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ESCI 2025: Keramikimplantate – Fakten, Fortschritt, Jubiläum

ESCI 2025: Der 3. European Congress for Ceramic Implant Dentistry (ESCI)-Kongress 2025 (25.–27. September in Horgen bei Zürich) steht unter dem Motto „Facts of Ceramic Implants Part III“ und vereint neueste Forschung, klinische Anwendungen und ein historisches Jubiläum. Im Interview gibt Dr. Jens Tartsch Einblicke in Highlights, Ziele und Visionen des europaweit einzigartigen Keramikkongresses.

Interview mit Dr. Jens Tartsch

Herr Dr. Tartsch, der ESCI-Kongress 2025 steht unter dem Motto „Facts of Ceramic Implants Part III“. Welche Inhalte stehen dieses Jahr besonders im Fokus?

Das Motto wurde nicht zufällig gewählt. Bereits zum dritten Mal wollen wir mit Mythen aufräumen und wissenschaftlich fundierte Fakten zur Keramikimplantologie präsentieren. Der Kongress gliedert sich in drei Schwerpunkte (Chapter), die alle Aspekte des Fachgebiets abdecken. Chapter 1 „material aspects“ beschäftigt sich mit dem Bio-Material Zirkondioxid für dentale Implantate. Es wird um Herstellung, Neuentwicklungen, Oberflächengestaltung, Stabilität und vieles mehr in diesem Zusammenhang gehen. Aber auch die neueste Evidenz und klinische Studienlage, sowie die Notwendigkeit von Leitlinien wird in diesem Grundlagen-Chapter präsentiert.

Chapter 2 „biological aspects“ widmet sich den biologischen Zusammenhängen der Immunologie der verschieden Implantat-Materialien sowie den wissenschaftlichen Hintergründen von Blutkonzentraten. Den größten Raum wird Chapter 3 „clinical application“ eingeräumt. Von der ästhetischen Einzelzahnversorgung in der Front über full arch rehabilitation bis hin zum digital workflow teilen hier langjährige Experten ihre Erfahrungen mit Keramikimplantaten mit dem Auditorium. Der Kongress bringt daher sowohl dem interessierten Einsteiger als auch dem erfahrenen Anwender oder Wissenschaftler wertvollen Input für eine erfolgreiche Anwendung von Keramikimplantaten.


2025 markiert auch das 60-jährige Jubiläum der Implantologie. Welche Bedeutung hat das für die ESCI und wie wird es im Programm aufgegriffen?

Tatsächlich wurde am Datum des ESCI-Kongresses 1965 das erste dentale Implantat von Prof. Per-Ingvar Brånemark gesetzt. Dieses historische Ereignis wird besonders gewürdigt: Prof. Thomas Albrektsson, enger Wegbegleiter Brånemarks, hält eine Keynote zu dieser Entwicklung.

Beim ESCI SWISS Gala Dinner kommen auch Prof. Ronald Jung (ITI-Präsident) und erneut Prof. Albrektsson zu Wort. Für die ESCI ist dieses Jubiläum Anlass, wissenschaftliche Meilensteine zu feiern und die biologisch verträgliche Implantologie weiter in die Zukunft zu tragen.

Neben den Fachvorträgen bietet der Kongress praxisorientierte Workshops und Live-Operationen, unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Zahnmedizin der Universität Zürich. Was können die Teilnehmer von diesen Formaten erwarten?

Die acht hochklassigen und praxisorientierten Workshops bieten den Teilnehmern eine Gelegenheit, neueste Techniken in Zusammenhang mit Keramikimplantaten zu erlernen und sich mit den verschiedenen Implantatsystemen vertraut zu machen. Hervorzuheben ist auch diesmal, dass es der ESCI gelungen ist, diese Workshops für die Teilnehmer kostenlos anbieten zu können.

Ein besonderes Highlight ist hierbei der PreCongress-Workshop in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Zahnmedizin der Universität Zürich (ZZM). Erstmal nimmt sich eine Hochschule offiziell dem Thema Keramikimplantate an. Bei diesem Ganztages-Workshop können die Teilnehmer in drei Live-Operationen mit drei unterschiedlichen Systemen (Ceralog, Nobel Pearl und Pure/Neodent) den erfahrenen Spezialisten Prof. Dr. Ronald Jung, Dr. Marc Balmer und Dr. Jens Tartsch über die Schulter schauen. Jeweils nach der entsprechenden OP können die Erkenntnisse in einem Hands-on Workshop selber praktisch umgesetzt  werden. Dieser PreCongress Workshop ermöglicht somit einen einzigartigen Einstieg in die Keramikimplantologie, einen Überblick über verschiedene Keramikimplantatsysteme und wertvollen neuen Input für bereits erfahrene Anwender. 

Die ESCI fördert aktiv den wissenschaftlichen Nachwuchs. Wie sieht das konkret aus? 

Junge Forscher und Kliniker können ihre Arbeiten einreichen und am ESCI Award teilnehmen. Die besten Beiträge werden durch den wissenschaftlichen Beirat ausgezeichnet. Der Gewinner erhält 1.000 CHF und darf seine Arbeit im Rahmen eines Kurzvortrags präsentieren. Darüber hinaus bieten interaktive Workshops und Diskussionen eine hervorragende Plattform für Austausch und Netzwerkbildung mit erfahrenen Experten.

Abschließend: Welche Entwicklungen sehen Sie für die Zukunft der Keramikimplantologie – und welche Rolle spielt die ESCI dabei? 

Die Keramikimplantologie wird zunehmend als hochwertige Alternative und Ergänzung zu Titanimplantaten anerkannt, insbesondere aufgrund ihrer biologischen Verträglichkeit und ästhetischen Vorteile. Für die Zukunft sehe ich eine verstärkte Integration neuer Materialien, digitaler Fertigungstechnologien und minimalinvasiver Verfahren, die die Behandlung noch effizienter und patientenfreundlicher machen. Die ESCI spielt eine Schlüsselrolle, indem sie die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse fördert, praxisorientierte Fortbildungen anbietet und den interdisziplinären Austausch zwischen Forschern, Praktikern und Kliniken intensiviert. Vor allem aber über ihre Mitglieder schafft die Fachgesellschaft ESCI auf neutraler, unabhängiger und wissenschaftlich-/klinisch- orientierter Basis eine europaweites Netzwerk im Sinne einer familiären Community. Damit trägt die ESCI aktiv dazu bei, die Keramikimplantologie weiter zu fördern, zu etablieren und Innovationen voranzutreiben.

Herzlichen Dank für das Gespräch.