Die Existenzgründung ist kein einfaches Unterfangen. Aus diesem Grund haben wir spannende Fragen an Zahnarzt Maximilian Duckwitz gerichtet, der ausgerechnet im Corona-Jahr 2020 seine eigene Praxis gegründet und seither das DZR als starken Partner an seiner Seite hat.

 

Was denken Sie, wann ist der passende Zeitpunkt, seine Selbstständigkeit zu planen?

Den perfekten Zeitpunkt, die Selbstständigkeit zu planen, gibt es nicht. Aus meiner Sicht ist es allerdings ratsam, einige Zeit vorher in einem Angestelltenverhältnis gearbeitet zu haben, um Berufserfahrung zu sammeln. Mindestens zwei Jahre empfinde ich als angebracht.

Was sind neben den finanziellen Aspekten die größten Hürden?

Die größte Hürde ist wahrscheinlich, die geeignete Praxis respektive Immobilie zu finden. Damit steht und fällt im Endeffekt alles: Die Praxisräume müssen einfach passen und man muss immer im Hinterkopf haben, dass die Anforderungen an eine Zahnarztpraxis heute ganz anders sind, als noch vor 30 Jahren. Der andere entscheidende Aspekt, ist das Personal. Auch hier sollte man schauen, dass man frühzeitig geeignete Mitarbeiter an seiner Seite hat.

Was kann in der stressigen Anfangsphase Abhilfe schaffen?

Freizeit, ganz viel Freizeit – Sport, Ablenkung, Familie. Handy weg, einfach mal nicht an die Praxis denken. Innerhalb der Praxis, ist dann der gesunde Mix aus erfahrenen und jungen Kräften wichtig. Man muss sich darauf verlassen können, dass einem das gesamte Team den Rücken freihält.

Weiterbildung ist sehr wichtig. Man lernt in der Uni nur die Grundlagen und oft hat man dabei nicht alles behandelt, was man gerne gehabt hätte.

Stichwort Marketing: Wichtig während und nach der Gründungsphase – oder zu hoch gelobt?

Bei einer Übernahmepraxis empfinde ich das als nicht ganz so wichtig, da bereits ein entsprechender Patientenstamm vorhanden ist und man mehr Gewicht darauf legen sollte, den Patienten den Führungswechsel rechtzeitig zu kommunizieren. Bei einer Neugründung ist Marketing allerdings ein essentieller Faktor. Eine gute Homepage, mit der die Patienten aufmerksam gemacht werden und einen finden können, ist in der Anfangsphase ein enorm wichtiger Bestandteil. In meinem Fall, auch durch Corona bedingt, hat es circa ein Jahr gedauert, bis ein entsprechender Patientenstamm aufgebaut war – manchmal dauert dies allerdings auch länger. In den nachfolgenden Jahren kommen Patienten dann hauptsächlich auf Empfehlung und da geht es dann in erster Linie nur noch darum, dass man auffindbar ist, wenn man gesucht wird.

Wie wichtig ist es, sich nach dem Studium weiterzubilden?

Weiterbildung ist sehr wichtig. Man lernt in der Uni nur die Grundlagen und oft hat man dabei nicht alles behandelt, was man gerne gehabt hätte. Was aber vielleicht noch viel wichtiger ist, ist eine gute Vorbereitungsstelle. Gerade in den ersten beiden Jahren kann es von Vorteil sein, einen erfahrenen Arzt an seiner Seite zu wissen, der einen betreut und hilft, wenn Fragen aufkommen. Das ist richtig viel wert.

Welchen Rat würden Sie potenziellen Existenzgründern geben, den Sie gerne gehabt hätten?

Lass dir Zeit und plane ganz konservativ! Man braucht bei vielem mehr Zeit und finanzielle Mittel, als man zunächst geplant hatte. Manchmal dauert es einfach länger als man denkt, bis sich Patientenströme entwickeln. Darüber hinaus ist es ganz wichtig, sich vor der Gründung genügend Zeit zu lassen und es nicht zu übereilen.

Ergänzende Frage: Wie wichtig ist die ‚Eigenanamnese‘ bevor man gründet – bin ich der Unternehmertyp, kann ich Mitarbeiter führen und so weiter?

Diese Frage stellt man sich, glaube ich, ganz automatisch, wenn man mit dem Gedanken spielt, sich selbstständig zu machen. Man muss sich durchaus bewusst sein, dass man als selbstständiger Zahnarzt nicht mehr nur Mediziner ist, sondern auch Personalmanager, Betriebswirt und am Ende auch Facility Manager. Man muss in jedem Fall ein gewisses Maß an Selbstvertrauen haben, sonst ist eine Selbstständigkeit wenig sinnvoll. Generell gilt, dass man auch in einem guten Angestelltenverhältnis glücklich sein kann. Für mich war es allerdings bereits nach dem Abitur klar, dass ich irgendwann mein eigener Chef sein will. Trotzdem sollte man sich gut überlegen, ob man diesen Mehraufwand auf sich nehmen will und ob das einen glücklich macht oder eher belastet.

Wie wichtig ist der Faktor Patient gerade in der Anfangsphase?

Essenziell! Ohne Patienten, keinen Umsatz – und ohne Umsatz kein glücklicher Chef. Es ist wichtig, Patienten in die Praxis rein zu bekommen, damit sie die Praxis sehen und kennenlernen. Dann nimmt das ganze seinen Lauf.

Work-Life-Balance: Wie lässt sich Unternehmertum und Familie vereinbaren?

Schwieriges Thema, weil man als Zahnarzt mit kranken Kindern daheim kein Homeoffice machen kann. Man braucht um eine Work-Life-Balance überhaupt erreichen zu können, Rückhalt von daheim – ohne das, gestaltet es sich schwierig. Aber man muss sich auch von diesen traditionellen Zahnärzten verabschieden, die 50 Stunden die Woche gearbeitet haben, so kann man keine Work-Life-Balance erreichen. Ich behandele selbst gerade knapp 30 Stunden die Woche, weil es vom Patientenvolumen, ausreichend ist. Ich kann hier jedem nur empfehlen, ganz genau auf sich und seine Familie zu achten, damit man nicht zu viele Stunden in die Praxis investiert. Neben der Behandlung von Patienten gibt es schließlich noch andere Punkte in der Praxis, die nicht vergessen werden dürfen: Bürokratie, Abrechnung und die Erfüllung der Dokumentationspflicht. Wenn man dann 40 Stunden behandelt, kommt man ganz schnell auf seine 50 Stunden. Ich würde daher empfehlen, sich gut zu überlegen, wie viel und wann gearbeitet wird? Ich persönlich habe meine Arbeitszeiten so gelegt, dass ich, meine Kinder an manchen Tagen in die Kita bringen und an anderen auch abholen kann, um ein zum Zahnarztberuf auch ein erfülltes Familienleben haben zu können.

Vielen Dank für das interessante Gespräch.

Foto: Maximilian Duckwitz, Allgemeinzahnarzt/Stuttgart