Das von Dr. Holger Zipprich erfundene, von der GalvoSurge AG entwickelte und von Nobel Biocare vertriebene GalvoSurge, ein Instrument zur kurativen und nachhaltigen Periimplantitis-Therapie, hat es in den klinischen Alltag geschafft – wie sind die Erfahrungen?

Interview mit Prof. Dr. med. dent. Michael Gahlert und Priv.-Doz. Dr. med. dent. Stefan Röhling, Oralchirurgie T1 München

Sie gelten als versierte Chirurgen und Implantologen – wieso haben Sie so viele Periimplantitis-Fälle?

Ich betreue meine Implantatpatienten jetzt seit 31 Jahren hier am gleichen Standort in München und kann so auf eine große Zahl an Patienten zurückblicken, die zur Implantatnachsorge erscheinen. Einige kommen unregelmäßig und erst dann, wenn es ‚brennt‘. Hier müssen wir leider in vielen Fällen ein etabliertes periimplantäres Problem feststellen. Die von Derks 2016 kommunizierte Metaanalyse, dass nach neun Jahren an fast 22 Prozent aller gesetzten Titanimplantate Periimplantitis zu finden ist, kann ich voll und ganz bestätigen.

Was ist bei GalvoSurge der sogenannte ‚game changer‘ im Vergleich zu bisherigen Konzepten?

Bisher haben wir im Rahmen der Periimplantitistherapie alles versucht, um die freigelegte und mikroraue Titanoberfläche zu dekontaminieren. Wir haben uns eingebildet, dass diese dann sauber ist und sind immer ‚von außen nach innen‘ vorgegangen. Dr. Georg Bach konnte jedoch in elektronenmikroskopischen Aufnahmen zeigen, dass immer Rückstände übrig bleiben – auch wenn man sich noch so viel Zeit für die Reinigung nimmt. 

Jetzt können wir die Reinigung von innen nach außen steuern, da durch das Elektrolyse-Prinzip direkt an der Implantatoberfläche alle Bakterien und Ablagerungen herausgesprudelt werden.

Das Gerät nimmt sich in der Anwendung eher komplex aus …

Nur auf den ersten Blick. Das Gerät ist sehr einfach zu handhaben und zu verstehen. Die Erklärung des Reinigungsprinzips vor allem vor dem Patienten ergibt Sinn, denn jeder Patient möchte seine Implantate behalten und kann das Elektrolyseprinzip nachvollziehen. Wenn man dann als Behandler sieht, was aus so einer Implantatoberfläche für ein Schmutz herauskommt, ist man erst vollkommen fassungslos und gleichzeitig überzeugt, dass die Behandlung hoch effizient ist.

Welches Protokoll verfolgen Sie nach der erfolgreichen Behandlung mit GalvoSurge?

Wir beobachten in der postoperativen Phase zunächst einmal die sehr guten Gewebeanlagerungseffekte und möchten natürlich, dass das so bleibt. Also ist die Remotivation des Patienten bezüglich seiner Putztechnik sehr wichtig. Morphologisch nicht einwandfreie Prothetik sollte unbedingt geändert werden, denn wenn es vorher Schmutznischen gegeben hat, so sollten diese entschärft werden. Dann werden Patienten in noch engmaschigere Recalls genommen. Am Ende des Tages wünschen wir uns, dass betroffene Titanimplantate im neuen, entzündungsfreien Zustand weiterhin über viele Jahre erhaltbar sind.

Hat sich seit dem Einsatz die Anzahl der Implantate, die Sie verloren geben müssen, deutlich reduziert?

Wir würden das mit einem klaren ‚Ja‘ beantworten. Die gefühlte Anzahl von Titanimplantaten, die jetzt noch eine realistische Chance haben, weiterhin bestehen zu bleiben, liegt bei etwa 50 Prozent!

Kann GalvoSurge Ihrer Meinung nach als tatsächlich kurative Methode zur wirksamen Bekämpfung der Periimplantitis verstanden werden?

GalvoSurge ist ein neuer Ansatz, periimplantäre Probleme um Titanimplantate in den Griff zu bekommen. Das Prozedere bisheriger chirurgischer Interventionen ändert sich ja nicht. Nach wie vor brauchen wir in vielen Fällen vorbehandelnde Maßnahmen, nach wie vor sollte der Defekt vollständig freigelegt und konventionell chemisch gereinigt werden. Nun kommt zusätzlich GalvoSurge ins Spiel. Das bedeutet, dass wir bei regenerativen Therapien wie an zwei- oder dreiwandigen Knochentaschen am Implantat vorher die Implantatoberfläche noch einmal mit dem Elektrolyseverfahren dekontaminieren und so für die diversen Zellanlagerungsprozesse attraktiv und aufnahmefähig gestalten. Wir bekommen damit die Sicherheit, für das angeschlagene Titanimplantat alles getan zu haben, ehe wir regenerieren und den Nahtverschluss vollziehen – ein wirklich gutes Gefühl für uns Behandler!

Für uns daher eine der effizientesten und innovativsten Ansätze der vergangenen Jahrzehnte auf diesem Gebiet!

Herzlichen Dank für dieses Gespräch.