Mit mehr als 4.500 registrierten Teilnehmer aus über 25 Ländern bot die Dentsply Sirona World im November erstmalig als vollständig virtueller Event den weltweiten Einschränkungen durch COVID-19 erfolgreich die Stirn. In mehr als 70 Kursen von internationalen Meinungsbildnern und sechs von Spezialisten durchgeführten Live-Operationen bot die Woche das gesamte Fortbildungsspektrum der Zahnmedizin. „Healthy practices for healthy smiles” umfasste dabei das Patientenwohl ebenso wie das Wohl der Anwenderpraxis. pip sprach ebenso virtuell mit Dr. Terri Dolan, Vice President and Chief Clinical Officer.

Bild: Dr. Terri Dolan während des Interviews mit der Redaktion von pip

pip: Eine Pandemie trifft ein Weltunternehmen wie Dentsply Sirona sicher im gestreckten Lauf…?

Terri Dolan: Ganz klar. Sie haben am Anfang schon alle Hände voll zu tun, den Schutz der Vielzahl der Mitarbeiter sicherzustellen und die internen Abläufe neu zu organisieren, ehe Sie wieder koordiniert nach außen gehen können. Dafür gab uns der erste Lockdown allerdings die nötige Atempause, sodass wir im Frühsommer die erforderliche Infrastruktur erstellt hatten und die Prozesse sehr nahtlos ablaufen konnten. Ich habe wiederum beobachtet, dass die neuen Arbeitsweisen uns teilweise sogar erlaubten, fokussierter zu bleiben und ein Thema damit straffer und effizienter durchzuarbeiten. Nicht nur in den Kliniken und Praxen sind digitale Workflows ein Garant für eine bessere Effizienz, auch wir durften feststellen, dass einige Prozesse, die wir in der COVID-19-Krise neu implementiert haben, auch künftig als Antwort auf die Herausforderungen von heute beibehalten werden sollten.

pip: Welche neuen Formate haben Sie implementiert um mit Ihren Anwendern in Verbindung zu bleiben – und konnten Sie dabei Unterschiede in verschiedenen Teilen der Welt bemerken?

Terri Dolan: In einer Krise muss das Headquarter eines globalen Unternehmens der Peripherie mehr zutrauen, und so fand auch bei uns jedes Land seine eigene Weise, mit seinen Anwendern in Verbindung zu bleiben und die dafür besten Kommunikationsformen zu entwickeln. Wir haben, um Ihnen einen Eindruck zu geben, 2019 insgesamt 250.000 Teilnehmer mit Online-Kursen erreicht, in 2020 sind es bisher 800.000, davon 750.000 Zahnärzte. In China z. B. gibt es einen sehr populären Dienst namens WeChat, eigentlich eine simple Chatfunktion für das Smartphone. Wir haben Webinare gestützt durch diese Technologie angeboten, sodass die Teilnehmer die Möglichkeit hatten, virtuell an Vorträgen mit Experten teilzunehmen. Anfangs wurden natürlich vor allem Inhalte geteilt, die mit dem Infektionsgeschehen und den nun erforderlichen Maßnahmen und Erfahrungen zu tun hatten, wobei wir von unserem globalen Netzwerk enorm profitieren konnten, indem innerhalb unseres weltweiten COVID Coordinating Committee die Inhalte aufbereitet und für alle geteilt wurden.  Zahnärzte in China hatten ja einen Erfahrungsvorsprung und konnten viele wertvolle Ratschläge zur Sicherheit und Infektionskontrolle teilen. Ebenso konnten wir gemeinsam die Anstrengung koordinieren, auch die Patienten zu überzeugen, dass eine Zahnbehandlung nicht verschoben werden muss, sie sogar im Sinne der Allgemeingesundheit und einer guten Immunabwehr gar nicht werden sollte. Durch die internationale Vernetzung konnten wir in all diesen Bereichen ein großartiges Lernen voneinander beobachten, das dann auch für den Erfahrungsaustausch bei klinischen Workflows weiter gepflegt wurde.

