Anfang 2020 übernahm das Düsseldorfer Traditionsunternehmen Hager & Meisinger als einer der letzten inhabergeführten Dentalhersteller auch den Vertrieb der Implantatsysteme von DRS – Dental Ratio Systems. Was verspricht sich das für seine „Bone Management“-Marke bekannte Haus davon, wollte pip wissen.

Bild: Interview mit Sebastian Voss, Geschäftsführender Gesellschafter Hager & Meisinger

pip: Nun gehen Sie also auch unter die Kopisten?

Sebastian Voss: Haben Sie sich schon mal nach dem Sinn eines Patentes gefragt? Ein Hersteller hat so eine gewisse Zeit, einen monopolistischen Vorteil auszunutzen, um seine Kosten für Forschung und Entwicklung einer Innovation und möglichst auch einen Gewinn zu erzielen. Nach 20 Jahren können bewährte Konzepte nachempfunden und darauf aufbauend weiterentwickelt werden – nur so können dynamische Verbesserungen funktionieren. Daran kann ich nichts Falsches entdecken. Nach fast 20 Jahren im Markt kann man von Dental Ratio bzw. dem Oktagon Implantatsystem wiederum fast von einem ‚Original‘ sprechen, denn von Anfang an haben wir das System nicht nur zu einem fairen Preis- Leistungsverhältnis patentgetreu und mit dem Qualitätsmerkmal ‚Made by Meisinger‘ (Hager & Meisinger) nachgebaut, sondern stetig weiterentwickelt.

pip: Was bewegte Sie als erfolgreichen Instrumentenhersteller, ein Implantatsystem in Ihr Portfolio aufzunehmen?

Sebastian Voss: Seit fast 132 Jahren stehen wir für Qualität ‚Made in Germany‘. Schon seit Beginn unserer Firmengeschichte positionieren wir uns als zuverlässiger Hersteller von rotierenden Instrumenten und blicken auf über 40 Jahre Erfahrung als Produzent für das ‚Who is Who‘ der Implantat-Anbieter zurück. Heute sind wir in mehr als 100 Ländern weltweit aktiv und konnten uns als Partner vieler meinungsbildender Anwender in der dentalen Implantologie etablieren, mit denen wir innovative Lösungskonzepte entwickeln, wie z. B. das Micro Screw- System mit Prof. Dr. Dr. Fouad Khoury oder die Master Line mit Prof. Dr. Istvan Urban. Wir sind also sehr eng mit den Bedürfnissen der chirurgisch und implantologisch tätigen Anwender von heute verbunden. Statt irgendein Unternehmen extern zuzukaufen, wollen wir das Value Segment aus dem eigenen Portfolio anbieten. Hier wissen wir um die Qualität und unsere Partner um die Zuverlässigkeit und Planbarkeit auch zukünftiger Versorgungsoptionen. Ich denke, gerade die aktuelle Situation hat wieder einmal gezeigt, wie wertvoll ‚Made in Germany‘ und ein verlässlicher Partner mit Hersteller-Kompetenz im Gesundheitswesen ist. Viele der zusätzlichen hygienischen Maßnahmen, die nun in den Praxen getroffen werden müssen, kosten Zeit und Geld. Einsparmöglichkeiten auf der Materialseite geben entweder zusätzliche Spielräume auf der Honorarseite oder erweitern deutlich das Patientenpotential. Wir bieten die Oktagon Tissue Level- und Bone Level-Implantate inklusive der Verschlussschraube schon seit 2003 preisstabil an. Damit sind wir als deutsches Markenprodukt absolut wettbewerbsfähig mit anderen Anbietern, die weder auf eine so konstante Geschichte zurückblicken können noch, angesichts mancher Turbulenzen in den Märkten, eine so sichere Zukunft haben dürften. Dauerhafte Verfügbarkeit ist für Zahnarzt und Patient aber ein sehr wichtiges Kriterium. Weltweit wurden übrigens von Dental Ratio schon mehr als 500.000 Implantate gesetzt – auch das an sich sicherlich eine beeindruckende Zahl.

pip: Tritt Ihr Engagement im Instrumentenbereich damit mehr in den Hintergrund?

Sebastian Voss: Im Gegenteil. Die dentale Implantologie von heute ist kein Einzelvorgang, sondern wir denken in Konzepten. Nicht zuletzt mit den immer stärkeren Einflüssen der digitalen Prozesse – auf die die DRS-Implantatlinien natürlich auch ausgelegt sind. Unser Know-how bei den Behandlungskonzepten und -erfordernissen von heute mündet in intelligente, minimalinvasive und damit für Zahnarzt wie Patient effizientere, wirtschaftlichere und angenehmere Behandlungsprotokolle. Im Zentrum steht dabei immer der qualifizierte Zahnarzt, dem wir mit unseren Mitteln helfen, die Biologie bestmöglich zu nutzen und zu unterstützen, zugunsten vorhersagbarer und effizienter Ergebnisse. Mit einem Implantatsystem im Value-Bereich werden wir damit einer sozialen Verpflichtung als traditioneller Medizintechnik-Hersteller gerecht, eine Behandlungsform wie die dentale Implantologie, deren Vorteile auf der Hand liegen, für breitere Kreise der Bevölkerung zu ermöglichen.

pip: Herzlichen Dank für Ihre Zeit und dieses Gespräch.