und 6. Juni 2026 veranstaltet Camlog in Hamburg unter dem Titel ‚Immediate Excellence‘ mit renommierten Referenten aus Deutschland ein kompaktes Update für die Praxis. Auch das Thema Photogrammetrie wird aufgegriffen.
Camlog hat ein sehr breites Portfolio an Biomaterialien. Was gibt es Neues in diesem Segment?
Martin Lugert: Mit dem dev-os-System, einer Komplettlösung zur Membranstabilisierung und Knochenfixierung, haben wir das Sortiment bereits im vergangenen Jahr erweitert. Frisch gelauncht wurde im Februar der Bone Scraper ‚360 Grad‘.
Was verbirgt sich hinter den ,360 Grad‘?
Martin Lugert: Es ist die Drehbarkeit der Bone-Scraper-Klinge. Wird ein Segment stumpf, lässt sich die Klinge drehen, um ein neues, scharfes Klingensegment freizulegen. Dadurch verbessert sich die Schneidleistung und somit steigt das Knochenvolumen, das entnommen werden kann.
Eher spät eingestiegen ist Camlog in die ,Point-of-Care‘-Diagnostik. Aus welchem Grund?
Martin Lugert: Wir bieten unseren Kunden in der DACH-Region seit Oktober 2025 die sogenannte QuantOn-Technologie der Firma Preventis an. Preventis-Vitamin-D- und -Ferritin-Smar-Tests – bestehend aus einem Schnelltest-Kit und einer Smartphone-App – ermöglichen innerhalb weniger Minuten eine präzise Auswertung direkt in der Zahnarztpraxis, ausschließlich über die Smartphone-Kamera, ohne Cube-Reader, ohne Laboreinsendung. Wir haben uns die Vertriebsrechte innerhalb der Zahnmedizin gesichert. Ein suffizienter Vitamin-D-Spiegel kann unter anderem die Knochenneubildung und Mineralisierung begünstigen und dadurch zu einer verbesserten Osseointegration dentaler Implantate führen. Den wissenschaftlichen Hintergrund beleuchtet auch die jetzt veröffentlichte DGI/DGZMK-S3-Leitlinie ‚Relevanz der Vitamin-D-Bestimmung und -Supplementierung auf die Implantatprognose und Augmentationschirurgie‘.
Stammen: Die Point-of-Care-Diagnostik hat in der Implantologie ein großes Potenzial und wir werden diesen Bereich auch international weiter ausbauen.
Last, but not least: Stimmt es, dass das bekannte Filmteam von ,Welt der Wunder‘ bei Ihnen eine Unternehmensdokumentation gedreht hat?
Martin Lugert: Das ist richtig. Der Beitrag zeigt exklusiv, wie unsere Implantate ‚made in Germany‘ in Wimsheim gefertigt werden, und erklärt, welche technologischen Standards, menschlichen Werte und Innovationen hinter unseren Produkten stehen. Der Film macht deutlich, wie unsere Kunden Patienten mit Camlog-Produkten Lebensqualität zurückgeben.
Herzlichen Dank für das Gespräch.