Gleichzeitig haben wir die Chance auch genutzt, Meinungsbildner in den Möglichkeiten digitaler Fortbildungs- und Trainingsformen aus- und weiterzubilden, und z. B. eine Webinar-Serie mit sechs führenden Implantologinnen in den USA implementiert. Wir haben dabei auch schnell gelernt, dass niemand stundenlang vor dem PC sitzen mag, um sich passiv mit Inhalten berieseln zu lassen, also haben wir sehr schnell interaktive Formen entwickelt, bei denen individuelle Fragen geklärt werden können. Natürlich konnten wir beim Einbinden vieler KOL auf unsere langjährigen und gewachsenen Beziehungen weltweit zurückgreifen, die sich in der Krise als enorm belastbar erwiesen haben,  aber wir durften auch bei vielen neuen Kontakten einen großen Enthusiasmus erleben, mit Dentsply Sirona zusammenzuarbeiten und besonders nun durch die digitalen Kanäle einen weltumspannenden Empfängerkreis erreichen zu können und die gelebte Begeisterung unseres Unternehmens für die Zahnmedizin und für Exzellenz zu teilen.

Dentsply Sirona World

Im Interview: Dr. Terri Dolan (Dentsply Sirona), Marianne Steinbeck (pip Redaktion), Anna Bruns (Dentsply Sirona)

pip: Neben der Adaption digitaler Kommunikationsmöglichkeiten: Konnten Sie auch im klinischen Bereich beobachten, dass sich Anwender mehr mit digitalen Prozessen anfreundeten?

Terri Dolan: Eindeutig, wobei es verschiedene Gründe hierfür gibt: Zum einen hatten viele Zahnärztinnen und Zahnärzte während des Lockdowns, der im Gegensatz zu Ihnen in einigen Ländern ja total, also mit wochenlang geschlossenen Praxen von statten ging, Gelegenheit, sich mit dem doch komplexen Thema des digitalen Workflows in ihrer Praxis in Ruhe und eingehend zu befassen. Viele Zahnarztpraxen haben über Strecken ja nur Notfälle behandelt und boten in diesem Zeitraum keine Routineversorgung an. Daneben stieg natürlich der Druck, nach Wiedereröffnen die Praxis möglichst effizient zu führen, um verlorene Zeit wieder gut zu machen und auch die aufgelaufenen Behandlungstermine zeitnah abarbeiten zu können. Und nicht zuletzt steigt natürlich die Attraktivität einer „single visit dentistry“ ganz enorm, wenn es auch darum geht, den Patienten möglichst wenig potenziellen Infektionsquellen auszusetzen, nicht nur in der Praxis selbst, sondern auch auf seinem Weg dorthin, bei der Nutzung des Öffentlichen Nahverkehrs etc. Wenn man so will, hat die Pandemie in dieser Hinsicht einen positiven Entwicklungsschub hervorgebracht, der vielleicht ansonsten doch noch länger gedauert hätte. Und wir beobachten in allen Ländern, dass Praxen, die die Zeit mit Mut genutzt haben, in ihre Praxis und neue Technologien und Arbeitsprozesse zu investieren, nun ganz anders in der sogenannten ‚neuen Normalität‘ angekommen sind und nachhaltig profitieren werden.

pip: Hat die Pandemie wiederum den durchweg sehr dynamischen Innovationsprozess bei Dentsply Sirona ausgebremst?

Terri Dolan: Sie spielen vermutlich auch auf unsere Absage einer Teilnahme an der IDS an. Wie unser CEO Don Casey aber schon deutlich gemacht hat, war dieser Schritt ebenso wie die Absage der realen Dentsply Sirona World in Las Vegas die traurigsten Tage dieses Jahres. Auch wir vermissen den direkten Kontakt zu unseren Anwendern und hatten uns darauf gefreut, in Köln wieder ein ebensolches begeisterndes Innovations-Feuerwerk zu zünden wie beim letzten Mal. Wir haben als Medizin-bzw. Dentalunternehmen jedoch eine besondere Verantwortung für die Gesundheit unserer Kunden und unserer Mitarbeiter.  Unsere Innovations-Pipeline ist aber wohl gefüllt, wir haben in den letzten Monaten in vielen Ländern das neue 2D/3D-Röntgengerät Axeos, den Xios AE Intraoralsensor und das neue Füllungsmaterial Surefil one vorgestellt. Bleiben Sie also gespannt auf die Innovationen im Jahr 2021 – und bleiben Sie gesund.

Herzliches Danke für dieses ausführliche Gespräch.